Sozialverband VdK Deutschland e.V.
20. Januar 2023
PRESSEMITTEILUNG

Vergütungsstreit über Mandel-OPs: Profit darf nicht wichtiger sein als Kindergesundheit

  • VdK: Aufforderung von Ärzteverbänden, keine Eingriffe vorzunehmen, ist unzumutbar für Betroffene
  • VdK-Präsidentin Verena Bentele: „Familien mit kranken Kindern haben es heutzutage schwer genug, die richtige Versorgung zu erhalten“

Zwei Verbände von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten haben ihre Kolleginnen und Kollegen aufgerufen, keine Operationen an Rachen- und Gaumenmandeln bei Kindern anzubieten, bis eine höhere Vergütung dafür vereinbart ist. Die Verbände sind mit der Vergütung unzufrieden, die kürzlich für diese Operationen zwischen Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ausgehandelt wurde. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagt dazu:

„Das ist ein alarmierendes Beispiel dafür, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Vergütung über die Gesundheit ihrer Patienten stellen. Das ist unzumutbar für die betroffenen Familien. Bei den Krankenhäusern hat sich immerhin die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Gewinnorientierung zu einer Fehlversorgung der Patienten führt. Nun gibt es diese Auswüchse bei den niedergelassenen Ärzten. In der Gesundheitsversorgung muss immer gelten: Vergütung und Profit dürfen nie wichtiger sein als die Gesundheit der Patienten oder in diesem Fall der Kinder.

Der VdK steht dazu, dass Menschen für eine gute Bezahlung eintreten. Pflegepersonal darf streiken, um einen besseren Tariflohn zu bekommen. Ärztinnen und Ärzte dürfen sich für eine bessere Vergütung einsetzen. Aber Gewerkschaften befristen Streiks, und im Gesundheitswesen gibt es immer einen Not-Einsatzplan, um die Patienten weiterhin zu versorgen. Doch die beiden Verbände rufen zu einem unbefristeten Streik bei diesen Operationen auf - ohne Ausnahme oder Notfallplan.

Schlimmer noch: Mit der Aufforderung an Eltern, sich doch an die Krankenkassen und Abgeordneten des Bundestages zu wenden, wollen die Verbände die Familien noch für ihre Zwecke instrumentalisieren. Auch der Satz, dass sich diese Eingriffe durchaus verschieben lassen, ist eine Ausflucht. Die Kinder sind krank, denn es gibt ja einen medizinischen Grund für die Operation. Und Familien mit erkrankten Kindern haben es heutzutage schwer genug, die richtige Versorgung für ihre Kinder zu erhalten. Denn es fehlt an täglich benötigten Medikamenten und Intensiv-Betten sind knapp.

Es ist eher wichtig, dass das Vergütungssystem insgesamt auf den Prüfstand kommt. Es kann nicht sein, dass es große Unterschiede zwischen der Vergütung von ambulanten und stationären Eingriffen gibt, oder dass Privatpatienten deutlich mehr Geld in die Kasse bringen als gesetzlich Versicherte.“

Pressekontakt Julia Frediani, Mobil: 0151 26 163 180, presse@vdk.de