26. Februar 2015

Gute Pflege ist ein Menschenrecht

Sozialverband VdK fordert ein neues Kontrollsystem in Pflegeheimen

Menschenwürde bis zuletzt – ein Grundrecht, das leider in deutschen Pflegeheimen viel zu oft verletzt wird. Daran ändern auch jüngste Zahlen nichts, die eine leichte Verbesserung der Pflegequalität nachweisen. Gute Pflege ist in deutschen Pflegeheimen noch immer nicht Standard.

Die Verbesserungen in der Pflege reichen noch nicht aus. | © Imago/wolterfoto

Laut Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS) gibt es Verbesserungen in der Pflege. Für den Bericht waren die Daten von rund 23.000 Qualitätsprüfungen im Jahr 2013 ausgewertet worden. „Die Ergebnisse des Berichts dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer noch eine Vielzahl der Pflegebedürftigen bestimmte Hilfen gar nicht oder nur eingeschränkt erhält“, so Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK, und ergänzt: „Jeder Pflegebedürftige, der nicht richtig versorgt ist, ist einer zu viel.“

Der Anteil der Pflegebedürftigen, die an Druckgeschwüren leiden, ist beispielsweise von 4,4 auf 3,8 Prozent zurückgegangen. Dennoch besteht bei zwei Fünfteln der Heimbewohner (43,3 Prozent) nach wie vor die Gefahr, einen Dekubitus zu bekommen. Der Bericht zeigt auch, dass die Zahl derjenigen Pflegebedürftigen zurückgegangen ist, die aufgrund behördlicher Genehmigung mit Bettgittern oder Gurten fixiert wurden – von 20 Prozent im Jahr 2012 auf 12,5 Prozent in 2013. Die Bewohner werden inzwischen sehr viel häufiger durch Matratzen auf dem Boden oder Sensormatten vor einem Sturz bewahrt. Dennoch wird immer noch jeder zehnte Heimbewohner fixiert. „Das bleibt ein Skandal und ist nicht hinnehmbar“, so die VdK-Präsidentin.

In Pflegeheimen würden elementare Menschenrechte so oft miss­achtet, dass man kaum noch von „Einzelfällen“ sprechen kann. Schuld sind jedoch nicht die Pflegekräfte, sondern ein System, das solche Menschenrechtsverletzungen ermöglicht.

Zu wenig Zeit

So erhielten laut MDS-Bericht 3,5 Prozent der betroffenen Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen die verordneten Medikamente bei chronischen Schmerzen nicht wie vorgesehen. Zudem würden rund drei Viertel aller Heimbewohner mit Windeln und Kathetern versorgt. Hier sei die Frage berechtigt, ob dies bei so vielen Pflegebedürftigen überhaupt nötig ist oder nur dem straffen Zeitmanagement in den Heimen geschuldet ist. „Die Pflegekräfte haben oft einfach zu wenig Zeit, um die Menschen auf die Toilette zu begleiten“, so Ulrike Mascher.

Die Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes sind aus Sicht des VdK auch nicht geeignet, gute Qualität in der Pflege zu messen. „Das jetzige Prüfsystem inklusive der Prüfkriterien und dem Pflegebenotungssystem muss schleunigst geändert werden. Es ist nicht an der Lebensrealität der Heimbewohner und Nutzer der ambulanten Pflegedienste orientiert und auch nicht geeignet, Transparenz über die Qualität von Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten herzustellen“, so Mascher. Kurzfristig könnte auf die gesamten Noten verzichtet werden. „Langfristig benötigen wir bessere Instrumente, die die Ergebnis- und Lebensqualität in den Vordergrund rücken“, fordert Mascher. Sonst setze sich die Entwicklung fort, dass fast 70 Prozent der deutschen Pflegeheime die Note „Gut“ oder „Sehr gut“ erhalten.

Der Sozialverband VdK unterstützt sieben Beschwerdeführer, die sich im November 2014 an das Bundesverfassungsgericht gewandt haben, um gegen die Verletzungen der Grundrechte in deutschen Pflegeheimen vorzugehen. Nach Meinung des Sozialverbands VdK kommt der Staat seinen Schutzpflichten gegenüber Pflegebedürftigen nicht nach. Derzeit wird die VdK-Verfassungsbeschwerde in Karls­ruhe geprüft.


VdK-TV: Pflege-Verfassungsbeschwerde

Um Missständen in Pflegeheimen entgegenzuwirken, hat sich der Sozialverband VdK entschlossen, eine Verfassungsbeschwerde einzureichen. Der Leiter der VdK-Bundesrechtsabteilung erklärt die Hintergründe.

ikl

Schlagworte Pflegenoten | Pflegeheime | Altenpflege | MDK | Verfassungsbeschwerde | Menschenwürde | Pflegebedürftige | Pflegequalität

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