26. April 2017

Vorsicht beim Einkaufen: Alkohol versteckt sich in vielen Lebensmitteln

Kleine Mengen müssen nicht deklariert werden – Auch alkoholfreie Getränke enthalten oft bis zu 0,5 Prozent Alkohol

In vielen Lebensmitteln ist Alkohol enthalten. Meist handelt es sich um kleine Mengen, die für gesunde Menschen unbedenklich sind. Doch wer aus gesundheitlichen Gründen auf Alkohol verzichten muss, sollte wissen, worin sich dieser versteckt.

Vorsicht Alkohol: Bei der Schwarzwälder Kirschtorte wird der Tortenboden mit Kirschwasser getränkt. | © misterfarmer/pixabay.de

Rumkugeln, Schwarzwälder Kirschtorte und Weinsauerkraut: Hier besagt schon der Name, dass Alkohol enthalten ist. Bei vielen anderen Produkten ist das nicht so einfach zu erkennen. „Wir fordern eine bessere Kennzeichnung“, betont Silke Schwartau, Abteilungsleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. „Der Alkohol sollte auf den ersten Blick erkennbar sein.“ Bei offenen Lebensmitteln, beispielsweise Backwaren oder Eisbechern, muss Alkohol überhaupt nicht angegeben werden. Auch im Restaurant werden Gäste nicht darüber informiert, dass bestimmte Gerichte Alkohol enthalten.

Betrunken werden kann man von den meist kleinen Mengen nicht. Dennoch kann der Alkoholgenuss für trockene Alkoholiker oder für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die viele Medikamente nehmen müssen, bedenklich sein. Hier kann es im schlimmsten Fall zu einem Rückfall oder zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln kommen. Auch wer Gleichgewichtsstörungen, innere Entzündungen oder eine Magen-Darm-Erkrankung hat, sollte vorsichtig sein. Für Kinder sind selbst kleinste Alkoholmengen nicht geeignet, denn sie könnten sich an den Geschmack gewöhnen.

Da Alkohol in der Lebensmittelindustrie oft als Konservierungsmittel verwendet wird, kann er sich in sämtlichen Fertigprodukten verstecken, zum Beispiel in Bratensoßen, Hühnerfrikassee oder Marzipan. Zwar muss er auf der Zutatenliste angegeben werden, die auf der Verpackung abgedruckt ist. „Aber die Schrift ist meist viel zu klein und schlecht kontrastiert. Das ist insbesondere für ältere Menschen schwer zu lesen“, kritisiert Schwartau. Teilweise verbirgt sich die Zutatenliste unter einem Falz oder an einer Abrissstelle. Hinzu kommt, dass die Industrie viele unterschiedliche Begriffe für Alkohol verwendet: etwa Ethylalkohol, Ethanol, Weingeist, Calvados, Obstbrand oder Rosenwasser.

Auch Getränke, die vermeintlich alkoholfrei sind, enthalten häufig bis zu 0,5 Prozent Alkohol. Laut Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung muss der Gehalt erst ab 1,2 Prozent deklariert werden. Getränke mit weniger als 0,5 Prozent dürfen als „alkoholfrei“ bezeichnet werden.

Die Expertin rät, beim Einkaufen die Zutatenlisten der Produkte genau zu studieren – notfalls mit einer mitgebrachten Lupe. Fertigprodukte, die Alkohol enthalten, können meist problemlos durch andere ersetzt werden. In Cafés und Restaurants sollte man keine Scheu haben, nachzufragen: „Es ist das Recht des Gastes, zu erfahren, ob ein Inhaltsstoff verwendet wurde, den er nicht verträgt“, sagt Schwartau.

Annette Liebmann

Schlagworte Alkohol | Lebensmittel | Kennzeichnung | versteckt | Zutaten | Deklarierung | Verbraucherzentrale | Verordnung

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel liegt in unserem Archiv und ist daher möglicherweise veraltet.

Zur Startseite mit aktuellen Inhalten gelangen Sie hier: Startseite: Über uns

Datenschutzeinstellungen

Wir setzten auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.