24. Januar 2014

Fit für jedes Alter: die denkende Wohnung

Technische Hilfen können je nach individuellem Bedarf des Mieters eingebaut werden

Ein Fenster schließt sich automatisch, wenn es zu regnen beginnt, und Geräte schalten sich mithilfe von Sensoren aus, sobald man das Haus verlässt. Die Wohnung erkennt jeden Bewohner und passt bei seinem Eintreffen das Licht, die Wärme und die Umgebung seinen Vorlieben an. Das sind einige Beispiele für technische Hilfen, die heute schon möglich sind.

Prof. Birgit Wilkes demonstriert das flexible Lichtschalt-System in der Leipziger Wohnung. | © Ines Klut

Wie diese Hilfen das Leben leichter machen können, zeigt der Film des Sozialverbands VdK "Intelligent leben - Technische Hilfen im Alter". Szenen dieses Films wurden in der Modellwohnung der Vereinigten Leipziger Wohnungsgenossenschaft eG (VLW) gedreht.
Von außen unsanierter Plattenbau, von innen eine moderne, helle Wohnung mit Technik, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht. Im Unterschied zu den meisten Wohnungen sind die 70 Quadratmeter im Leipziger Zentrum mit intelligenter Technik ausgestattet.


VdK-TV: Intelligent Leben, Teil 3 - Sicherheit zu Hause (UT)

Es gibt zahlreiche Systeme und Hilfen im Haushalt, die ein Leben im Alter zu Hause bequemer, aber vor allem auch sicherer machen. Im 3. Teil unserer Serie zum Thema "AAL" stellen wir einige dieser kreativen Ideen vor.

Herzstück ist eine Komponente aus dem Bereich "Ambient Assisted Living" (AAL). Das bedeutet "von der Umgebung unterstütztes Wohnen". Eine kleine Box, die per Fernbedienung oder dem Fernseher gesteuert wird, verknüpft technisches Know-how mit Dienstleistungen und sozialen Netzwerken. "Sie ermöglicht die Interaktion mit der Wohnungsgenossenschaft, der Familie und Freunden sowie Ärzten, Apotheken und verschiedenen Einrichtungen", erklärt Christian Glöckner von der VLW eG. So können Ärzte oder Apotheker beispielsweise die Dosierung von verschriebenen Medikamenten so eingeben, dass der Patient erinnert wird, wenn er sie einnehmen muss.

"Jeder soll selbst entscheiden, wie viel Technik er in seiner Wohnung braucht", so Prof. Birgit Wilkes von der Technischen Hochschule (TH) Wildau. Das sei ähnlich wie beim Einkaufen im Supermarkt. Man kaufe ja auch nicht gleich das ganze Sortiment, wenn man lediglich Brot und Milch haben will. Die Wissenschaftlerin erforscht, wie altersgerechtes Wohnen funktionieren kann, und hat neben der Leipziger Wohnung auch schon andere Musterwohnungen wissenschaftlich begleitet. Großen Wert legt sie dabei auf die Alltagstauglichkeit der in der Wohnung installierten Technik.

Flexible Lichtwege

Während Komplettsysteme derzeit noch recht teuer sind, sei es finanziell für die meisten durchaus machbar, sich einzelne Komponenten einbauen zu lassen, sagt Wilke. So wie die Funklichtschalter. Sie sind nicht fest installiert, sondern können jederzeit dort angebracht werden, wo sie gebraucht werden. Das Besondere: Per Knopfdruck lassen sich nicht nur eine Lampe, sondern alle Lichtquellen in der Wohnung und dazu noch die technischen Geräte ausschalten.

In der Leipziger Wohnung befindet sich dieser Schalter beispielsweise in Reichweite neben dem Bett. Wenn der Bewohner schlafen geht, muss er nicht mehr aus dem Bett steigen, um das Licht im Badezimmer oder einem anderen Raum auszuschalten. Flexible Lichtwege sind generell von Vorteil. Denn gerade ältere, nicht mehr so mobile Menschen stürzen oft, wenn sie nachts zur Toilette müssen und ein Teil der Wohnung noch im Dunkeln liegt. Auch in Notsituationen machen sich diese technischen Lösungen bezahlt. Etwa wenn der Rauchmelder nicht nur die nächste Feuerwache alarmiert, sondern zugleich überall in der Wohnung das Licht einschaltet, um im Qualm die Orientierung zu ermöglichen.


VdK-TV: Intelligent Leben, Teil 1 - Assistenzsysteme für zu Hause

1. Teil unserer Serie zum Thema "AAL" (Ambient Assisted Living) - technische Hilfsmittel für zu Hause

Heizkosten sparen

Eine weitere Besonderheit: die mitdenkende Heizung. Das System erfasst, wann der Bewohner anwesend ist, und reguliert die Temperatur dementsprechend. Wie Studenten der TH Wildau errechnet haben, können dadurch rund 20 Prozent der Heizkosten eingespart werden. Denn mit einem herkömmlichen Thermostat lässt sich die Temperatur nie so genau anpassen.

"Die Wohnung der Zukunft soll Sicherheit geben und das Leben leichter machen. Der Mensch muss jedoch immer im Mittelpunkt stehen. Die Technik soll ihn unterstützen, dabei aber im Hintergrund bleiben", erläutert die Wissenschaftlerin. Für viele Entwickler und Ingenieure stehe jedoch noch die Technik im Vordergrund, nicht der Mensch und seine Bedürfnisse. In der Leipziger Modellwohnung wurden deshalb auch bewusst Schalter und nicht die beispielsweise bei Smartphones üblichen Anwendungen eingesetzt. "Smarte Platte" nennt die Wissenschaftlerin ihr Konzept, das für alle Nutzer gedacht ist.

Und dass AAL inzwischen nicht nur in der Wissenschaft und Entwicklung ein Thema ist, hat Prof. Birgit Wilkes auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) gemerkt. "Zum ersten Mal interessierten sich nicht nur Experten und Fachpublikum für die neuen Lösungen, sondern auch viele weitere Besucher."

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24.01.2014 | Interview: ikl

ikl

Schlagworte AAL | Wohnen im Alter | Ambient Assisted Living | Wohnung | Senioren | Pflege-WG | Wohnformen | Alter

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