27. März 2017

Als der Hund zu führen lernte: Wanderausstellung zur Blindenführhundausbildung

Mehr als 14.000 Hunde in Europa sind rund um die Uhr an der Seite von Menschen mit einer Sehbehinderung. Rund 2100 davon leben in der Bundesrepublik. Vor 100 Jahren wurde einem im Ersten Weltkrieg erblindeten Soldaten der erste ausgebildete Blindenführhund in Deutschland übergeben. Eine Ausstellung
dazu tourt gerade durchs Land.

Der im Krieg erblindete Soldat Paul Feyen mit seinem Führhund. | © Quelle: privat/Familie Feyen

In einer schlichten Uniform sitzt Paul Feyen auf einem Stuhl, die Beine hat er überschlagen. In der rechten Hand hält er einen Stock, und zu seinen Füßen sitzt ein schwarzer Schäferhund mit großen, hoch aufgerichteten Ohren und weichem, glänzendem Fell.

Paul Feyen war im Ersten Weltkrieg erblindet. Im Oktober 1916 übergab der Deutsche Verein für Sanitätshunde den ersten systematisch ausgebildeten Blindenführhund an ihn. Andere Soldaten, die ebenfalls nicht mehr sehen konnten, bekamen in der Folge ebenfalls Führhunde. Später profitierten auch sehbehinderte Menschen, die nicht im Krieg verletzt wurden, von den Fähigkeiten dieser bestens trainierten Vierbeiner.

Heutzutage gibt es allein in Deutschland rund 2100 „Führgespanne“. Europaweit sind es etwa 14.300, die meisten davon in Großbritannien und Nordirland: Dort sind es 4770.

Seit einem halben Jahr erinnert der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) in einer Ausstellung und verschiedenen begleitenden Veranstaltungen an die Entwicklung der Blindenführhundausbildung. Die nächste Station der Ausstellung „Helfer auf vier Pfoten – 100 Jahre Blindenführhundausbildung in Deutschland“ ist vom 28. März bis 20. April die Stadtbibliothek von Mülheim an der Ruhr. Weitere Orte und Veranstaltungen sind danach Hamburg, der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin, und im Oktober wandert die Ausstellung zur „Woche des Sehens“ nach Münster. Zusätzliche Termine sollen folgen.

Zur Ausstellung gibt es auch eine Internetseite, in der die einzelnen Tafeln zu sehen sind. Dazu gibt es ausführliche schriftliche Beschreibungen der Bilder und Grafiken sowie pro Seite eine Hördatei zum Herunterladen, mit der sich Menschen mit einer Sehbehinderung und blinde Menschen die Texte anhören können.
Die Ausstellung zeigt mit historischen Bildern die Geschichte der Blindenführhunde. Diese reicht noch deutlich weiter zurück, wie ein schwarz-weißer Stich aus dem Jahr 1753 belegt. Darauf ist ein Hospital für Blinde in Paris zu sehen, das heute noch existiert. Davor steht ein älterer Mann, und um sein Handgelenk baumelt eine mehrfach verknotete Schnur, an der ein mopsartiges Hündchen angeleint ist: ein Blindenführhund. 

Die Texte und Hördateien zur Ausstellung „Helfer auf vier Pfoten“ sind im Internet abrufbar unter: www.dbsv.org/ausstellung.html


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Schlagworte Blindenhund | Blindenführhund | Geschichte | Historie | Ausstellung

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