24. Februar 2016

„Wir haben einfach gekocht“ – Omas beste Rezepte

Kochen mit Bewohnern aus unterschiedlichen Pflegeheimen: Wie daraus ein Buch entstand und Erinnerungen geweckt wurden

Rote Grütze, Kartoffelsalat, Arme Ritter und Streuselkuchen frisch vom Blech – Was Oma kocht und bäckt, schmeckt am besten. Darin sind sich die Autoren des Buchs „Wir haben einfach gekocht“ einig. Sie haben in zwölf Altersheimen gemeinsam mit den Bewohnern gekocht. In ihrem Buch finden sich nicht nur 100 Rezepte, sondern auch viele Erinnerungen und Geschichten der alten Menschen.

Das gemeinsame Kochen macht nicht nur Spaß, es werden auch viele Erinnerungen geweckt. | © Imago/Westend61


„Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon“, bekamen die Autoren oft zu hören, wenn sie nach den genauen Zutaten für ein Rezept fragten. „Man musste mit den Produkten und Zutaten kochen, die gerade zur Verfügung standen“, weiß Jörg Reuter, einer der vier Autoren des Buchs. Die Rezepte hatten die Hausfrauen von einst im Kopf, denn sie wurden von Generation zu Generation weitergegeben. So denkt der Berliner gern daran zurück, als er eine Dame fragte, wann der Lammbraten denn nun gar sei. „Na, bis er eben fertig ist“, so die knappe Antwort.

Kochen war damals ein wichtiger Teil des Tages. Oft hatten die Frauen schon den Speiseplan der gesamten Woche parat. Suppen wurden in großen Töpfen zubereitet, sodass nicht nur einen Tag davon gegessen werden konnte. Aufgewärmt schmeckte der Eintopf dann umso besser. Gerade in den Kriegs- und Nachkriegsjahren musste improvisiert werden, um trotz Mangel jeden Tag ein Essen auf den Tisch zu bringen, von dem die Familie satt wurde. „Wasserrüben waren unsere Schokolade“, erzählen Bewohnerinnen. Sie aßen die Rüben gleich vom Feld, denn Süßigkeiten gab es damals nicht.

Wie damals am Herd

Für das Projekt „Wir haben einfach gekocht“ wurden die Bewohner der Altenheime – meist Frauen – noch einmal in die Zeit zurückversetzt, als sie täglich am Herd standen. „Die Rezepte sprudelten nur so aus ihnen heraus. Wir hätten tagelang weiter kochen können“, erinnert sich Jörg Reuter. In den Küchen der ausgewählten zwölf Pflegeheime in unterschiedlichen Regionen Deutschlands wurde so gekocht wie früher in der heimischen Küche. Kartoffeln haben die Frauen nicht mit einem modernen Sparschäler geschält, sondern mit einem traditionellen Holzmesser.

Während die Suppe in den Töpfen köchelte und der Braten im Ofen schmorte, war Zeit für Geschichten und Erinnerungen. In Wolfegg in Schwaben beispielsweise erzählt eine Dame, wie sie zur ausgesprochenen Spätzle-Expertin wurde. Bis zu ihrer Hochzeit war Kochen nicht so ihr Ding. Weil ihre Schwiegermutter so gut kochen konnte, wollte sie ihr nicht nachstehen und meldete sich für einen „Spätzle-Schab-Kurs“ im „Schwäbischen Frauenkreis“ an. Im Altenheim, so stellte sich dann heraus, war sie die Einzige, die noch Spätzle nach der original Herstellungsart schaben konnte.

„Es ist schade, dass dieses große Koch-Wissen der Damen nicht mehr gefragt ist“, bedauert Jörg Reuter. Er würde sich wünschen, dass in den Pflegeheimen stärker darauf zurückgegriffen wird. „In einigen Heimen sagten viele Bewohner: ,Das Essen schmeckt nicht‘“, erinnert sich Autor Reuter.

Gebraucht werden

Doch es geht auch anders. So existiert in einem Heim in Köthen in Sachsen-Anhalt eine Schnippelgruppe, die dem Küchenleiter zuarbeitet. Die Senioren können sich einbringen und merken: Wir werden noch gebraucht. Positiver Effekt: Das frisch zubereitete Essen schmeckt richtig gut.

Und dass „Wir haben einfach gekocht“ nicht nur kulinarisch ein Volltreffer war, beweist eine Karte, die Jörg Reuter kürzlich bekam. „Meine Mutter zehrt noch heute davon“, schrieb eine Frau, die ihre sonst so in sich gekehrte und traurige Mutter nach dem zweitägigen Kochprojekt kaum wiedererkannte. Sie war spürbar aufgelebt und schwärmte vom Kochen.

Mehr Informationen und einige Rezepte zum Nachkochen: www.wir-haben-einfach-gekocht.de

Buchtipp:

„Wir haben einfach gekocht“ – 100 Erinnerungen an Lieblingsrezepte, Jörg Reuter, Manuela Rehn, Cathrin Brandes, Caro Hoene, Umschau-Verlag, 29,95 Euro, ISBN 978-3-86528-805-9

ikl

Schlagworte Rezepte | Kochen | Kochbuch | Pflegeheim | Altersheim | Erinnerungen | deutsche Küche

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