24. Februar 2016

Sarah Wiener: „Beim Kochen ist die Welt noch in Ordnung“

Spitzenköchin Sarah Wiener über die Beliebtheit von Kochshows im Fernsehen und warum selber kochen glücklich macht

Auf allen Kanälen wird im Fernsehen geschnippelt, gebrutzelt, geschmort und aufgetischt. Sind Kochshows so beliebt, weil wieder mehr gekocht wird, und machen sie sogar Appetit darauf, selbst den Kochlöffel zu schwingen? Spitzenköchin Sarah Wiener jedenfalls ist überzeugt davon, dass Kochen zufrieden und glücklich macht.

© Imago/Bernd Friedel

VdK-Zeitung: Warum gucken wir so gern anderen beim Kochen im Fernsehen zu?

Wiener: Anderen zuzusehen, wie sie köstliche Dinge in der Küche vorbereiten und anrichten, hat etwas Heimeliges und Beruhigendes. Kochen ist einfach durchweg positiv besetzt. Beim Kochen ist die Welt noch in Ordnung.

VdK-Zeitung: Animieren Kochsendungen im Fernsehen dazu, selber zu kochen, oder sind sie einfach nur unterhaltsam?

Wiener: Ich kann da nur von mir ausgehen. Ich koche ja sowieso, dazu brauche ich keine tägliche Fernsehanleitung. Ich schaue mir diese Sendungen eher selten an. Mal ist es spannend, dann wieder fad. Ab und an denke ich schon: Das ist ein ganz guter Kniff.

VdK-Zeitung: Ihre „Kulinarischen Abenteuer“ liefen bis vergangenes Jahr auf Arte. Gibt es eine Fortsetzung?

Wiener: Wir drehen gerade eine neue Serie, die inhaltlich noch einen Schritt weiter vom Kochen weg geht. Ich finde nach wie vor, dass wir eine der besten und spannendsten Kochsendungen produziert haben. Es geht da nicht nur um das Kochen, sondern um Lebensmittel, Produzenten, das Handwerk und die Regionalität.

VdK-Zeitung: „Kochen kann jeder“ heißt eines Ihrer Bücher. Warum kocht dann nicht jeder?

Wiener: Die meisten Menschen haben einen vollen, anstrengenden Tag und fühlen sich oft nicht mehr in der Lage, einkaufen zu gehen und daraus etwas zu zaubern. Andere haben eine Hemmschwelle, weil sie nie am Herd gestanden haben und nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Dazu kommt, dass Fertigprodukte den Markt überschwemmen und uns vorgaukeln, dass es keinen Unterschied macht, ob man die Mikrowelle oder den Herd anschmeißt.

VdK-Zeitung: Was bedeutet diese Entwicklung für die Esskultur?

Wiener: Das ist ein Desaster. Denn richtig essen fängt beim Genießen an, in Ruhe und mit Menschen, die man mag. Wir verlieren gerade ein Stück Kultur, die seit Jahrtausenden Menschen Halt und Struktur gegeben und sie gesund erhalten hat. Der Mensch ist Teil der Natur und sollte mit ihr im Einklang leben. Dazu gehört, dass wir Lebensmittel essen und keine stark verarbeiteten Kunstprodukte, die unseren Geschmack manipulieren.

VdK-Zeitung: Haben Sie Tipps für all jene, die wenig Zeit zum Kochen haben, aber nicht auf frische und gesunde Küche verzichten wollen?

Wiener: So einfach wie möglich sollte die Devise sein. Öfters mal Obst und Rohkost einbauen. Gerichte wie Gemüse mit Nudeln und Reis sind nun wirklich kein Hexenwerk. Und wer selber kocht, merkt schnell, dass es Spaß macht.

VdK-Zeitung: Was verstehen Sie unter gesunder Ernährung?

Wiener: Gut kochen heißt, möglichst regionale und saisonale Grundzutaten zu verwenden, am besten noch aus ökologischem Anbau und natürlich frisch. Was für uns gesund ist, ist auch für die Umwelt gesund und umgekehrt.

VdK-Zeitung: Verraten Sie uns noch Ihr Lieblingsgericht?

Wiener: Ich habe keins. Die Welt ist voller kulinarischer Verführungen. Ich könnte mich nie für nur eine Speise entscheiden.


Sarah Wiener (53) ist eine der bekanntesten Köchinnen im deutschen Fernsehen. Sie wurde in Wien geboren und lebt in Berlin, wo sie auch als Unternehmerin und Buchautorin erfolgreich ist. Darüber hinaus engagiert sich die Köchin für nachhaltigen Genuss. So zum Beispiel mit „Ich kann kochen!“, der Ernährungsinitiative der Sarah Wiener Stiftung und der Barmer GEK.

In Seminaren werden Pädagogen mit theoretischem und praktischem Wissen rund um das Thema Ernährung geschult. Als Genussbotschafter können sie dann in ihren Einrichtungen Kochkurse für Kinder anbieten. Die kostenlosen Train-The-Trainer-Schulungen finden ab Oktober 2016 bundesweit regelmäßig statt. Informationen und Anmeldung: www.sw-stiftung.de/ichkannkochen

Rezept: Arme Ritter mit Zucker und Zimt

Zutaten für vier Personen
4 dicke Scheiben weißes Kastenbrot oder Hefezopf vom Vortag, 1 Ei, 0,5 Liter Vollmilch, 3 Esslöffel Zucker, 1 Esslöffel Zimt, 80 Gramm Butter

Zubereitung
Die Brotscheiben in eine flache Schale legen. Das Ei mit der Milch gut verquirlen, das Brot gleichmäßig damit begießen und einweichen lassen. In einer kleinen Schüssel den Zucker mit dem Zimt mischen. Die Butter in einer großen Pfanne erhitzen und die durchtränkten Brotscheiben darin braten, bis sie von beiden Seiten goldbraun und knusprig sind. Noch heiß mit Zucker und Zimt bestreuen und warm servieren. Dazu passt Apfelmus, Kirschkompott oder Vanillesauce.

Omas Tipp
Je besser das verwendete Brot oder der Hefezopf schmecken, desto besser auch die armen Ritter. Früher verwendete man für dieses Gericht Brotreste, denn die armen Ritter gab es oft am Ende des Monats, wenn kein Geld mehr da war.

Schlagworte Sarah Wiener | Interview | Kochshows | Kochen

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