30. August 2016

Unendliche Weiten im Wohnzimmer: „Star Trek“ wird 50 Jahre alt

Vor einem halben Jahrhundert startete „Raumschiff Enterprise“ – Fans und ein Filmexperte erklären den Kult um die Serie

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1966. Am 8. September reist das „Raumschiff Enterprise“ unter dem Kommando von Captain James T. Kirk erstmals zu fernen Galaxien – und fesselt eine ganze Generation vor dem heimischen Fernseher. Bis heute werden die Weltraumabenteuer für Kino und TV verfilmt – und verehrt. Millionen von „Trekkies“ weltweit bilden die Gefolgschaft. Was macht die Serie bis heute so spannend?

"Raumschiff Enterprise" ist Kult - hier Mr. Spock (Leonard Nimoy) und Captain Kirk (William Shatner). | © Imago/Milestone Media

Ein kleines Raumschiff-Enterprise-Modell auf dem Schreibtisch, ein paar Bilder. Mehr verrät die Wohnung nicht über das Hobby von Ralf Pappers aus Mönchengladbach. Dabei ist er ein „Trekkie“, ein leidenschaftlicher Fan der Science-Fiction-Serie „Star Trek“. „Ich bin mit Captain Kirk, dem Vulkanier Mr. Spock und dem Schiffsarzt Dr. McCoy, genannt ‚Pille‘, aufgewachsen.“ Dazu gehört auch, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Der Netzwerk-Ingenieur hat seit 1994, dem Gründungsjahr des Star-Trek-Stammtischs „Trekdinner Düsseldorf“, fast kein Treffen verpasst.

94 Stammtische

Das Online-Portal „Trekdinner.net“ verzeichnet bundesweit 94 „Trekdinner“. Die „Trekkies“ diskutieren über die Serien-Charaktere, philosophieren über einzelne Episoden, beleuchten das Genre „Science Fiction“ allgemein oder schauen sich gemeinsam Star-Trek- Serien und -Filme an.

Sandra König aus München besucht seit 2001 jeden vierten Freitag im Monat den „Königlich-Bayerischen Science-Fiction- und Fantasy-Stammtisch“, wie sich das „Trekdinner München“ auch nennt. Die 44-Jährige wurde ebenfalls als Kind vom Weltraum-Fieber gepackt. Ihre Lieblingsfigur aus „Raumschiff Enterprise“? „Ganz klar: Mr. Spock mit seinem unnachahmlichen Hang zur Logik.“

Bis die „Enterprise“ nach ihrem Start 1966 von den USA nach Deutschland geflogen kam, sollte es fast sechs Jahre dauern. Am 27. Mai 1972 zeigte das ZDF die erste Folge. Mit Lichtgeschwindigkeit eroberten die Sternreisenden hierzulande die Herzen der Zuschauer.

Die Erstausstrahlung war für Ralf Pappers ein besonderer Tag: „Als Zehnjähriger verfolgte ich gebannt das Geschehen auf unserem – zum Glück bereits farbigen – Röhrenfernseher.“ An jenem Sonntagabend habe sich ein Teil der Familie mit dem Vater um das Vorrecht des Sendeplatzes gekabbelt. „Zeitgleich lief nämlich die Sportschau im Ersten Deutschen Fernsehen“, erinnert sich der heute 54-Jährige.

Weshalb ist die Weltraumsaga, die insgesamt nur drei Staffeln mit 79 Episoden umfasst, bis heute so beliebt? „Das Fernsehen der Bundesrepublik bot in den 1970er-Jahren nicht viel Abwechslung. Es gab ja nur drei Programme. Die spannenden Geschichten über die ‚Enterprise‘, die aus der Feder von Gene Roddenberry stammen, und die knallbunte Optik sprachen die Jugend an“, erklärt Heiner Lünstedt, Leiter des Comicfestivals München.

Aus heutiger Sicht bringen die charmante 1960er-Jahre-Optik mit billigen Kulissen, den Schlafanzug-Uniformen oder den psychedelischen Farben die Zuschauer zum Schmunzeln. „‚Star Trek‘ ist längst ein Teil der Popkultur. Damals hingegen wurde das Genre ‚Science Fiction‘ verlacht“, sagt der Filmexperte.

Die Technik in „Star Trek“ wirkt überholt. Dabei inspirierten manche Ideen die Welt der Wissenschaft. Lünstedt: „Es war kein Zufall, dass das Space Shuttle, die erste flugfähige Raumfähre, 1975 ‚Enterprise‘ getauft wurde. Und das erste Klapphandy der Welt, das von Motorola Mitte der 1990er-Jahre auf den Markt gebracht worden ist, hieß ‚StarTAC‘ und war eine Anspielung auf das Sprechfunkgerät der Sternenflotte.“

„Beam mich hoch, Scotty!“ – das Filmzitat von Kirk ist legendär. Per Knopfdruck wurde der Captain dann von seinem Schiffsingenieur vom Planeten zurück ins Raumschiff befördert. Für das Publikum ist die Fiktion, dass ein Mensch in einzelne Moleküle aufgelöst und anschließend wieder zusammengesetzt werden kann, nach wie vor faszinierend. Der filmische Streich: „Das Beamen ermöglichte einen schnellen Szenenwechsel“, sagt Lünstedt.

Gesellschaftliche Debatten

Doch die Serie löste auch gesellschaftliche Debatten aus: beispielsweise als die Figur von Kommunikationsoffizier Lieutenant Uhura durch eine Frau mit afrikanischen Wurzeln besetzt wurde, die in leitender Position auf der Brücke arbeitete. „Das war revolutionär“, weiß der Experte.

Nostalgie schwingt immer mit, wenn sich die Anhänger der ersten Star-Trek-Generation an ihre Helden Kirk (alias William Shatner), Spock (Leonard Nimoy) und Pille (DeForest Kelley) erinnern. Sie sind mit ihnen gealtert. Viele „Trekkies“ gehören zur Generation der „Babyboomer“, sind also um die 50 Jahre alt – so alt wie die Serie selbst.

Die Geschichten über „Star Trek“ sind nicht auserzählt. Aktuell läuft der 13. Film in den deutschen Kinos („Star Trek Beyond“). Zum Jubiläum soll in den USA im Januar 2017 eine weitere TV-Reihe an den Start gehen.

Elisabeth Antritter

Schlagworte Star Trek | Trekkies | Science Fiction | Serie | Enterprise

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