2. Juli 2012

Anti-Aging für die Stimme

Die Alterung mit gezieltem Training hinauszögern

Auch vor der Stimme macht das Alter nicht Halt. Sie unterliegt wie alle anderen Organe dem ganz normalen Alterungsprozess und muss stets gefordert werden, damit sie nicht langsam verstummt. Professor Elisabeth Bengtson-Opitz hat ein Anti-Aging-Konzept für die Stimme entwickelt, damit diese auch im Alter gesund und schön klingt.

Unsere Stimme ist ebenso einzigartig wie unser Gesicht, das oft mit viel Aufwand gepflegt wird. Die Stimme hingegen wird als etwas Selbstverständliches betrachtet. Doch auch um sie muss man sich kümmern und sie trainieren.

Die Alterung der Stimme macht sich dadurch bemerkbar, dass sie bei Frauen meist schriller und höher wird, bei Männern tiefer und brummeliger. Vom Greisendiskant spricht man bei einer sehr hohen Altmännerstimme. Frauen treffen beim Singen oft die hohen Töne nur noch schlecht und die Stimme vibriert im "schrecklichen Altersvibrato", wie Elisabeth Bengtson-Opitz es nennt.

Diese Entwicklung muss man nicht hinnehmen. "Man kann ihr entgegenwirken, sie aufhalten und sogar rückgängig machen", sagt Bengtson-Opitz, bis zu ihrer Pensionierung Professorin für Gesang und Gesangsmethodik an der Hamburger Musikhochschule.

Grundlegend ist die Atmung. "Bereits mit 55 Jahren fasst die Lunge einen Liter weniger Luft als mit 25 Jahren", sagt die Gesangspädagogin. Und dieser Prozess geht immer weiter, bis – rein rechnerisch betrachtet – die Lunge im Alter von 120 Jahren ganz leer ist. Folge des Alterungsprozesses ist, dass man öfter nach Luft schnappt. "Dieses zischende Geräusch machen viele, die nicht Sänger oder Schauspieler sind", sagt die Professorin, "weil sie falsch atmen."

Atmung beachten

Das Hochatmen in den Brustkorb bringt nicht das erwünschte Mehr an Luft, sondern ein Gefühl von Enge. Es strapaziert das Herz. Die Schleimhäute trocknen aus, und damit steigt die Gefahr für Bronchialinfekte. Die Durchblutung im Kopf wird beeinträchtigt, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden und ein schwerer Kopf mit Müdigkeit sind oft die Folge. Die erste Übung lautet also: die natürliche Bauchatmung wieder herzustellen. Der Druck in der Brust lasse nach und der Kopf werde leichter, so Bengtson-Opitz und erinnert sich an eine 70-jährige Dame, die mit schweren Atembeschwerden zu ihr in den Kurs kam. Bengtson-Opitz trainierte mit ihr die Bauchatmung, um die unter anderem durch das viele Sitzen abgeschlaffte Muskulatur zu stärken. Bald konnte die Dame die Medikamente absetzen und wieder durchatmen. Trainieren muss sie ihre Stimme allerdings weiterhin.

Da das Stimmorgan ein vielschichtiges Zusammenwirken aus verschiedenen Organ- und Muskelgruppen ist, hat das weitreichende Folgen. "Wenn ich nicht lerne loszulassen, verspannt sich der ganze Kiefer", so die Pädagogin. Die Folgen sind eine verspannte Kopf- und Nackenmuskulatur, ein eingefallener Brustkorb bis hin zu Blockaden in der Wirbelsäule. Das heißt: Zähne auseinander und nicht zusammenbeißen. "Viele Ältere haben Riesenschwierigkeiten, den Mund richtig aufzumachen."
Die gebürtige Schwedin arbeitet seit 1999 mit dem System "Anti-Aging für die Stimme", um die Stimme lebenslang leistungsfähig zu erhalten und den Alterungsprozess mit gezieltem Training hinauszuzögern. In Kursen vermittelt sie die leicht zu erlernenden Übungen. Anti-Aging für die Stimme ist ein Weg, die Stimmqualität zu verbessern. Voraussetzung sind tägliches Üben und die Bereitschaft, lebenslange, festgefahrene Muskelbewegungen zu ändern. (sko)

Übungen für die Stimme:

  • Benutzen Sie Ihre Stimme, wann immer es möglich ist, sonst verlieren Sie sie. Singen Sie, wann immer Sie Gelegenheit dazu haben. Studien belegen, dass Singen Stresshormone und Ängste reduziert sowie die Produktion von Glückshormonen und die Immunabwehr ankurbelt. Es soll auch gegen Reizdarmbeschwerden wirken, da die Produktion eines speziellen Enzyms der Bauchspeicheldrüse angeregt wird.
  • Wer keinen Gesprächspartner hat, sollte sich täglich 20 Minuten Zeit für die Stimme nehmen. Aufrecht hinsetzen und sich selbst laut vorlesen. Dabei deutlich und etwas übertrieben artikulieren, lockere, präzise Mundbewegungen ausführen, den Mund beim "A" so weit aufmachen, dass zwei Finger übereinander Platz haben.
  • In den Bauch atmen. Beim Luftholen Bauch loslassen und nach außen wölben, beim Sprechen und Singen nach innen ziehen. Mit der Hand auf dem Bauch kontrollieren.
  • Hüftbreit hinstellen, Knie nicht durchdrücken, Rücken strecken, Brustbein anheben, Kopf hoch und Nacken nicht anspannen. Stellen Sie sich vor, ein Faden auf dem Scheitel zieht sie unsichtbar nach oben.

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