3. September 2013

Leidenschaftlicher Kampf für mehr Menschenwürde

"Wir sind parteiisch und emotional": Mit ihrem neuen Buch "Es ist genug! Auch alte Menschen haben Rechte" beziehen die Autoren Claus Fussek und Gottlob Schober klar Stellung für die Pflegebedürftigen in Deutschland, die schlechter Pflege ausgesetzt sind. Sie fordern Politiker, Vertreter der Pflegebranche, Ärzte und Angehörige auf, endlich hinzuschauen und sich um die Pflegebedürftigen zu kümmern.

Autor und Pflegekritiker Claus Fussek | © Imago

"Wollen Sie in ein paar schnellen Minuten gepflegt und abgefertigt werden?", fragen Claus Fussek und Gottlob Schober in ihrem Buch. Die Antwort ist eindeutig: "Sie wollen das nicht!" Und doch lasse man alte, schutzbedürftige Menschen oft mit ihrem Schicksal alleine. Bei der Vorstellung des neuen Taschenbuches in München beklagen die Autoren, dass die Missstände in der Pflege immer noch nicht ernst genommen werden. "Seit unserem letzten Buch "Im Netz der Pflegemafia" hat sich leider gar nichts getan. Im Gegenteil. Es ist schlimmer geworden", beschreibt Fussek den Ist-Zustand. "Alle wissen Bescheid, aber keiner tut etwas."

Gefälschte Dokumente

Co-Autor und Journalist Gottlob Schober weiß Bescheid, seit er für eine Reportage ein Pflegeheim besucht hat. "Es hatte sich eine alte Frau mit ihrem Bein im Bettgitter verkeilt und niemand hat ihr geholfen." Dieses Erlebnis ließ ihn nicht mehr los – und es war der Beginn einer engen Freundschaft mit Pflegekritiker Claus Fussek.

Verbunden ist diesem auch Kabarettist Dieter Hildebrandt. "Ich wünsche mir für die Menschen in den Heimen, dass es ihnen so gut geht wie meinem Hund. Denn der bekommt immer genug zu trinken und zu essen", äußert er sich provokant zur Pflegeproblematik. Farbe bekennt auch die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher: "Es ist die Zeit gekommen, konkret zu werden. Die Pflege alter und kranker Menschen ist kein parteipolitisches, sondern ein gesellschaftspolitisches Thema."

Die Autoren des Buches fordern vor allem eines: Ehrlichkeit. "Schon die Pflegeschüler lernen, Dokumente zu fälschen", kritisiert Schober. Fussek bittet: "Schreibt nur das auf, was ihr geleistet habt. Dann haben wir schwarz auf weiß, dass es an allen Ecken und Enden fehlt. Denn unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ist eine menschenwürdige Pflege nicht möglich."

Außerdem fordern die Autoren von Seiten der Träger der Pflegeeinrichtungen die Offenlegung der Finanzen. In ihrem Buch fragen Schober und Fussek den Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Leonhard Stärk, nach seiner Meinung. "Ich halte Transparenz für äußerst wichtig, sie ist geradezu zwingend erforderlich, um aufzurütteln", antwortet er. Dass die Menschen endlich aufwachen und der Wahrheit ins Gesicht sehen, das wünschen sich die Autoren. "Wir müssen handeln – wie beim Hochwasser. Jeder, der sich eines Alten annimmt, ist ein Sandsack in der Pflegekatastrophe", so Fussek.

Michael Pausder, Landesgeschäftsführer des VdK Bayern, war bei der Buchvorstellung in München dabei. Er unterstützt Fussek im Kampf gegen schlechte Pflege: "Die Politik reagiert nur auf Druck. Deshalb müssen wir an einem Strang ziehen und uns für die Alten stark machen."

Bücher

Taschenbuch "Es ist genug! Auch alte Menschen haben Rechte", Claus Fussek und Gottlob Schober, Knaur-Verlag, ISBN 978-3-426-78644-4, Preis: 7 Euro.

cfs

Schlagworte Pflege | Claus Fussek | Buch | Pflegeheim | menschenwürdige Pflege | Pflegebedürftige | Pflegebranche | Kritik | Missstände

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