30. August 2016

Kommentar: Sozial und stabil

Die Unsicherheit nimmt spürbar zu in unserem Land. Auch in Deutschland hat mit den jüngsten Anschlägen in Ansbach und Würzburg oder mit dem Amoklauf in München das Gefühl der Bedrohung Einzug gehalten. Für die überlebenden Opfer und die Angehörigen der Getöteten sind das unfassbar schwere Tage und Wochen. Ihnen gilt mein allergrößtes Mitgefühl, verbunden mit allen guten Wünschen, dass sie dennoch irgendwann wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken können.

Zugegeben: Es ist schwer, in solchen Zeiten auf die Fakten zu vertrauen, auf die verwiesen werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, in solche Anschläge verwickelt zu werden, ist hierzulande immer noch sehr gering. Und bei aller Wachsamkeit dürfen diese Ereignisse die gewachsene Kultur des Vertrauens in unserem Land nicht zerstören.

Wir müssen besonders darauf achten, dass gefährliche Populisten nicht im Fahrwasser dieser Anschläge Vorurteile schüren. Schnell werden „die Fremden“ für vieles in Deutschland verantwortlich gemacht, was in keinerlei Zusammenhang mit Einwanderung steht. Abstiegsängste der Mittelschicht oder das Gefühl des Abgehängtseins in einigen Bevölkerungsgruppen haben ihre Ursache nicht in einer verfehlten Flüchtlingspolitik. Sie sind das Ergebnis eines schon seit vielen Jahren andauernden Sozialabbaus.

Die soziale Spaltung in unserem Land nimmt zu. Ein Beispiel: Die gesetzliche Rente wird so zurechtgestutzt, dass sie ihre Aufgabe als Lohnersatzfunktion für immer weniger Menschen erfüllen kann. Doch wenn man selbst nach einem langen Arbeitsleben nicht sicher sein kann, im Alter von seiner Rente leben zu können, verliert man das Vertrauen in den Sozialstaat. Solche Ängste darf kein Politiker leichtfertig abtun. Schließlich geht es um die Existenz vieler und nicht um Sekt und Kaviar für wenige. Zu einer sozial gerechten Gesellschaft gehört eine gerechte Rentenpolitik dazu.

Für soziale Balance zu sorgen, ist ohnehin eine Sache der Vernunft. Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge hat erst jüngst darauf hingewiesen. Es ist belegt, dass Länder mit mehr sozialer Gerechtigkeit die stabileren sind. Je größer die soziale Kluft ist, desto größer sind die Kriminalitätsrate und die Gefahr politischer Extreme. Eine geringere soziale Spaltung dagegen erhöht sogar das individuelle Glücksempfinden jedes Menschen – auch des reichen.

Ulrike Mascher

Schlagworte Kommentar | VdK-Präsidentin | Ulrike Mascher | soziale Spaltung | Unsicherheit | soziale Balance | Einwanderung | Zuwanderung

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