27. März 2017

Die richtige Hilfe beim Essen und Trinken

Pflegebedürftige und kranke Menschen sollten auch in puncto Ernährung ihre Selbstständigkeit behalten

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, sagt der Volksmund. Das trifft besonders dann zu, wenn gesundheitliche Einschränkungen vorhanden sind. Für ältere Menschen ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung besonders wichtig, um Mangelerscheinungen gar nicht erst auftreten zu lassen. Darüber hinaus helfen feste Essenszeiten, den Alltag zu strukturieren.

© picture alliance/dpa-Themendienst

Besonders bei pflegebedürftigen Menschen kommt es darauf an, die richtige Hilfe zu geben, damit das Essen ein Vergnügen bleibt. „Jeder hat das Recht, selbst darüber zu entscheiden, was, wann und wie viel er isst“, so Dr. Antje Tannen, Pflegewissenschaftlerin am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Charité Berlin.

Pflegende sollten nur die Dinge übernehmen, die der Pflegebedürftige nicht mehr selbst erledigen kann, auch wenn die Mahlzeiten dadurch mehr Zeit in Anspruch nehmen. So würden vorhandene Fähigkeiten trainiert und das Selbstvertrauen gestärkt. „Auch die Atmosphäre ist beim Essen und Trinken wichtig“, so Dr. Tannen. Ganz nach dem Motto „Das Auge isst mit“ sollten Speisen und Getränke appetitlich angerichtet und die unmittelbare Umgebung gemütlich gestaltet werden.

Hilfsmittel beim Essen

Erkrankungen können mit körperlichen Beeinträchtigungen einhergehen, die sich auch auf die Nahrungsaufnahme auswirken. So leiden Menschen mit Arthrose oder Parkinson unter einem ausgeprägten Zittern, sodass sie oft herkömmliches Besteck nicht problemlos benutzen können. Auch allgemeine Schwäche und die Lähmung von Körperteilen, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, können dazu führen, dass nur noch mit Unterstützung gegessen und getrunken werden kann. Häufig leiden ältere und pflegebedürftige Menschen unter Kau- und Schluckbeschwerden.

„Hilfsmittel wie spezielles Geschirr und Besteck können dazu beitragen, die Eigenständigkeit beim Essen und Trinken zu bewahren und mehr Sicherheit zu geben“, so die Berliner Pflegewissenschaftlerin. Eine Kostenübernahme für Hilfsmittel kann bei der Pflegekasse beantragt werden. Sanitätshäuser geben einen ersten Überblick über Ess- und Trinkhilfen.

Grundsätzlich sollte in puncto Ernährung darauf geachtet werden, dass es zu keinen Mangelerscheinung kommt. Denn insgesamt braucht der Körper im Alter zwar weniger Energie. Nährstoffe, wie beispielsweise Vitamine, sind jedoch weiterhin wichtig für die Gesundheit. „Isst und trinkt jemand über Tage und Wochen sehr wenig, einseitig oder lehnt das Essen und Trinken ganz ab, kann es zur Mangelerscheinungen kommen“, so Dr. Tannen.

Daher sei es wichtig, Anzeichen ernst zu nehmen und den Grund herauszufinden. Möchte die Person nichts essen, weil sie keinen Appetit verspürt oder weil sie Schmerzen hat? Gibt es eventuell Probleme beim Schlucken oder mit dem Zahnersatz? Vielleicht werden bestimmte Speisen nicht mehr gemocht oder weniger gut vertragen? Manchmal können auch seelische Belastungen auf den Appetit schlagen, zum Beispiel der Verlust eines Angehörigen. „Werden das Essen und das Trinken über Tage abgelehnt, sollte ärztlicher und pflegerischer Rat eingeholt werden“, so die Pflegewissenschaftlerin.

Besonders Flüssigkeitsmangel kann sich schon nach kurzer Zeit negativ auswirken. Anzeichen dafür sind beispielsweise starke Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit. Auch harntreibende Medikamente können zum Flüssigkeitsmangel führen. Oftmals trinken pflegebedürftige Menschen bewusst weniger, um nicht so oft zur Toilette zu müssen. Hier kann es helfen, ein Trinkprotokoll zu führen und die Tagesration bereits morgens hinzustellen. Zudem helfen wasserreiche Speisen, um auf die empfohlene Tagesmenge von etwa 1,3 bis 1,5 Litern zu kommen.

Anregende Gesellschaft

Besonders viel Zuwendung brauchen demenziell erkrankte Menschen. Gerade in der späten Phase der Erkrankung verändert sich das Ess- und Trinkverhalten sehr stark. Nicht selten wird die Nahrungsaufnahme ganz abgelehnt. „Nicht sinnvoll ist es, zum Essen oder Trinken zu überreden oder gar Zwang anzuwenden“, so Dr. Tannen. Vielmehr sollte auf die Bedürfnisse eingegangen werden, zum Beispiel das Essen in mundgerechten Happen reichen oder auch Fotos von Speisen zeigen, um herauszufinden, was derjenige gern möchte. Außerdem ist Gesellschaft beim Essen oft appetitanregend. Mehr Tipps, wie Essen und Trinken schmackhaft gemacht werden können, finden Sie nachfolgend im Kasten. Ines Klut

Tipps:

  • Den Speiseplan mit dem Pflegebedürftigen zusammen erstellen und auf seine Wünsche eingehen.
  • Der Pflegebedürftige sollte schon bei der Vor- und Zubereitung des Essens einbezogen werden. Wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist zu helfen, kann er zuschauen, damit er Gerüche und Düfte wahrnimmt. Die Lebensmittel vor dem Verarbeiten ruhig mal in die Hand des Pflegebedürftigen geben, damit er sie fühlen und riechen kann.
  • Alte Gewohnheiten sollten berücksichtigt werden, zum Beispiel öfter mal das Lieblingsgericht kochen.
  • Appetitanregend wirken frische Kräuter. Sie helfen, dass Geruch und Geschmack besser wahrgenommen werden.
  • Das Essen auf einem großen Teller in kleinen Portionen anrichten. Große Mengen überfordern oft.
  • Den Essplatz einladend gestalten: ruhig, bequem und hell. Zudem sollte man sich Zeit zum Essen nehmen und den Pflegebedürftigen nicht drängen.
  • Generell sollten leicht verdauliche Speisen und eine abwechslungsreiche und gesunde Kost angeboten werden.

Ines Klut

Schlagworte Ernährung | Pflege | Pflegebedürftigkeit | Essen | Trinken | Tipps | Hilfsmittel

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel liegt in unserem Archiv und ist daher möglicherweise veraltet.

Zur Startseite mit aktuellen Inhalten gelangen Sie hier: Startseite: Über uns

Datenschutzeinstellungen

Wir setzten auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.