24. Februar 2016

Auf Schritt und Tritt im Alltag ausgebremst

Fehlende Aufzüge und Rampen oder keine Ansagen in Bus und Bahn: Wo VdK-Mitglieder immer wieder auf Barrieren stoßen

Mit seiner bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ trifft der Sozialverband VdK den Nerv der Menschen. Viele Stolperstellen wurden bereits auf der „Landkarte der Barrieren“ im Internet eingestellt. Daran sieht man: Hindernisse gibt es überall. Das erleben auch viele VdK-Mitglieder jeden Tag aufs Neue.

Nicole Oelsner aus Goslar wünscht sich mehr barrierefreie Zufahrten wie diese. | © Alec Pein

Silvia Hame aus St. Wendel im Saarland ist blind und täglich mit dem Langstock unterwegs. Dabei erlebt sie ständig Dinge, über die sie sich ärgert: Falschparker, die ihr den Weg versperren, Mülltonnen, die mitten auf dem Gehweg stehen, keine Ansagen im Bus. Am meisten ärgert sie sich über die Rücksichtslosigkeit, die andere Menschen an den Tag legen. „Sie vergessen, dass sich blinde Menschen anders orientieren müssen“, sagt Silvia Hame. Darauf sollten sich ihrer Meinung nach auch die Städteplaner besser einstellen.

Wie es sich anfühlt, mit Gehhilfen unterwegs zu sein, diese Erfahrung macht der elfjährige Max B. (Name von der Redaktion geändert) aus Wildau in Brandenburg seit ein paar Monaten. Die Ärzte wissen noch nicht, woher die Schmerzen im Knie beim Laufen kommen. „Wir hoffen jeden Tag, dass sich Max bald wieder so bewegen kann wie früher“, erzählt Vater Kay-Uwe B.. Besonders in der Schule, die keinen Aufzug hat, sei für seinen Sohn nichts mehr so wie früher. Morgens muss der 40 Kilo schwere Junge entweder von seiner Mutter oder dem Onkel die Treppen hinaufgetragen werden.

Wenn seine Schulkameraden zur großen Pause auf den Hof gehen, bleibt Max wegen der Treppen im Klassenzimmer. „Das ist schon doof“, sagt der Elfjährige, der sehr sportlich und ein begeisterter Handballer ist. Seine Mannschaft muss vorerst ohne ihn auskommen. Im Sommer wird Max aufs Gymnasium wechseln, das einen Aufzug hat. Bei der Wahl der weiterführenden Schule stand Barrierefreiheit ganz oben auf der Prioritätenliste der Bernhardts. „Unser Sohn soll nicht mehr ausgeschlossen sein, nur weil eine Treppe im Weg ist“, so VdK-Mitglied Kay-Uwe B..

In Goslar ist der Verein „Rampen für Goslar“, den VdK-Mitglied Peter König ins Leben rief, bereits stadtbekannt. Der Verein veranstaltet zwei Konzerte im Jahr und unterstützt von den Einnahmen sowie Spenden Menschen mit Beeinträchtigung in Not. Symbolisch wurden auch Rampen an Geschäfte übergeben. „Wir haben es ermöglicht, dass einige Geschäfte auch für Menschen mit Behinderung erreichbar sind“, so Peter König, dessen Lebensgefährtin Nicole Oelsner auf den Rollstuhl angewiesen ist.
„Ich wurde auch schon auf der Straße bedient, weil ich nicht in ein Geschäft kam“, erzählt Nicole Oelsner, die wegen multipler Sklerose nicht mehr laufen kann.
„Als Rollstuhlfahrerin muss ich alles von vorn bis hinten durchplanen“, sagt die 52-Jährige. Sie müsse vor dem Einkauf wissen, welche Geschäfte auch für sie zu erreichen sind. Vor dem Restaurantbesuch fragt sie nach, ob behindertengerechte Toiletten vorhanden sind. Und auch für das nächste Konzert des Vereins „Rampen für Goslar“ am 19. März ist die Toilettenfrage noch nicht geklärt. „Wir müssen um so viele Dinge kämpfen, die für andere selbstverständlich sind. Das ist sehr anstrengend“, ärgert sich Nicole Oelsner.

Eine lange Liste

Gabriele Liebeck | © privat

Wie sehr Barrieren den Alltag erschweren können, diese Erfahrung machte auch Gabriele Liebeck aus Kaarst in Nordrhein-Westfalen. „Nach einer Operation am Sprunggelenk saß ich zuerst im Rollstuhl und war danach auf Gehhilfen angewiesen“, erzählt das VdK-Mitglied und erinnert sich an viele Dinge, die ihr damals das Leben schwer machten: schlecht verlegte Gehwegplatten, zu schmale Bürgersteige, nicht zugängliche Geschäfte – die Liste könnte sie endlos fortsetzen. „Ich bin froh, dass ich wieder laufen kann“, so die 61-Jährige. Sie weiß jetzt allerdings, wie es Menschen geht, die körperlich beeinträchtigt sind und die nicht richtig laufen können.

VdK-Kampagne - Barrieren melden

Kampagnenmotiv von "Weg mit den Barrieren!" - Ein Männchen mit Rollator scheitert an einer unüberwindbaren Treppe

Defekte Aufzüge, Treppen und fehlende Orientierungshilfen in Bürgerämtern, Banken oder Supermärkten, eingeschränkte Servicezeiten am Bahnhof, aber auch nicht barrierefreie Onlineportale, Fernsehsendungen und Hotlines oder der nicht vorhandene Behindertenparkplatz: Wenn auch Ihnen täglich Hindernisse im Weg stehen, melden Sie diese auf unserer Internetseite www.weg-mit-den-barrieren.de. Auch in der VdK-Zeitung werden wir regelmäßig darüber berichten.

ikl

Schlagworte Weg mit den Barrieren | Barrierefreiheit | Kampagne | Behinderung | Inklusion

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