24. Februar 2016

Kommentar: Mehr Wir als Ich

Für 49 Prozent der Deutschen zählt Solidarität zu einem der wichtigsten Werte. Knapp hinter „Sicherheit“ und „Leistung“ liegt nach einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK damit ein Wert an dritter Stelle, den viele schon lange als altmodisch abgetan haben.

Die Statistik lehrt jetzt das Gegenteil, denn im Vergleich zum Vorjahr, als dieselbe Befragung durchgeführt wurde, ist die Solidarität gleich um sechs Plätze auf der Werteliste der Deutschen nach oben geklettert. Ganze neun Prozentpunkte konnte sie zulegen. Dieser Befund macht zuversichtlich. Er zeigt, dass die Menschen hierzulande keineswegs nur ichbezogene, auf den eigenen Vorteil bedachte Einzelwesen sind.

Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, aber auch der Schulterschluss, um die Schwächsten zu beschützen: Solche Verhaltensweisen sind notwendiger denn je. Umso positiver ist es, dass angesichts der vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, und auch angesichts der gestiegenen terroristischen Bedrohung Solidarität einen so deutlichen Aufschwung erfahren hat.

Eine Gesellschaft lebt vom „Wir“, nicht vom „Ich“. Der Sozialverband VdK hat immer schon den Solidaritätsgedanken als Basis seines Engagements gesehen. Wenn die soziale Gerechtigkeit bedroht ist, steht der VdK zu ihrer Verteidigung bereit. Denn nur, wenn keine Bevölkerungsgruppe abgehängt ist, bleibt der soziale Frieden im Land gewahrt.

Trotz vielerorts gelebter Solidarität gibt es Menschen am oberen Rand der Gesellschaft, die sich weit von der Solidargemeinschaft entfernt haben und für eine gewaltige Schieflage sorgen. Über steigende Sozialausgaben müssen sich die wirklich Wohlhabenden hierzulande kaum den Kopf zerbrechen. Unsere großzügige Steuerpolitik sorgt dafür, dass sich der Wohlstand weniger Menschen von Jahr zu Jahr mehrt und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.

Ich möchte ausdrücklich davor warnen, dass der „Klebstoff“ Solidarität, der unser Land im Großen und Ganzen gut zusammenhält, irgendwann bröckeln kann. Die Lasten müssen auf alle verteilt werden. Der Wohlstand eines Landes bemisst sich am Wohlergehen aller Menschen, die dort leben. Deshalb fordert der Sozialverband VdK mehr Steuergerechtigkeit, zum Beispiel durch eine deutlich angehobene Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen. Auch das ist Solidarität.

Mehr Informationen zur GfK-Studie:
www.gfk-verein.org/presse/hauptsache-sicher

Ulrike Mascher

Schlagworte Solidarität | Werte

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