24. Februar 2016

Medikamente zu hoch dosiert: Ältere Menschen bauen Wirkstoffe langsamer ab

Ein Viertel der über 65-Jährigen nimmt fünf oder mehr rezeptpflichtige Medikamente am Tag ein. Nicht selten kommen noch frei verkäufliche Mittel hinzu. Besonders problematisch: Häufig sind die Medikamente zu hoch dosiert. Das birgt gerade für ältere Menschen ein großes Risiko, weil sie die Wirkstoffe nicht mehr so gut abbauen wie jüngere.

Viele verschiedene Medikamente können für ältere Menschen problematisch sein. | © Imago/Schöning

Wenn ein Medikament in einer bestimmten Dosierung bei einem 30-jährigen Mann gut wirkt, heißt das noch lange nicht, dass dieselbe Dosierung für eine 85-jährige Frau richtig ist. Unterschiede gibt es jedoch nicht nur bei der Wirksamkeit, sondern auch beim Abbau der Medikamente im Körper. Die Wirkstoffe werden langsamer als in jungen Jahren aufgenommen und bleiben länger im Körper. Dies liegt zum einen an den Organen, die nicht mehr so schnell arbeiten. Der geringere Wassergehalt sorgt zudem für ein dichteres Gewebe, in das die Wirkstoffe schwerer eindringen können.

Körper verändert sich

„Generell kommt es bei älteren Menschen aufgrund der verzögerten Ausscheidung über die Niere und eines verzögerten Abbaus in der Leber zur Anhäufung von Wirkstoffen“, erklärt Professor Andreas Sönnichsen, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Wegen dieser körperlichen Veränderungen im Alter ist es umso wichtiger, den Überblick über die eingenommenen Medikamente zu behalten. Zum Beispiel können bei unterschiedlichen Arzneien ähnliche Nebenwirkungen auftreten. Patienten spüren diese dann stärker als bei einem einzelnen Wirkstoff. So können beispielsweise Blutdruckschwankungen im Alter nicht mehr so gut ausgeglichen werden. Kreislaufwirksame Medikamente führen deshalb häufig zu Kreislaufproblemen und Stürzen.

„Generell sollte bei allen neu auftretenden Symptomen daran gedacht werden, dass diese durch ein Arzneimittel ausgelöst sein könnten“, so Prof. Sönnichsen. Der Experte empfiehlt, sich die Namen von allen Medikamenten zu notieren und damit zum Arzt zu gehen. Manche wüssten gar nicht mehr, wofür sie welche Tablette überhaupt nehmen. Der Arzt sollte überprüfen, ob die Medikamente überhaupt noch nötig sind, ob die Dosis in Ordnung ist und ob sich die verschiedenen Arzneien miteinander vertragen.

Auf dem Medikationsplan müssen auch die Präparate notiert werden, die ohne Rezept in der Apotheke und in der Drogerie gekauft wurden wie zum Beispiel Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel. „Mindestens einmal im Quartal sollte der Medikationsplan vom Hausarzt überprüft werden“, rät der Universitätsprofessor aus Witten/Herdecke. Eine Faustregel gilt allerdings immer: Auf keinen Fall Medikamente eigenmächtig absetzen oder die Dosierung verändern. Das kann nur der behandelnde Arzt entscheiden.

„Die Kontrolle der Medikation muss als eigenständige ärztliche Leistung vergütet werden“, fordert Prof. Sönnichsen. Denn eine sorgfältige Überprüfung des Medikationsplans kostet bei einem Patienten, der mehrere Arzneimittel einnimmt, mindestens eine halbe Stunde. Zudem sei der geplante bundesweit einheitliche Medikationsplan schon längst überfällig. Dies hatte auch der VdK schon lange eingefordert. Jetzt hat der Gesetzgeber reagiert und den Plan per Gesetz „verordnet“.

Kostenlos für Sie zum Herunterladen:

  • Medikamentenplan.pdf (812,91 KB, PDF-Datei)

    Mit dem Medikamentenplan, entwickelt vom Aktionsbündnis Patientensicherheit, vermeiden Sie Einnahmefehler bei Arzneien,indem Sie dokumentieren, welche Medikamente Sie wann einnehmen. Einfach herunterladen, direkt am Computer ausfüllen und ausdrucken

ikl

Schlagworte Ältere | Arzneimittel | Medikamente | Senioren | Medikation | Nebenwirkungen | Wechselwirkungen | Dosierung

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