28. April 2016

Rentenplus stoppt Altersarmut nicht

Die Zahl der Grundsicherungsbezieher ist um 3,5 Prozent angestiegen

Viel Wirbel um die Rente gab es in den letzten Wochen. Da ist einerseits die größte Rentenanpassung seit 23 Jahren. Zum 1. Juli steigen die Renten im Westen um 4,25 Prozent, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Andererseits zeigen aktuelle Zahlen über Grundsicherungsempfänger, dass immer mehr Menschen in Altersarmut geraten. In den Parteien der Regierungskoalition wird schon über die Rente als Top- Thema des bevorstehenden Wahlkampfs diskutiert.

© Imago/McPHOTO

"Das Rentenplus ist natürlich höchst erfreulich und für die 20,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner mehr als verdient", erklärt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Doch über den unübersehbaren Trend zur Altersarmut könne auch die große Erhöhung nicht hinwegtäuschen. "Davor warnt der Sozialverband VdK schon seit Jahren", sagt Mascher.

Durch das stete Absenken des Rentenniveaus auf aktuell unter 48 Prozent starten Neurentner schon seit Jahren mit immer kleineren Einkommen in den Ruhestand. Zudem werde sich für spätere Rentnergenerationen das durch Niedriglöhne und prekäre Beschäftigung teuer erkaufte "Job-Wunder" in Deutschland als "Ticket in die Altersarmut" erweisen, erklärt Mascher. Nicht einmal der Mindestlohn von 8,50 Euro würde bei einer 45-jährigen Vollzeittätigkeit für eine Rente oberhalb der Grundsicherung reichen.

Der VdK fordert deshalb das Einfrieren des Rentenniveaus mindestens auf dem heutigen Stand sowie energische Maßnahmen gegen Niedriglohnarbeit, etwa durch die Anhebung des Mindestlohns. Grundsicherungsbezieher bleiben ebenfalls Verlierer: Keinen Cent mehr bekommen sie trotz Rentenerhöhung, da diese voll verrechnet wird. "Wir brauchen einen monatlichen Freibetrag von 100 Euro, zum Beispiel für Leistungen aus privater Altersvorsorge und der Mütterrente", fordert Mascher.

Laut Statistischem Bundesamt bezogen Ende 2015 insgesamt 1,038 Millionen Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Gegenüber 2014 erhöhte sich die Zahl um 3,5 Prozent. Der VdK vermutet eine hohe Dunkelziffer, da viele Anspruchsberechtigte aus Scham keinen Grundsicherungsantrag stellen.

Sowohl Vizekanzler Sigmar Gabriel als auch CSU-Vorsitzender Horst Seehofer haben in der Regierungskoalition die Rente auf die Agenda gesetzt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat einen alten Vorschlag ins Spiel gebracht: die Rente ab 70. Dem erteilt Mascher eine klare Absage: "Das geht an der Realität älterer Beschäftigter komplett vorbei. Die meisten haben doch schon Mühe, ihren Job bis 65 oder gar 67 auszuüben."

bsc

Schlagworte Altersarmut | Rente | Rentner | Grundsicherung | Armut

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