27. März 2017
VdK-Zeitung

Sich an ein Hörgerät gewöhnen

Viele Ältere haben in der ersten Zeit Schwierigkeiten mit dem Hilfsmittel

Rund 15 Millionen Menschen hören hierzulande schwer. Doch nur rund 2,5 Millionen tragen ein Hörgerät. Bei manchem liegt es noch nahezu ungebraucht in der Schublade. Manchmal wegen der ungewohnten Technik oder der Handhabung. Ebenso kann es einen schwerhörigen Menschen überfordern, wenn er plötzlich alles hören kann. Doch wie bei einer neuen Brille braucht es etwas Geduld, bis man sich an das Hörgerät gewöhnt hat.

© picture alliance/Frank May

Moderne Hörgeräte sind nicht nur technologisch ausgefeilte Produkte, sondern Maßanfertigungen. Trotzdem können sie das natürliche Hören nicht ganz ersetzen. Das liegt zum einen an der Handhabung. Die Geräte bieten meist verschiedene Einstellungen an, um sich optimal an unterschiedliche Umgebungs- und Gesprächssituationen anzupassen. Das kann anfangs etwas verwirrend sein.

Geräusche vergessen

Der andere Grund ist, dass das Gehirn in der Zeit der Schwerhörigkeit verlernt hat, mit einer normalen Geräuschkulisse umzugehen. Da es weitaus weniger Reize als früher bekommt, vergisst es nach und nach, wie sich leise Geräusche, wie Vogelgezwitscher oder Blätterrauschen, anhören. Wird das Gehirn nun durch ein Hörgerät wieder einem nahezu normalen Geräuschpegel ausgesetzt, empfindet es diesen als laut und störend. Schon alltägliche Geräusche wie die eigenen Schritte, der eigene Atem oder das Rascheln der Kleidung können unangenehm sein.

Diese Erfahrung hat auch Renate Welter, Vizepräsidentin des Deutschen Schwerhörigenbundes, gemacht. „Ich war überfordert, weil ich Töne, Geräusche und Sprache als unangenehm empfand“, erinnert sie sich. Ihr Hörgerät habe sie anfangs nur während der Arbeit getragen. Sie rät anderen Schwerhörigen: „Warten Sie nie zu lange mit der Anschaffung von Hörgeräten. Je früher Sie beginnen, desto eher können Sie Hörschwächen ausgleichen und den Umgang mit den Geräten erlernen.“ Je schlechter das Gehör, desto schwieriger sei der Anpassungsprozess und die Gewöhnung an die neue Hörsituation.

In der Eingewöhnungsphase sei ein stundenweiser Einsatz sinnvoll. Das Ziel müsse aber immer das ständige Tragen der Hörgeräte sein. „Wird das Hörgerät nur zeitweise und in bestimmten Situationen benutzt, kann sich das Gehör nicht daran gewöhnen, und der gewünschte Erfolg bleibt meist aus“, so Renate Welter.

Bevor man sich für ein Gerät entscheidet, sollte man das Hilfsmittel in allen Situationen des Alltags und etwa vier Wochen testen. Der Akustiker kann individuelle Einstellungen vornehmen und das Gerät anpassen.
Mittlerweile können Hörgeräte nicht nur den Verlust der Lautstärke ausgleichen, sondern Geräusche filtern und dazu beitragen, dass das Gehirn Klänge besser verarbeiten kann. Auch für Konzertbesuche sowie für das Telefonieren gibt es spezielle Lösungen. 

Lesen Sie zum Thema auch:

VdK-Zeitung
Symbolfoto: Jemand hält ein Hörgerät auf der Handfläche.
Wer ein Hörgerät braucht, muss etwas Geduld aufbringen. Damit das Hilfsmittel auch optimal zum Patienten passt, werden verschiedene Modelle ausprobiert und miteinander verglichen. Oft ist das am besten geeignete Gerät teurer als die aufzahlungsfreie Variante. Deshalb ist es wichtig, die Übernahme der Mehrkosten bereits vor dem Kauf zu klären. | weiter
27.03.2017 | ali

VdK-TV: Hörgeräte - wer braucht sie? Wer bezahlt sie?

Die Menschen, die von Schwerhörigkeit betroffen sind, werden immer jünger. Die Anzeichen für eine Schwerhörigkeit werden oft lange übersehen oder ignoriert und ein Besuch beim HNO-Arzt hinausgezögert.
Warum es wichtig ist, so schnell wie möglich zu handeln, wenn Verdacht auf eine Hörminderung besteht und wie es mit der Kostenübernahme für Hörgeräte aussieht, klären wir in diesem Beitrag.

Ines Klut

Schlagworte Hörgerät | Gewöhnung | Eingewöhnung

Mediadaten

  • VdK_Mediadaten_2017.pdf (741,69 KB, PDF-Datei)

    Mediadaten 2017 der VdK-Zeitung - der Werbeträger für die Zielgruppe 50+! Jede Ausgabe über 1,5 Millionen Exemplare

Hier finden Sie die Artikel aus unserer Reihe "So hilft der VdK":

Mitgliedschaft
Symbolfoto: Eine Statue der Justitia
In unserer Serie "So hilft der VdK" berichten wir regelmäßig über echte Fälle aus der Sozialrechtsberatung unserer VdK-Landesverbände, bei denen der VdK seinen Mitgliedern zu ihrem Recht verholfen hat. | weiter
Presse
VdK-Präsidentin Ulrike Mascher im Interview mit dem ZDF
Der VdK in den Medien - eine Auswahl des Pressespiegels der letzten Wochen
Presse
Symbolfoto: Eine Fotokamera
Journalisten finden hier das Logo des VdK Deutschland sowie Pressefotos und eine Vita der VdK-Präsidentin zum Herunterladen in hoher Auflösung.
Presse
Symbolfoto: Eine Computertastatur, darüber die Grafik eines @-Zeichens und eine Maus-Hand, die darauf klickt
Sie können sich die aktuellen Pressemitteilungen des Sozialverbands VdK Deutschland kostenlos per E-Mail übersenden lassen.
Presse
Symbolfoto: Ein Briefumschlag mit einem großen @-Zeichen darin.
Sie möchten über Neuigkeiten auf der Website des VdK Deutschland informiert werden? Mit dem Newsletter des VdK Deutschland halten wir Sie auf dem Laufenden!