23. Juni 2016

Lukas Zilchs Leben nimmt Fahrt auf

Der Weg eines jungen Mannes mit Behinderung in die Eigenständigkeit

Besonders viel zugetraut haben ihm seine Lehrer und Betreuer nie. Das hat Lukas Zilch aus Schwandorf in der Oberpfalz viel Kraft gekostet – und ihn stark gemacht. Durch seinen Willen, es denen zu zeigen, die nicht an ihn glauben, ist er über sich hinausgewachsen. Seine körperlichen Einschränkungen aufgrund einer Cerebralparese, einer frühkindlichen Hirnschädigung, macht er mit geistigem Witz wett.

VdK-Mitglied Lukas Zilch aus Schwandorf will anderen Menschen mit Behinderung Mut machen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zum Beispiel einen passenden Arbeitsplatz zu finden – wie er im Autohaus. Den Rollstuhl lässt er, so oft es geht, stehen. Einfach klein beigeben, kommt für den 27-Jährigen nicht infrage. | © Caroline Meyer

Das Polo-Shirt rot, der Schreibtisch chaotisch, das Lächeln verschmitzt. VdK-Mitglied Lukas Zilch fühlt sich wohl an seinem Arbeitsplatz im Autohaus seines Stiefvaters. Er ist zuständig für die Internetseite, Kundenschreiben und andere Büroarbeit. „Meine Aufgaben sind sehr vielfältig“, sagt der 27-Jährige.

Der Außenarbeitsplatz der Naab-Werkstätten, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, ist wie für ihn gemacht. Seit 2012 arbeitet er hier, seit 2012 nimmt sein Leben Fahrt auf. Denn im selben Jahr lernt er auch seine Freundin Maria kennen, „das Beste, was mir passieren konnte“.

So glücklich war er nicht immer, so selbstbewusst schon gar nicht. Mit Anfang 20 hatte Lukas Zilch eine schwierige Zeit. „Ich wollte mich mit meiner Situation nicht abfinden und hatte Probleme mit Mitschülern und Lehrern.“ Er fühlte sich unverstanden und – was fast noch schlimmer war – unterschätzt.

„Mein größtes Problem war und ist es immer noch, dass ich wegen meiner Schwierigkeiten, mich zu artikulieren und meine Bewegungen zu kontrollieren, den Eindruck erwecke, eine geistige Behinderung zu haben.“ Deshalb nehme ihn sein Umfeld oft nicht ernst. Damals, vor sieben Jahren, konnte er nicht damit umgehen, inzwischen hat er es gelernt. Auch, dass er Dinge schaffen kann, die ihm niemand zutraut – wenn er nur selbst an sich glaubt. 1500 Meter Schwimmen zum Beispiel. Mit seiner Form der Cerebralparese, einer sogenannten Athetose, eine absolute Seltenheit.

Der 27-Jährige will anderen Menschen mit Behinderung Mut machen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Er will Sprachrohr sein für Menschen, denen es ähnlich ergeht, und die Inklusion vorantreiben. Momentan hält er Vorträge, in Schulen zum Beispiel. Außerdem widmet er sich in einer eigenen Zeitung Themen wie der Einkommens- und Vermögensgrenze. „Wie soll man auf eigenen Beinen stehen, wenn einem die Chance genommen wird, Geld anzusparen?“, fragt Lukas Zilch. Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. Er hat gelernt, für sein Glück zu kämpfen. Kraft geben ihm seine Freundin, seine Familie, seine Freunde sowie seine Hobbys Sport, Fotografieren und Lieder komponieren. Das nächste Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt: eine eigene Wohnung.

cam

Schlagworte Behinderung | Arbeitsplatz | Cerebralparese | Erfolg | Inklusion

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