30. August 2016

Gewitter – ein Naturschauspiel mit Tücken

Was tun, wenn‘s blitzt? Professor Berthold Schalke, führender deutscher Blitzschlagforscher, gibt Tipps

Wenn ein heftiger Donner zu hören ist und die grellen Adern der Blitze den Himmel durchschneiden, ist das beeindruckend. Doch Menschen können durch Gewitter schwer zu Schaden oder gar zu Tode kommen. Früher glaubte man an die Strafe zorniger Götter. Anders konnte man sich diese Naturgewalt nicht erklären.

© imago/imagebroker

Mit 1:3 Millionen ist die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, relativ gering. Dennoch sind Blitze gefährlich – es sei denn, man befindet sich in einem geschützten Gebäude oder einem geschlossenen Gefährt. Jedes Jahr gibt es Hunderte von Blitzschlagunfällen in Deutschland, rund ein Dutzend der Opfer stirbt. Aktuelles Beispiel: Anfang Juni 2016 schlug der Blitz beim Musikfestival „Rock am Ring“ in der Eifel in eine Zuschauergruppe. Hier gab es rund 80 Verletzte, zwei Rockfans mussten wiederbelebt werden.

Je lauter der Donner, desto intensiver die Blitze. Im Schnitt werden in Deutschland laut Deutscher Wetterdienst (DWD) im Jahr zwei Millionen Blitze registriert. Was passiert, wenn ein Mensch vom Blitz getroffen wird? „Dann fließt extrem hoher Strom über den Körper hinweg, der seinen Weg auch über Blut- und Nervenbahnen sucht, um sich wieder zu entladen. Die Dimensionen dabei sind Millionen Volt, 100 000 Ampere und Temperaturen um 25 000 Grad Celsius“, erklärt Professor Dr. med. Berthold Schalke vom Universitätsklinikum Regensburg, der als führender Blitzschlagforscher Deutschlands gilt.

Das Risiko, im Leben von einem Blitz getroffen zu werden, steige bei falschem Verhalten. „Wenn Petrus grollt, wird ins Haus getrollt“, ist einer seiner Leitsätze. „Niemals unter Bäume. Von Türmen, Strommasten und Ähnlichem Abstand halten, auf keinen Fall hinlegen und alle Viere von sich strecken, das zieht den Blitz an. Sofort aus dem Wasser, denn es leitet Blitze vorzüglich. Regenschirme nicht aufspannen, vom Rad oder Motorrad absteigen und fünf Meter Abstand zum Gefährt halten, Sport im Freien beenden“, empfiehlt der Neurologe.

Schalke ist einer der wenigen Forscher in Deutschland für Früh- und Spätfolgen von Blitz- und Stromschlägen und für Blitzschlagopfer oft die letzte Rettung, wenn es darum geht, die richtige Therapie zu finden. Seine Patienten können etwa Landwirte, Waldarbeiter, Jäger oder Freizeitsportler sein.
Insbesondere für das Nervensystem sind die Auswirkungen oft fatal. Denn dieses ist für den Blitz eine natürliche Leitungsbahn. Schalke erklärt: „Jeder Blitzschlag ist gefährlich, auch wenn es regnet. Augen, Ohren, Mund und Nase sind Eintrittspforten.“ Das Herz kann ausgeschaltet werden, es können neurokognitive Defizite verursacht werden, es kann Lähmungen geben, das Trommelfell kann reißen, die Linse des Auges sich trüben, es kann Verbrennungen geben. Die Zeitdauer der Blitzeinwirkung sei extrem kurz, „es sind nur Sekundenbruchteile“. Doch dadurch kann sich das ganze Leben verändern.

Es könnten mehr überleben

10 bis 15 Prozent der vom Blitz getroffenen Menschen sterben. Es könnten mehr überleben, wenn eine Reanimation sofort eingeleitet würde. Extrem wichtig sei, so Schalke, nach dem Unfall mit einer Herzdruckmassage zu beginnen, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Schalke kennt Patienten, die ursprünglich dachten, dass sie den Blitzunfall gut überstanden hätten, doch dann wurden die Leiden immer stärker: Schmerzen in Armen und Beinen, Krampfanfälle, ständige Nervenschmerzen seien keine Seltenheit. All das komme vom Stromschlag, auch Jahre danach.

Er rät: „Die neurologisch-psychiatrische Diagnostik sollte von Ärzten oder Psychologen durchgeführt werden, die mit der Problematik Blitzunfall bereits hinreichende Erfahrungen sammeln konnten. Wesentliche Schädigungen sind dann nicht zu übersehen, und es wird verhindert, dass der Patient nach einem derartigen, für ihn fast immer traumatischen Ereignis als Simulant angesehen wird.“

Mehr zum Thema

Wie gefährlich ist eigentlich ein Gewitter? Wo finde ich Schutz, wenn es blitzt und donnert? Diese und viele andere Fragen werden im Kinder-Comic „Donner-Wetter! Wissen für Kids zu Donner & Blitz“ des Verbands der Elektrotechniker (VDE) beantwortet. Der Comic steht als Download kostenfrei unter www.donner-wetter.info zur Verfügung oder kann im Internet auch kostenfrei einzeln oder für Kindergärten, Schulklassen und Jugendgruppen bestellt werden.

Petra J. Huschke

Schlagworte Gewitter | Blitze | Tipps

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