24. September 2015

Buchtipp: Ihr wunderbares Leben mit Autismus

Buch-Autorin Denise Linke hält ein Plädoyer für Inklusion und das Anders-Sein

Erst vor wenigen Jahren ist bei der 26-jährigen Denise Linke Autismus diagnostiziert worden. Im Rückblick auf ihre Kindheit wurde ihr daraufhin einiges klar. Doch ihr Anders-Sein stört sie überhaupt nicht. Im Gegenteil: Sie will es so und schrieb jetzt ein Buch mit dem Titel „Nicht normal, aber das richtig gut“.

Während eines Gesprächs gehen Denise Linke viele Gedanken gleichzeitig durch den Kopf, wie auf ihrem Buch-Cover dargestellt. | © Berlin Verlag

Sie spricht verständlich, schaut einen an, wenn man redet, beantwortet alle Fragen klar und deutlich. Selbstverständlich ist dies nicht: Denise Linke ist Autistin und hat das Asperger-Syndrom. Um sich so auf den Gesprächspartner zu konzentrieren und ein langes Gespräch führen zu können, musste die 26-Jährige lange trainieren.

„Mimik sagt mir gar nichts, deswegen sehe ich Menschen nicht von Natur aus in die Augen – ich muss mich zum Augenkontakt zwingen“, erklärt Linke. Dies ist eine der Folgen ihres Asperger-Syndroms.
Die längste Zeit ihres Lebens wusste sie nicht, dass sie Autismus hat. Erst bei einem Auslandsaufenthalt im Sommer 2011 in Los Angeles fragte sie ein Psychologiestudent auf einer Party: „Wann hast du deine Diagnose bekommen?“ Sie verstand ihn zuerst nicht, wie sie in ihrem Buch schreibt, das am 5. Oktober erscheint. „Na, Asperger. Du hast doch auch Asperger“, sagte er. „Ich habe was?“, fragte sie. „Das Asperger-Syndrom. Das musst du doch kennen. Autismus.“ Letzteres verstand sie schließlich.

Der junge Mann hatte Recht, wie sich bei den anschließenden ärztlichen Untersuchungen zeigte. Für Denise Linke war dies zuerst ein Schock. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem Asperger-Syndrom, einer bestimmten Ausprägung von Autismus. Ihr wurde auf einmal klar, warum sie Menschen nicht in die Augen schauen kann, warum sie so viele verschiedene Gedanken auf einmal hat, warum sie Geräusche und Gerüche in der Umgebung viel stärker in der Konzentration beeinflussen als andere Menschen, und warum sie nicht einfach ruhig sitzen kann. „Ich beschäftige mich viel mit meinen Händen“, gesteht Linke. Außerdem denkt sie während des Gesprächs an vieles andere, zum Beispiel ihr Elternhaus in Norddeutschland oder Bäume.

Wälder sind für sie Ruheorte. Hier kann sie abschalten. Ganz im Gegensatz zu gut besuchten Einkaufszentren. Stark parfümierte Menschen und die vielen Gespräche dort machen ihr so zu schaffen, dass sie manchmal fliehen muss.

Wie ein Zylinder

Ihr Gehirn funktioniert nicht wie bei den meisten Menschen wie ein Filter, der nur das Wichtige durchlässt, sondern wie ein Zylinder, in den einfach alles hineingeht, erklärt Linke. In Cafés hört sie, wie „Frauen untereinander über intimste Dinge reden“, berichtet sie. Das wolle sie alles gar nicht hören.

Aber trotz dieser Nachteile will Denise Linke nicht anders sein. Sie hatte mal eine Woche lang den Wirkstoff Methylphenidat genommen, mit dem man die Symptome behandeln kann. „Ich konnte zwar so konzentriert arbeiten wie noch nie“, erzählt sie. „Aber ich hatte das Gefühl, dass ich meine Kreativität verliere.“ Deswegen setzte sie das Medikament wieder ab und ist glücklich, so zu sein, wie sie ist.

Das Schreiben ist eine ihrer besonderen Stärken. Schon als Kind schrieb sie gerne Geschichten – sowohl Erlebtes als auch Ausgedachtes. Deswegen zog es sie in den Journalismus. Als sie während eines Praktikums bei einer großen deutschen Tageszeitung einen kritischen Kommentar über Inklusion las, wandte sie sich an den Autor und widersprach ihm. Dieser fand ihre Argumente gut, und so durfte sie im Gegenzug in der Zeitung ein „Plädoyer für Inklusion“ schreiben.

Dieses sorgte beim Berlin Verlag für Aufsehen. Eine Lektorin sprach Denise Linke an und überredete sie, ein Buch über ihr Leben als Autistin zu schreiben. Darin erzählt sie in vielen verschiedenen Episoden, warum sie gerne anders ist. So heißt es im Untertitel treffend: „Mein wunderbares Leben mit Autismus und ADHS.

hei

Schlagworte Buchtipp | Autismus | Denise Linke | Inklusion | Autistin | Autorin | Buch

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