25. Februar 2013

Immer mehr gehen vorzeitig in Rente

Vor gut einem Jahr hat die schrittweise Einführung der "Rente mit 67" begonnen. Doch immer mehr Arbeitnehmer gehen bereits vor 65 in Rente und müssen entsprechende Abschläge in Kauf nehmen.

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Überdurchschnittlich betroffen vom vorzeitigen Rentenbeginn sind stark belastende Berufe wie Krankenpfleger/innen oder Erzieher/innen. Nach den neuesten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund ist der Anteil der Frührentner an den Altersrentnern von 41,2 Prozent im Jahr 2005 auf 48,2 Prozent 2011 gestiegen, so berichtete die "Süddeutsche Zeitung" Ende Januar. In absoluten Zahlen sind das 337.000 Rentnerinnen und Rentner, die vorzeitig in den Ruhestand gingen und deshalb nicht die volle Rente ausbezahlt bekamen. Im Durchschnitt belaufen sich die Rentenabschläge auf 109 Euro im Monat.

"Es gibt gewiss Menschen, die ganz bewusst vorzeitig in Rente gehen, weil sie sich das finanziell leisten können. Es gibt aber auch die anderen, die eher unfreiwillig aus dem Arbeitsleben ausscheiden: die älteren Arbeitslosen und diejenigen, die körperlich oder psychisch den Belastungen des Berufslebens nicht mehr standhalten können", so beurteilt VdK-Präsidentin Ulrike Mascher diese Entwicklung.

Die Befürworter der "Rente mit 67" verweisen darauf, dass die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen im Durchschnitt weiter gestiegen sei, und zwar auf 29,3 Prozent. Betrachtet man sich jedoch nur die 64-Jährigen, sieht es deutlich schlechter aus: Von ihnen haben nur 14,2 Prozent eine Beschäftigung. Ein Jahr zuvor waren es noch 14,4 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Arbeitslosenquote der über 60-Jährigen mit 8,3 Prozent überproportional hoch ist. Die Bundesagentur für Arbeit räumt ein, dass es für Ältere, die arbeitslos geworden sind, sehr schwierig ist, wieder einen Job zu finden. Angesichts dieser Zahlen bleibt der VdK bei seiner Auffassung, dass die "Rente mit 67" ausgesetzt werden muss, solange sich die Arbeitsmarktbedingungen für Ältere nicht grundlegend verbessern. Sonst ist die "Rente mit 67" nichts anderes als eine Rentenkürzung durch die Hintertür, die zu einem Anstieg der Altersarmut führt.

Damit ältere Arbeitnehmer auch bis 65 oder gar 67 im Job durchhalten können, müssen die Arbeitgeber in ihren Betrieben die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen. Mascher: "Es gibt zwar einige große Unternehmen, die mit altersgemischten Teams arbeiten und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz bieten. Doch dies ist eher die Ausnahme als die Regel." Gefragt ist eine vorausschauende Arbeitsorganisation. "Wenn man weiß, dass zum Beispiel Erzieherinnen oder Krankenpfleger ihre Tätigkeit nicht bis 65 ausüben können, dann muss man frühzeitig berufsbegleitende Fortbildungen zur Weiterqualifizierung anbieten", betont die VdK-Präsidentin.

Auch fordert der VdK einen Ausbau der beruflichen Rehabilitation, um gesundheitlich angeschlagene Arbeitnehmer wieder voll und ganz ins Arbeitsleben zu integrieren. Mascher: "Da ist jeder Euro sinnvoll investiert. Jedem Arbeitnehmer die Möglichkeit zu geben, das gesetzliche Renteneintrittsalter im Job zu erreichen, ist gut für die Betroffenen, gut für die Betriebe und entlastet die Sozialkassen." So könnte auch die Zahl der Erwerbsminderungsrenten reduziert werden. Trotz hoher Einstiegshürden müssen immer mehr Arbeitnehmer immer früher eine solche Rente beantragen: Im Durchschnitt sind die Bezieher bei Rentenbeginn nur 50 Jahre alt.

Der VdK fordert eine armutsvermeidende Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Debattiert wurde schon zu lange. "Endlich handeln!" heißt deshalb die VdK-Aktion zur Bundestagswahl 2013.

mpa

Schlagworte Endlich handeln | Rente mit 67 | Armut | Erwerbsminderungsrente | Altersarmut | Frührentner | Frührente | Abschläge | Ältere

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