28. Oktober 2015

Flüchtlinge: Vorurteile und Wahrheiten

In der Debatte über die Aufnahme von Asylbewerbern werden Fakten verdreht

Den Menschen, die aus Angst um ihr Leben nach Deutschland kommen, muss Asyl gewährt werden. Das gebietet die Menschlichkeit und steht zu Recht im Grundgesetz. Außerdem sind viele Argumente, die dagegen vorgebracht werden, falsch. Die VdK-Zeitung entkräftet sieben Vorurteile:

© Imago/Christian Ohde
  1. "Deutschland nimmt die meisten Flüchtlinge auf."
    Falsch. Andere Länder beherbergen deutlich mehr Flüchtlinge. Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit 1945 nicht mehr. 57 Prozent der geflohenen Menschen lebten 2014 in der Türkei, Pakistan, dem Libanon, dem Iran, Äthiopien, Jordanien, Kenia, Tschad, Uganda und China.
  2. "Jeder darf in Deutschland bleiben."
    Falsch. Viele Menschen werden wieder ausgewiesen. Die Asylverfahren sollen beschleunigt werden. Neben Bürgern der Europäischen Union, Spätaussiedlern und Personen mit besonderen beruflichen Qualifikationen dürfen nur Menschen (zeitweise) hierbleiben, die vor Krieg, Verfolgung oder anderen konkreten Gefahren für ihr Leben fliehen. Armut allein ist kein Grund, als Flüchtling anerkannt zu werden.
  3. "Flüchtlinge bekommen so viel Geld wie Langzeitarbeitslose."
    Falsch. Asylbewerber bekommen in den ersten 15 Monaten Sachleistungen und ein monatliches Taschengeld (Alleinstehende: 143 Euro, Erwachsene, die sich als Partner einen Haushalt teilen: jeweils 129 Euro). Sach- und Geldleistungen liegen zusammen etwa zehn Prozent unter den Hartz-IV-Regelsätzen. Im November soll eine Gesetzesänderung in Kraft treten, wonach Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen möglichst nur noch Sachleistungen bekommen.
  4. "Ausländer belasten die Sozialkassen nur."
    Falsch. Die Integration von Flüchtlingen kostet Geld. Dieses wird aber größtenteils in Deutschland ausgegeben, kommt also der heimischen Wirtschaft zugute. Mittel- und langfristig profitieren auch die Sozialkassen: Einer Studie zufolge zahlte allein 2012 jeder in Deutschland lebende Ausländer im Schnitt 3300 Euro mehr an Steuern und Sozialabgaben ein als für einen Ausländer ausgegeben wurden.
  5. "Asylbewerber nehmen Arbeitsplätze weg."
    Falsch. Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum gibt es keine negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt.
  6. "Ausländer bringen gefährliche Krankheiten ins Land."
    Falsch. Von den Flüchtlingen geht nach Angaben des Robert-Koch-Instituts keine gesundheitliche Gefahr aus.
  7. "Flüchtlinge sind gefährlich und kriminell."
    Falsch. Laut Polizeigewerkschaft und Studien ist die Kriminalitätsquote bei Flüchtlingen nicht überdurchschnittlich hoch. Auch bei den Jugendlichen gibt es keine Unterschiede. Um kriminelle Handlungen zu verhindern, ist Integration wichtig. 

Infos zu Geld- und Sachspenden sowie ehrenamtliche Hilfe:

www.fluechtlingsrat.de und www.aktion-deutschland-hilft.de


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VdK-Präsidentin Ulrike Mascher
Schon jetzt setzen sich viele VdK-Mitglieder für die Menschen ein, die bei uns Zuflucht vor der Gewalt in ihren Heimatländern suchen. Traumatisierte Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, Familien, denen von ihrem Hab und Gut nur eine Tasche geblieben ist, Männer, die zusehen mussten, wie ihre Frauen und Kinder bei der Überfahrt im überfüllten Boot im Meer versanken. Diesen Schicksalen können und müssen wir Menschlichkeit entgegensetzen. Der VdK ist Deutschlands größter Sozialverband. Menschlichkeit und Solidarität sind unsere Pfeiler. | weiter
21.09.2015

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Schlagworte Flüchtlinge | Vorurteile | Asylpolitik

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