29. Mai 2017
VdK-Zeitung

VdK setzt sich für gute und bezahlbare Pflege ein

Durch die Pflegestärkungsgesetze eingeleitete Reformen müssen konsequent weiterverfolgt werden

Die Pflege bewegt die Menschen so stark wie kaum ein anderes sozialpolitisches Thema. Pflegebedürftigkeit wird zunehmend zum Armutsrisiko. Insgesamt muss die Situation von Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und von Pflegekräften deutlich verbessert werden, fordert der Sozialverband VdK.

Die meisten Menschen wollen im Pflegefall von ihren Angehörigen zu Hause versorgt werden. | © imago/Westend61

Knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Die gute Nachricht: Hier zeigt sich, dass der Zusammenhalt der Familien funktioniert, denn 1,38 Millionen von ihnen werden ausschließlich von ihren Angehörigen versorgt. Die schlechte Nachricht: Angehörige bekommen viel zu wenig Geld und Unterstützung für ihre Leistung.

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Der Sozialverband VdK setzt sich seit Jahren für Verbesserungen in der Pflege ein. Zuletzt konnten mit den Pflegestärkungsgesetzen I, II und III wesentliche Änderungen für Pflegebedürftige erreicht werden. Insbesondere Demenzkranke haben nun deutlich mehr Ansprüche auf Geld und Sachleistungen aus der Pflegeversicherung. Trotzdem bleibt nach Ansicht des Sozialverbands VdK noch viel zu tun, um die Zukunft der Pflege in Deutschland sicherzustellen.


Finanzierung

Die gesetzliche Pflegeversicherung wird oft als „Teilkaskoversicherung“ bezeichnet, weil sie nur einen Teil des Pflegerisikos finanziell abdeckt. Gerade in den letzten Jahren ist zu beobachten, dass die privaten Kosten für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen regelrecht davongaloppieren. Das Pflegerisiko wird zunehmend privatisiert.

Insbesondere in der stationären Pflege geraten immer mehr Menschen in Armut, weil sie die steigenden Zusatzausgaben, zum Beispiel für Verpflegung und Investitionskosten, nicht mehr tragen können. Heute müssen bereits 41 Prozent aller Heimbewohner Hilfe zur Pflege beantragen, weil ihr Einkommen nicht für den Pflegeplatz reicht.

Auch pflegende Angehörige erhalten für ihre kräftezehrende Aufgabe kein angemessenes Pflegegeld. Die Leistungen der Pflegeversicherung sind 20 Jahre lang nahezu unverändert geblieben und wurden erst mit dem Pflegestärkungsgesetz II angehoben.

Der VdK fordert:
Die Pflegeversicherungsleistungen müssen jährlich automatisch angepasst werden, orientiert an der allgemeinen Lohn- und Preisentwicklung. Die Einnahmeseite der Pflegeversicherung muss gestärkt werden: durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung, das Einbeziehen anderer Einkommensarten sowie einen Steuerzuschuss für diese wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Außerdem fordert der VdK einen Solidarausgleich zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung. Letztere hat nach eigenen Angaben eine Reserve von 31 Milliarden Euro angehäuft und könnte damit ihre Versicherten theoretisch 30 Jahre lang versorgen.


Angehörige entlasten

Angehörige sind der größte Pflegedienst Deutschlands. Mit der teils immensen Belastung werden sie aber leider oft alleingelassen. Pflege geht an die Substanz: körperlich, psychisch und auch finanziell.

Der VdK fordert:
Um den Wunsch der meisten Menschen zu erfüllen, in ihrem Zuhause von ihren Angehörigen gepflegt zu werden, müssen sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen grundsätzlich verbessern. Der Sozialverband VdK fordert eine rentenrechtliche Gleichstellung von Kindererziehungs- und Familienpflegezeiten, ebenso die Einführung einer Lohnersatzleistung in Anlehnung an das Elterngeld. Die Finanzierung sollte in beiden Fällen über Steuermittel erfolgen.

Darüber hinaus müssen weitere Entlastungsangebote für pflegende Angehörige geschaffen werden. Dazu gehört insbesondere eine ausreichende Anzahl an Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen. Länder und Kommunen müssen ein flächendeckendes Netz an Pflegestützpunkten als trägerübergreifende und neutrale Anlaufstellen für Pflegefragen schaffen sowie auch aufsuchende Beratung zu Hause anbieten.


Wohnen und leben

Nur etwa fünf Prozent der Wohnungen, in denen über 65-Jährige leben, sind auf die Bedürfnisse im Alter ausgerichtet. Mit dem barrierefreien Ausbau von Wohnungen ließe sich der Umzug ins Pflegeheim für viele Menschen hinauszögern, für 15 Prozent der Pflegebedürftigen sogar ganz vermeiden. Das würde Milliarden Euro an Pflegekosten sparen. Hinzu kommt, dass viele Ältere allein leben und mehr Unterstützung vor Ort benötigen.

Der VdK fordert:
Beim Neu- und Umbau von Wohnungen muss eine Quote an barrierefreien Wohneinheiten erfüllt werden. Die Zuschüsse zur Wohnraumanpassung bei Behinderung oder Pflegebedürftigkeit müssen deutlich angehoben werden, um den jetzigen und künftigen Bedarf zu decken. Dafür muss es ein Sonderinvestitionsprogramm des Bundes und der Länder geben. Des Weiteren fordert der VdK den Auf- und Ausbau technischer Unterstützungssysteme. Dafür soll auch das Pflegehilfsmittelverzeichnis um technische Produkte erweitert werden, die den Verbleib zu Hause ermöglichen.


Pflegepersonal

Der Gesamtbedarf an beruflich Pflegenden wird in den nächsten Jahren massiv ansteigen. Unterschiedliche Berechnungen gehen von 300 000 bis 500 000 zusätzlichen Pflegekräften bis zum Jahr 2050 aus. Schon heute kann in einigen Regionen die Pflege nicht sichergestellt werden. Diese Situation wird sich in Zukunft verschärfen, wenn nicht entschlossen gegengesteuert wird. Viele Pflegekräfte geben ihren Beruf wegen der schlechten Arbeitsbedingungen vorzeitig auf.

Der VdK fordert:
Damit die Pflege ein attraktiver Beruf wird, muss die finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung von Pflegekräften steigen. Heimträger müssen sich zu einer verantwortungsvollen Personalpolitik verpflichten, tarifliche Vereinbarungen einhalten beziehungsweise diese endlich schaffen. Insgesamt muss der Personalschlüssel in den stationären Einrichtungen massiv angehoben werden, da der Anteil schwerst pflegebedürftiger Bewohner dort immer mehr ansteigt.


Würde bis zuletzt

Zu einem menschenwürdigen Leben gehört auch ein menschenwürdiges Sterben. Niemand sollte am Ende seines Lebens ohne Zuwendung sein und Schmerzen erleiden müssen. Doch nur jeder Dritte erhält eine palliativmedizinische Begleitung.

Der VdK fordert:
Das Hospiz- und Palliativgesetz hat zwar zu Verbesserungen der ambulanten Palliativversorgung geführt, eine flächendeckende Versorgung kann aber nur durch eine weitere Erhöhung der Mittel erreicht werden. Um zu vermeiden, dass Pflegebedürftige zuletzt doch in der Anonymität eines Krankenhauses sterben, müssen systematisch Hospizstationen in den Pflegeheimen eingerichtet werden. Hier fehlt es noch an ausreichenden Angeboten.

Viele Informationen rund um das Thema Pflege und eine kostenlose Info-Broschüre für pflegende Angehörige finden Sie hier auf unserer Website:

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Symbolfoto: Angehörige oder Pflegekraft beugt sich über einen Senior im Rollstuhl
Informieren Sie sich über Wissenswertes aus dem Bereich Pflege, zum Beispiel zu Neuerungen in der Pflegepolitik, zur Reform der Pflegeversicherung 2017 oder zu Informationen für pflegende Angehörige. | weiter

Soziale Spaltung stoppen! - Pflege (UT)

Version mit Untertiteln: Die Forderungen des Sozialverbands VdK zur Bundestagswahl 2017 zum Thema Pflege auf einen Blick. Knapp 2,9 Millionen Menschen sind pflegebedürftig. Annähernd drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt, 1,38 Millionen allein durch Angehörige.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Pflege | Pflegeversicherung | Pflegepersonal | Forderungen | Soziale Spaltung stoppen | Leistungen | Armut | pflegende Angehörige

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