25. Februar 2013

Verflixter Bandsalat, du warst so schön

Die Kompaktkassette hat sich ein halbes Jahrhundert nach ihrer Einführung vom Massenprodukt zum Auslaufmodell entwickelt. Wer mit dem Kultobjekt aufgewachsen ist, den erinnert es an die eigene Jugend.

Wichtiges Hilfsmittel beim Beheben von "Bandsalat": der Bleistift | © Imago

Wenn der Kassettenrekorder zum Bandfresser wurde, ging der Ärger los. Denn der "Bandsalat" musste mühsam mit einem Bleistift wieder aufgewickelt werden. Ein gerissenes Tonband wurde mit einem Stück Tesafilm geflickt. In komplizierten Fällen schraubten Tüftler mit geschickten Händen die Kassette auf. Doch alle Mühen halfen nichts, wenn im Magnetband Knicke waren. "Die konnte man hören – mal eierte der Ton, mal knackte es", erinnert sich VdK-Mitglied Wilhelm Maurer aus München.

Heute schmunzeln Jugendliche ob der Anstrengungen, die ihre Großeltern in ihrer Jugend unternahmen, um "olle" Kassetten zu reparieren. Doch selbst bespielte Kassetten prägten das Lebensgefühl in den 1980er-Jahren ebenso wie Turnschuhe und BMX-Räder. Mit den Tonträgern wurden mithilfe der Aufnahmetaste am Kassettenrekorder kleine Kunstwerke erschaffen. Etwa die Mix-Tapes: Als Geschenk für den neuen Schwarm haben die Jugendlichen die Lieblingsmusikstücke aus dem Radio mitgeschnitten. "Das war gar nicht so leicht", sagt Wilhelm Maurer. "Wenn der Moderator mit seinem Text in das Lied hineinplatzte oder Verkehrsnachrichten gesendet wurden, war der Mitschnitt dahin", erzählt der 64-Jährige. Seine Favoritensendung war das Bayern-3-Format "Pop nach acht" mit Thomas Gottschalk.

Nicht nur Musik machte den Reiz der Kompaktkassette aus. Ob "Bibi Blocksberg" oder die Detektivgeschichten der "Drei Fragezeichen" – Hörspiele eroberten die Kinderzimmer und begleiteten die Familien auf langen Autofahrten.
Die Entwicklung der Kompaktkassette zum Massenmedium nimmt Ende der 1970er-Jahre an Fahrt auf, parallel zum mobilen Abspielgerät für Audiokassetten, das die Musikwelt revolutionierte: Der Sony-Walkman ermöglichte ab 1979 erstmals, die Songs unterwegs zu genießen, und das – dem Kopfhörer sei Dank –, ohne Mitmenschen zu belästigen. 1973 liefen hierzulande laut dem Bundesverband für Musikindustrie bereits 7,8 Millionen Musikkassetten von den Fabrik-Fließbändern. Den Gipfel des Erfolgs markiert das Jahr 1991 mit 78,4 Millionen Stück. Seitdem geht es mit der Kassette steil bergab. Sie wurde längst von der CD abgelöst.

Alte Schätze auf Kassette

Wilhelm Maurer begeistert sich generell für neue Technik. Beispielsweise geht er mit seinem Handy ins Internet. Er kennt aber auch den Vorteil eines MP3-Players gegenüber einem Kassettenrekorder. "Er ist sehr platzsparend und kann keine Bänder ausleiern", sagt der Rentner. Von seinen Kassetten trennt er sich aber nicht. Maurer schätzt seine Sammlung auf 500 Exemplare. Viele Songs, etwa von der deutschen Rockgruppe Scorpions, von Pink Floyd oder James Brown, hört er sich gerne an – mit seinem alten Sony-Walkman.

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Schlagworte Audiokassette | Kassette | Musik | Nostalgie | Kompaktkassette

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