1. März 2017

Endlich wieder ruhige und erholsame Nächte

Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen – Kliniken wie das Max-Planck-Institut helfen mit Schlafschule und Schlaflabor

Jeder Dritte leidet unter Schlafstörungen. Depressionen können diese ebenso verursachen wie übermäßiger Alkoholkonsum oder Stress. Mit mobilen Geräten kann bei vielen Patienten zuhause der Schlaf überprüft werden. Bei manchen können ein paar Nächte in einem Schlaflabor helfen.

Im Schlaflabor werden die Patienten von 23 bis 7 Uhr überwacht. Damit sie sich an die andere Umgebung und die Verkabelung gewöhnen, dauert ein Aufenthalt in der Regel zwei Nächte. | © Foto: Sebastian Heise

Hier unten, im zweiten Untergeschoss der Klinik, gibt es kein natürliches Licht. Sind die Lampen aus, ist es stockdunkel und mucksmäuschenstill. Dies sind die besten äußeren Bedingungen für einen ruhigen Schlaf. Genau danach sehnen sich die Patienten, die hierher kommen. Sie wollen endlich wieder eine erholsame Nacht erleben. Deswegen sind sie auch in die Klinik des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie gekommen.

Das Schlaflabor, das es seit den 1960er-Jahren gibt, ist das älteste seiner Art in Deutschland. Die vier Zimmer, in denen die Patienten schlafen, sehen aus wie Einzelzimmer eines Krankenhauses: ein typisches, weißes, verstellbares Bett, ein fahrbarer Nachttisch, ein Notrufknopf, ein Tisch, ein Stuhl sowie ein paar technische Geräte. Das Fenster ist jedoch nur eine Attrappe. Dahinter ist die Wand.

Viele Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet kommen hierher, um ihren Schlaf analysieren zu lassen. Meist haben sie im Vorfeld schon Verschiedenes ausprobiert, um eine ruhigere Nacht zu haben – ohne Erfolg. Im Labor soll ihr Schlaf nun genau untersucht werden, und so sitzt im Raum nebenan eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Klinik und überwacht, ob die Elektroden fest sitzen und die Daten richtig übertragen werden.

Prof. Dr. Dr. Martin Keck, Direktor und Chefarzt der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. | © Foto: Sebastian Heise

Ein Drittel der Bundesbürger leidet unter regelmäßigen Schlafstörungen, wie Prof. Dr. Dr. Martin Keck, der Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, berichtet. Das bedeutet, die Patienten schlafen mindestens dreimal in der Woche über einen Zeitraum von drei Monaten nicht richtig durch, schlafen nicht ein oder werden nachts immer wieder wach.

„Wird der Schlaf nicht mehr als erholsam erlebt, liegt wahrscheinlich eine Erkrankung vor“, sagt Keck. Dann sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Gründe für Schlafstörungen sind vielfältig: Übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht oder Stress sind mögliche Ursachen. „Schlafstörungen sind oft aber auch ein Frühanzeichen für eine Depression“, sagt der Chefarzt. Um herauszufinden, was die unruhigen Nächte verursacht, sollten sich Betroffene genau untersuchen lassen. Das kann zunächst ein allgemeiner Gesundheitscheck beim Haus- oder Facharzt sein, bei dem die wichtigsten Körperfunktionen überprüft werden. Dabei können erste mögliche Ursachen gefunden werden.

Raus aus dem Teufelskreis

Hals-Nasen-Ohren-Ärzte können dem Patienten mobile Geräte mit nach Hause geben, mit denen die Atmung während des Schlafs gemessen wird. Der Patient kann auch eine kleine Kamera bekommen, mit der er während der Nacht gefilmt wird.

Stellt sich in den Arztgesprächen heraus, dass Stress oder psychische Probleme die Grundlage für die Störungen sind, kann eine psychologische Behandlung oder Therapie sinnvoll sein. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie bietet für solche Patienten eine Schlafschule an. Das ist ein Gruppenprogramm für ambulante und stationäre Patienten mit einer Depression sowie Einund Durchschlafstörungen. Dort werden die Teilnehmer zunächst allgemein in das Thema eingeführt. Sie studieren Verhaltensweisen ein, die den Schlaf fördern. So üben sie beispielsweise eine Phantasiereise, die beim Einschlafen helfen kann.

Weitere Ziele sind, die Schlafqualität zu verbessern, die Schlafstörung zu beheben und Erfahrungen auszutauschen. In einem Modul geht es auch um den Teufelskreis, in dem sich Betroffene oft befinden. Keck sagt, dass einzelne schlaflose Nächte keine gravierenden Auswirkungen haben. „Schlaf kann man nachholen“, erklärt der Chefarzt.

So kann auch ein Mittagsschlaf sinnvoll und gut sein. Allerdings sollte dieser nicht länger als 20 bis 30 Minuten dauern, wie Keck erläutert. Sonst kommt man in den Nachtrhythmus hinein und findet schlechter wieder in den Tag zurück. Wenn man nachts nicht mehr einschlafen kann und anfängt, sich im Bett herumzuwälzen, sollte man lieber aufstehen, sich hinsetzen und bei gedämmtem Licht etwas Entspannendes lesen oder Musik hören.

Auch ein ruhiger Spaziergang im Freien kann helfen. Nicht so gut sind Fernsehen, Smartphone, PC oder Laptop. Die blauen Lichtquellen sind eher Muntermacher, die die Müdigkeit stoppen. Auch weiße Lampen sind nicht zu empfehlen. Wer also nachts auf Toilette muss, sollte nicht unbedingt die Beleuchtung anschalten. Wer zur Orientierung Licht braucht, sollte lieber rote Lämpchen anbringen, mit denen man den Weg zum WC findet, ohne zu stolpern.

Schließlich erhalten die Teilnehmer in der Schlafschule Tipps für Einschlafhilfen sowie Infos über Schlaftabletten, Medikamente und pflanzliche Präparate. In den meisten Fällen kommen die Patienten so wieder zu einer guten Nacht.


VdK-TV: Gesunder Schlaf

Jeder schläft mal schlecht, wacht morgens wie gerädert auf. Doch wenn der unerholsame Schlaf zum Dauerzustand wird, sollte man zum Arzt gehen

hei

Schlagworte Schlaflabor | Schlafschule | Schlaf | Schlaflosigkeit | Schlafstörung | Stress | Depression | Ursache | Therapie | Schlafmedizin

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel liegt in unserem Archiv und ist daher möglicherweise veraltet.

Zur Startseite mit aktuellen Inhalten gelangen Sie hier: Startseite: Über uns