28. Juni 2013

Trotz Dialyse in den Urlaub fahren

Reisen ist für Nierenkranke möglich und wichtig – Tipps für die Urlaubsplanung

Auch für Dialysepatienten ist, gute Planung und ein Dialysezentrum vor Ort vorausgesetzt, ein entspannter und entspannender Urlaub möglich. | © Imago

Im Urlaub die Seele baumeln lassen – das möchten auch Dialyse-Patienten. Um den Aufenthalt trotz Krankheit genießen zu können, benötigen die Betroffenen vor Ort unbedingt ein Dialyse-Zentrum, das die Nierenersatz-Therapie auch im Urlaub sicherstellt. Wer sich frühzeitig vorbereitet, findet sowohl hierzulande als auch in ferneren Regionen geeignete Ziele.

Wenn das Ehepaar Lehn unterwegs ist, kommt selten Langeweile auf: Bei einer Safari im "Krüger Nationalpark" in Südafrika fingen die beiden mit der Kamera Nashörner, Elefanten und Giraffen ein. Auch auf Fernreisen nach Ägypten, Mexiko und in die Dominikanische Republik sammelten sie lebhafte und abenteuerliche Eindrücke. Dabei gehört Thomas Lehn zu den bundesweit rund 80.000 Dialyse-Patienten. Aufgrund einer schweren Erkrankung ist er seit 1970 von einer künstlichen Niere abhängig: Drei- bis viermal pro Woche muss er sich bei der sogenannten Hämodialyse für sechs Stunden am Apparat einer Blutreinigung unterziehen. Dazu geht er allerdings nicht, wie die meisten Betroffenen, in ein Dialyse-Zentrum, sondern versorgt sich abends von zu Hause aus. Die Heimdialyse hat für ihn viele Vorteile. Er kann tagsüber seinem Beruf in der IT-Branche nachgehen und spart sich viel Zeit. "Während der Dialyse nach Feierabend kann ich Anrufe erledigen, mich entspannen, lesen und mit meiner Frau Beate zu Abend essen", erzählt der 57-Jährige.

Dialyse vor Ort

Thomas Lehn lässt sich trotz Nierenkrankheit nicht vom Reisen abhalten. "Einer der Höhepunkte im Jahr ist für mich der Urlaub", sagt der gebürtige Mainzer. Während sich den meisten Reisenden allenfalls die Hürde der fremden Sprache in den Weg stellt, steht Thomas Lehn vor jeder Fahrt vor der Herausforderung: Ist das Reiseziel auch für Dialyse-Patienten geeignet? "Mein Gerät kann ich schließlich nicht mitnehmen, also muss ich darauf achten, dass das Reiseziel auf Nierenpatienten eingestellt ist", sagt Lehn. Ein Nieren-Zentrum vor Ort, in dem der Dialyse-Patient zuverlässig dreimal in der Woche seine Therapie bekommt, ist entscheidend.

Betroffene sollten eine Tour sorgfältig und frühzeitig planen. Es ist ratsam, sich sechs bis acht Wochen im Voraus um die Reisedialyse zu kümmern. Das gilt übrigens auch für Reisen innerhalb Deutschlands. Wenn Thomas Lehn den Urlaub organisiert, prüft er zunächst, ob in der Nähe ein Ansprechpartner für die Dialyse zur Verfügung steht. Für Deutschland etwa gibt es eine Broschüre zur Feriendialyse, in der alle Nieren-Zentren aufgelistet sind. "Bevor ich mich nach einem Hotel umsehe, versuche ich, einen freien Feriendialyse-Platz zu reservieren", beschreibt Lehn. Sobald er die Bestätigung des Nieren-Zentrums erhalten hat, sagt er seiner Krankenkasse Bescheid. An einem deutschen Ferienort übernimmt die gesetzliche Krankenkasse vollständig die Dialysekosten. Bei Reisen ins Ausland werden die Kosten im Normalfall bis zu der Höhe getragen, die für eine Dialyse in Deutschland berechnet würde, also pro Behandlung rund 200 Euro. "Wer seinen Urlaub nicht selbst vorbereiten möchte, kann sich auch an Reiseanbieter wenden, die speziell auf die Bedürfnisse von Dialyse-Patienten eingehen", betont Thomas Lehn.

Urlaub stärkt Lebensfreude

Wenn die Nieren nicht mehr funktionieren, übernimmt die Dialyse-Maschine teilweise die Arbeit des Organs. Dr. Helmut Blume, Geschäftsführer des Verbands Deutsche Nierenzentren e. V., nennt die Hauptaufgaben der Nieren: die Ausscheidung von Giftstoffen, die Regulation des Wasserhaushalts sowie hormonelle Aufgaben (Steuerung des Blutdrucks, des Knochenstoffwechsels und der Blutbildung). "Wenn Dialyse-Patienten das Gefühl haben, die eigene Versorgung ein Stück weit selbst in die Hand nehmen zu können, trägt das erheblich zur Lebensqualität bei. Auch ein Tapetenwechsel durch einen Urlaub ist unbedingt zu empfehlen", rät der Internist und Nephrologe.

Nachdem Thomas Lehn und seine Frau im vorigen Jahr die Türkei und Italien besucht haben, liebäugeln sie jetzt wieder mit einem exotischen Ziel: "Im September geht’s zum ersten Mal nach Jamaika in die Karibik", freut sich der Globetrotter. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren.

Die Broschüre zur Feriendialyse ist erhältlich über den Verband Deutsche Nierenzentren e. V., Immermannstraße 65 A, 40210 Düsseldorf, info@dnev.de , Internet www.ddnae.de, den Menüpunkt "Feriendialyse" anklicken.

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