24. März 2015

So hilft der VdK: Wegen Krankheit aufs Abstellgleis geschoben

18-Jährige bekam Teilhabeleistungen nach einer Lungentransplantation erst mithilfe des VdK Nord bewilligt

Vanessa H. (Name von der Redaktion geändert) ist schwer lungenkrank. Doch sie hatte Glück und bekam zwei Spender-Lungenflügel. Die 18-Jährige aus Schleswig-Holstein hoffte auf ein neues Leben. Doch bald nach der Transplantation ging es der 18-Jährigen nicht nur gesundheitlich wieder schlechter. Auch ihre berufliche Zukunft war äußerst düster.

© Imago/McPHOTO

Vanessa H. hatte einen Traum: einen Beruf erlernen und annähernd so leben wie ihre Freundinnen auch. Doch nach der Transplantation stellten sich schon bald große Probleme ein. Die Lungenflügel wurden vom Körper der jungen Frau abgestoßen. Das heißt, die Lungenfunktion ist weiter erheblich eingeschränkt. Für Vanessa H. bedeutet das, sie ist nur gering belastbar. Die 18-Jährige ist schwerbehindert und hat einen Grad der Behinderung (GdB) von 100 und die zuerkannten Merkzeichen G, aG, H und RF.

Ihre sehr eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit wird auch in einem Gutachten der Agentur für Arbeit bescheinigt. Demnach darf die junge Frau weniger als drei Stunden am Tag arbeiten. Eine Ausbildung zur Bürokauffrau, die sich Vanessa H. so gewünscht hatte, musste sie deshalb abbrechen. Zu den schweren körperlichen Beeinträchtigungen kamen bald auch seelische Probleme. Deswegen empfahl der Gutachter auch eine Förderung in einem geschützten Bereich.

Warten, Hoffen, Bangen

„Ich sah keine Zukunft für mich. Während andere in meinem Alter einen Beruf lernen und Pläne schmieden, wusste ich nicht, was aus mir wird“, beschreibt sie ihre damalige Situation. Auch finanziell hing Vanessa H. in der Luft. Weil die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die Bewilligung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei der gesetzlichen Rentenversicherung noch nicht erfüllt waren, musste sie einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen. Doch diese Stelle reagierte überhaupt nicht. Vanessa H. erhielt nicht einmal einen Bescheid. Auch mehrmalige Nachfragen blieben seitens der Agentur unbeantwortet. So verstrich ein Jahr. Für Vanessa H. eine Zeit des Wartens, Hoffens und Bangens. Keine guten Voraussetzungen, um gesundheitlich wieder zu Kräften zu kommen.

Durch die Vermittlung der „Brücke“ in Itzehoe, einer örtlichen Beratungsstelle, fand Vanessa H. den Weg zum VdK-Landesverband Nord in Itzehoe. Dieser stellte bei der Agentur für Arbeit einen Antrag, in dem eine einstweilige Anordnung angedroht wurde. Daraufhin kam endlich Bewegung in die so hoffnungslos scheinende Angelegenheit. Die Agentur reagierte und bewilligte die Leistungen zur Förderung. „Das war für mich wie ein Befreiungsschlag. Jetzt konnte alles nur besser werden“, freut sich die Schleswig-Holsteinerin. Vanessa H. wird nun von der „Brücke“, zu der auch ein Integrationsfachdienst für Menschen mit Behinderung gehört, betreut und gefördert. Seitdem ist die 18-jährige Frau wieder zuversichtlich und motiviert, was sich wiederum auch auf ihren gesundheitlichen Zustand positiv auswirkt. Dieser hat sich stabilisiert, sodass eine weitere Transplantation erst einmal nicht mehr nötig ist.

Perspektive eröffnen

„Die Betroffene ist leider kein Einzelfall“, sagt Victoria Todt, Landesgeschäftsführerin des VdK Nord. Es komme immer wieder vor, dass die Agentur für Arbeit jungen, kranken Menschen keine Förderung anbietet. So wie Vanessa H. würden sie völlig allein gelassen, weil sie noch keine Ansprüche gegenüber der Rentenversicherung haben. „Hier tut sich eine Lücke auf, die dringend vom Gesetzgeber geschlossen werden muss“, fordert Todt. Es müssten alternative Fördermöglichkeiten geschaffen werden, damit diese jungen Menschen eine Perspektive bekommen. Es könne nicht sein, dass sie wegen ihrer gesundheitlichen Probleme auch noch im Arbeitsleben benachteiligt werden und ihnen der Start in den Beruf gar nicht erst ermöglicht wird.


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ikl

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