28. Oktober 2015

Man ist nie zu alt, um etwas Neues auszuprobieren

Gerade im fortgeschrittenen Alter lohnt es sich immer, Ziele zu verfolgen und lang gehegte Träume zu verwirklichen

Wenn das Rentenalter kurz bevorsteht, orientieren sich viele Menschen noch einmal neu. Sie haben mehr Zeit, die sie anders als gewohnt nutzen können. Während manche sich erst an die veränderte Lebenssituation gewöhnen müssen, stehen andere schon in den Startlöchern, um ihre lang gehegten Pläne zu verwirklichen.

„Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht hier, sag’ mir wo und wann? Wenn nicht du, wer sonst? Es wird Zeit, nimm dein Glück selbst in die Hand.“ Von diesem Lied der Kölner Band, die „Höhner“, fühlen sich viele Menschen angesprochen. Denn jeder hat Träume, die er sich im Laufe des Lebens aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht erfüllen konnte: Eine Sprache lernen, ein Land entdecken oder im Beruf neu durchstarten, sind nur einige Beispiele. Gerade in der zweiten Lebenshälfte besteht für manche die Chance, diese Träume zu verwirklichen.

So wie für Sylvia Schmitz aus Köln. Als die Sekretärin arbeitslos wurde, suchte sie nach einer neuen Perspektive. Die 58-Jährige beschloss, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, und ließ sich zur Seniorenassistentin und Demenzbegleiterin ausbilden. „Ich habe meinen Vater in den letzten Monaten seines Lebens begleitet und am eigenen Leib erfahren, dass Angehörige oft überfordert sind und zu wenig Unterstützung haben“, so das VdK-Mitglied. Die eigenen Erfahrungen will sie nun in ihrer neuen Aufgabe einbringen und ist sich sicher: „Der Bedarf an dieser Dienstleistung ist groß.“
Ihre Neugier auf andere Länder hat Susanne Riedmayer aus Ravensburg zu einem besonderen Ehrenamt geführt. Wegen einer Krankheit ist es der 52-jährigen Erwerbsminderungsrentnerin nicht möglich, selbst auf Reisen zu gehen. Deshalb ist das Projekt „brothers & sisters“ – eine Zusammenarbeit zwischen der Fachhochschule Weingarten und dem Bürgerbüro Ravensburg – genau richtig für die Kassiererin des VdK-Ortsverbands Ravensburg. Seit drei Jahren begleitet sie ausländische Studenten im Alltag. Mit einem jungen Mann aus Nepal verbindet Susanne Riedmayer seitdem eine tiefe Freundschaft. „Er gehört schon zur Familie“, erzählt die Baden-Württembergerin. Es sei eine sehr erfüllende Aufgabe, jungen Menschen aus anderen Kulturen zu helfen, sich in Deutschland besser zurechtzufinden und ihren Alltag zu meistern. „Ich bekomme auch viel zurück“, freut sich das VdK-Mitglied. Darüber hinaus gewinne sie einen Einblick in fremde Lebenswelten und erweitere so den eigenen Horizont.

Dazuzulernen und sich auf Neues einzulassen ist ohnehin keine Frage des Alters. Denn wer sich nicht nur in eingefahrenen Bahnen bewegt, sorgt dafür, dass das Gehirn in Bewegung bleibt. Wissenschaftlich ist längst bewiesen, dass sich auch im Alter noch neue Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen bilden, wenn das Gehirn trainiert wird.

Traum von der Uni erfüllt

Ein intensives Gehirntraining hat Maik Sahlke vor sich. Der 50-Jährige hat mit einem Psychologie-Studium begonnen. Der VdK-Ortsverbandsvorsitzende aus Naumburg in Hessen freut sich auf diese Herausforderung. Damit erfüllt er sich einen lang gehegten Traum. „Mich hat dieses Gebiet schon immer interessiert. Fachbücher über Psychologie lese ich wie einen Abenteuerroman“, so der gelernte Busfahrer, der seit 2014 volle Erwerbsminderungsrente bezieht. „Körperlich bin ich zwar angeschlagen, aber geistig suche ich die Herausforderung.“

Gleich zwei Wünsche gingen für Brigitte Brzeski in Erfüllung. Die 61-Jährige lernte Französisch, eine Sprache, die sie schon früher beherrschen wollte. „Ich habe nicht nur die Sprache gelernt, sondern auch meine frühere französische Brieffreundin wiedergefunden“, so die Frau aus Voerde im Ruhrgebiet. Vor drei Jahren hat sie Marie-Christine dann zum ersten Mal in Paris getroffen. „Es war, als würden wir uns schon immer kennen“, erinnert sich das VdK-Mitglied. Brigitte Brzeski hat sich bereits ein neues Ziel gesetzt. Sie möchte ein Buch über das Leben mit einem demenzkranken Angehörigen schreiben. Die Kinderkrankenschwester pflegt ihren an Demenz erkrankten Ehemann und will anderen Betroffenen Mut machen, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Dass sich auch im fortgeschrittenen Alter viele Möglichkeiten bieten, sich neue Betätigungsfelder zu suchen, zeigt das Beispiel von Hannelore Baeseler aus Wiesbaden. Sie liest Kindern einer Grundschule vor und freut sich, das Interesse für Bücher zu wecken. Auch ein Ortswechsel kann Bewegung ins Leben bringen. Bei Joachim Bammes war das so. Der 57-Jährige zog aus Bayern nach Berlin, um bei seiner Lebensgefährtin zu sein. „So kann ich besser für meine Lebensgefährtin da sein, die auf den Rollstuhl angewiesen ist“, so das VdK-Mitglied. Sein Fazit: „Man ist nie zu alt, um neue Wege zu gehen.“


VdK-TV: Lernen ohne Druck - Studium für Senioren

Nach einem ganzen Arbeitsleben nochmal an die Uni? Viele Senioren finden das gut - sie schreiben sich ein zum Seniorenstudium.

ikl

Schlagworte Alter | Ziele | Träume | Senioren | Ehrenamt | Pläne | Studium | Reisen

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