25. Februar 2013

Entwurf für Präventionsgesetz: VdK fordert Strukturveränderungen

Die Bundesregierung will die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichten, mehr Geld für die Prävention auszugeben. Das klingt gut. Der Gesetzentwurf hält jedoch nicht das, was er auf den ersten Blick verspricht. Die geplanten Änderungen reichen bei Weitem nicht aus, kritisiert der Sozialverband VdK.

Präventionsangebote für Ältere sind besonders wichtig - kommen im Entwurf zum Präventionsgesetz aber kaum vor. | © Imago

Sechs Euro pro Versicherten sollen die Krankenkassen im Jahr demnach in die Prävention investieren. Zu wenig, findet der VdK. Bereits 2010 gaben die gesetzlichen Krankenkassen 4,33 Euro, 2011 nur noch 3,87 Euro jährlich pro Versicherten aus. Eine Verdopplung des derzeitigen Ausgabevolumens wäre aus Sicht des VdK mindestens erforderlich, um eine nachhaltige Prävention zu betreiben. Das können Sport- und Bewegungskurse sein, präventive Kuren oder betriebliche Gesundheitsförderung.

Betriebe im Fokus

Mit ihrer Präventionsstrategie verfolgt die Regierungskoalition das Ziel, gerade die Menschen zu erreichen, die ihre Lebensgewohnheiten ändern sollen, um das Entstehen von Krankheiten vorzubeugen oder zu verhindern. Durch die Erhöhung der Mittel sollen auch sozial benachteiligte Gruppen, wie Menschen mit Migrationshintergrund oder niedrigerem Bildungsstand, stärker auf Präventionsangebote aufmerksam gemacht werden. Der Schwerpunkt der Gesundheitsförderung soll laut Gesetzentwurf in den Betrieben liegen. So sollen die Krankenkassen zum Beispiel Beratungszentren für kleine und mittelständische Betriebe einrichten und Vorgesetzte sollen in Schulungen lernen, wie Stress im Arbeitsprozess reduziert werden kann.

"Ältere Menschen kommen in der Strategie allenfalls am Rande vor", kritisiert VdK-Präsidentin
Ulrike Mascher. Doch gerade für sie seien individuelle Präventionsangebote besonders wichtig. Denn so könne Pflegebedürftigkeit hinausgezögert und die Lebensqualität im Alter erhöht werden. Ein Beispiel sei die Sturzprophylaxe, die bereits von einigen Krankenkassen angeboten wird. Trainiert ein älterer Mensch seine Beweglichkeit und Muskulatur, verringert er sein Risiko zu stürzen. Das wiederum verhindert hohe Kosten, die dem Gesundheitssystem sonst durch Krankenhausaufenthalt und Pflege entstehen würden. Angebote wie diese müssten noch viel stärker in die Breite getragen werden.

Bei den individuellen Präventionsangeboten bleibt die Entscheidung, ob und welche Maßnahme dem Versicherten bewilligt wird, bei der Kasse. "Hier hätten wir uns gewünscht, dass Prävention auf Rezept vom Arzt verordnet wird", so die VdK-Präsidentin. Denn gerade für ältere Menschen nehme der Hausarzt eine wichtige Position ein. Darüber hinaus würden auch arbeitslose Menschen nicht von der Gesundheitsförderung in den Unternehmen profitieren. Insgesamt sei die Strategie mehr auf Informationskampagnen als auf Strukturveränderungen ausgerichtet. Gesunde Lebensführung scheitere jedoch meist nicht an fehlenden Kenntnissen, sondern an den Möglichkeiten und Kompetenzen, diese auch umzusetzen.

Soziale Ungleichheit

Insgesamt setze der Gesetzentwurf zu sehr auf Eigenverantwortung. "Menschen sind meist nicht selbst schuld, wenn sie krank werden oder sind", so Ulrike Mascher. Das führe zu einer Benachteiligung von chronisch kranken und erwerbsgeminderten Menschen und verstärke die wachsende soziale Kluft bei der Gesundheitsvorsorge. Die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung sterben im Durchschnitt beinahe zehn Jahre früher als die reichsten 20 Prozent. Wer ernsthaft etwas gegen diese Ungleichheit tun wolle, könne nicht allein auf den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen vertrauen. Deshalb fordert der Sozialverband VdK ein Gesetz, das alle Sozialversicherungsträger und die private Kranken- und Pflegeversicherung beteiligt, sowie eine Strategie zur Reduzierung der ungleich verteilten Gesundheitschancen enthält.

ikl

Schlagworte Gesetzentwurf | Prävention | Präventionsgesetz | Krankenkassen | gesetzliche Krankenversicherung | Gesundheitsvorsorge | Senioren | Ältere

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