28. Juni 2013

Jeder Schritt hält fit: Kraft in der Natur tanken

Gesundheitswandern ist eine Mischung aus Wandern und leichten Fitnessübungen – Ausdauer und Beweglichkeit verbessern

© Imago

"Let’s go – jeder Schritt hält fit": Unter diesem Motto steht das Bewegungsprogramm des Deutschen Wanderverbandes. Gesundheitswandern wird mittlerweile deutschlandweit angeboten, ist jedoch vielen noch unbekannt. Es lohnt sich, unter Anleitung einer ausgebildeten Gesundheitswanderführerin auf Tour zu gehen. Das Bewegungsprogramm in landschaftlich reizvollen Gegenden wird durch Tipps zur gesunden Lebensführung ergänzt.

Dunkle Wolken haben sich über Gommlo, dem kleinen Dörfchen nahe der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt, zusammengebraut. Wie leer gefegt ist die Dorfstraße, die von schmucken Bauernhäusern gesäumt wird. Vor dem letzten Haus am Ortsrand schicken ein paar Frauen in Regenmänteln bange Blicke zum Himmel, aus dem bereits die ersten Tropfen fallen. "Macht nichts, wir sind ja nicht aus Zucker", scherzt Dorle Nebelung. Mit ihren roten Gummistiefeln und der knallroten Mütze stapft sie fröhlich voran. "Auf geht’s!" Die Gesundheitswanderführerin gibt den Startschuss für die Tour, die normalerweise etwa fünf Kilometer lang ist.

Wegen des schlechten Wetters entscheiden sich die Frauen heute für die kürzere Strecke von zwei Kilometern. Zuvor haben sie sich auf dem Naturheilhof von Dorle Nebelung, die ganzheitliche Gesundheits-, Ernährungs- und Lebensberatung anbietet, warm gemacht.

Gesundheitswandern steht etwa einmal im Monat auf dem Programm in Gommlo. Auf Nachfrage werden auch zusätzliche Touren zusammengestellt. Doch was verbirgt sich hinter dem Programm? Das will die Redakteurin der VdK-Zeitung von den Teilnehmerinnen wissen. "Es macht einfach Spaß. Sie werden schon sehen", meinen die Frauen und wollen noch nicht zu viel verraten. Die ersten 800 Meter geht es entlang an blühenden Gerstenfeldern. Der Weg ist von Pfützen übersät. Diese baut Dorle Nebelung gleich in die ersten Fitnessübungen ein. "Die Pfütze in die Mitte nehmen, Füße schulterbreit auseinander und Arme kreisen lassen", sagt sie und macht die Übungen vor. Diese schulen auch den Gleichgewichtssinn, denn nur ein Fehltritt, und schon bekommt man nasse Füße.

Natur als Fitnessstudio

Doris Kropp atmet tief durch. Die 68-Jährige geht immer, wenn sie Zeit hat, mit auf die Gesundheitswanderung. "Das bringt mir mehr, als mich in einem Fitnessstudio abzustrampeln", ist sie überzeugt. Sie schätzt vor allem die Bewegung in der Natur und den Austausch in der Gruppe. Denn beim Gesundheitswandern bleibt man nicht nur in Bewegung, sondern bekommt auch Tipps zur gesunden Lebensführung. Als ganzheitliche Ernährungsberaterin kennt sich Wanderführerin Dorle Nebelung auf diesem Gebiet bestens aus. Ganz nebenbei pflückt sie am Wegesrand ein paar Wildkräuter und erzählt, wofür sie sich verwenden lassen. Der Breitwegerich zum Beispiel ist eine Wohltat für wunde Wanderfüße. Ein Tipp, den besonders Pilger zu schätzen wissen, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind, der an dem Naturheilhof vorbeiführt.

Heute werden die Frauen wohl keine wunden, sondern eher nasse Füße bekommen. Denn die Pfützen auf dem Feldweg gehen nahtlos in den nassen, aufgeweichten Waldboden über. Am Waldrand ist der nächste Stopp geplant. An der jahrhundertealten Eiche stehen Lockerungsübungen für die Arme auf dem Programm. Schulterkreisen und Armschwingen werden abwechselnd ausgeführt. Wer will, kann den dicken Stamm der Eiche umfassen. "Hier fühle ich eine starke Verbundenheit zur Natur", meint Dorle Nebelung.

Inzwischen ist der Regen stärker geworden. Die Schritte der Frauen werden schneller. Nur noch wenige Meter, dann ist es geschafft. Auf dem Naturheilhof heißt es dann noch einmal Muskeln lockern und dehnen. Zum Abschluss hat Dorle Nebelung noch ein Gläschen frisch gepressten Kräutersaft im Café des Naturheilhofs für die Frauen vorbereitet. Und alle sind sich einig, beim nächsten Mal wieder mit von der Partie zu sein.

Positive Effekte

Dass Gesundheitswandern nicht nur Spaß macht, sondern auch Kreislauf, Koordination und Wohlbefinden stärkt, ist inzwischen auch wissenschaftlich erwiesen. Professor Dr. Kuno Hottenrott und sein Team von der Universität Halle-Wittenberg haben die gesundheitsfördernde Wirkung anhand einer Studie belegt. Wer zweimal pro Woche am Gesundheitswandern teilgenommen hatte, war schon nach wenigen Wochen bis zu zwei Kilo leichter. Außerdem verbesserte sich die Ausdauer der Teilnehmer, was sich wiederum positiv auf die Blutdruckwerte auswirkte.

"Vor allem für Menschen, die sich bisher wenig bewegt haben, ist das Programm ideal", so Christine Merkel vom Deutschen Wanderverband in Kassel. Auch einige Krankenkassen seien vom Gesundheitswandern inzwischen überzeugt und hätten die Kurse als Primärpräventionsmaßnahme anerkannt. Damit verbunden ist eine teilweise Kostenübernahme. Der Teilnehmerbeitrag je Gesundheitswanderung liegt bei durchschnittlich fünf bis zehn Euro. Wandervereine bieten für ihre Mitglieder oft eine kostenlose Teilnahme an. 

Kontakt

Der Deutsche Wanderverband informiert im Internet unter www.gesundheitswanderfuehrer.de über das Programm. Auf der Seite findet man auch eine Karte mit den regionalen Angeboten und Ansprechpartnern. Infos gibt es auch telefonisch unter (05 61) 9 38 73 18

ikl

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