30. Januar 2012

Wie sich mit dem Pauschbetrag Steuern sparen lassen

Menschen mit Behinderung müssen Belege über Aufwendungen dem Finanzamt nicht mehr einzeln nachweisen

Bei anerkannten Behinderungen bietet das Steuerrecht zahlreiche Möglichkeiten, finanzielle Nachteile steuerlich abzumildern. Eine der wichtigsten ist der Pauschbetrag. Der VdK zeigt Ihnen, was Sie beachten müssen.

Gesundheitliche Einschränkungen verursachen für die Betroffenen oft erheblichen finanziellen Mehraufwand. Es entstehen etwa Kosten durch Heilbehandlungen und Medikamente, Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Prothese sowie behindertengerechte Umbauten im Wohnraum. Der Gesetzgeber will diese Kosten durch steuerrechtliche Begünstigungen abfedern.

Eine wichtige Regelung zur Erleichterung der Lohnsteuererklärung ist der sogenannte Pauschbetrag: Anstatt Aufwendungen im Zusammenhang mit der Behinderung mühsam einzeln nachzuweisen, kann ein steuerlich voll absetzbarer Pauschbetrag gewählt werden. Seine Höhe bemisst sich nach dem Grad der Behinderung (GdB), den das Versorgungsamt festzustellen hat. Auf Basis dieser Einstufung kann der Pauschbetrag zwischen 310 Euro bis höchstens 3700 Euro pro Jahr betragen. Ob der Pauschbetrag günstiger ist als der Einzelnachweis, hängt von der individuellen Situation ab. Der Sozialverband VdK kritisiert, dass der Behindertenpauschbetrag seit 1975 in seiner Höhe unverändert beibehalten wurde und seiner Entlastungsfunktion somit nicht mehr gerecht wird. Deshalb fordert der VdK, den festgeschriebenen Behindertenpauschbetrag den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen anzupassen.

Wahlrecht gilt


Arbeitnehmer mit Behinderung können den Pauschbetrag in der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Der Vorteil: Beim Lohnsteuerjahresausgleich erübrigt sich die Berücksichtigung des Pauschbetrags – er wird automatisch steuerlich geltend gemacht. In diesem Fall sollte aber beachtet werden, dass damit der Arbeitgeber über die Behinderung Bescheid weiß, denn die Informationen auf der Lohnsteuerkarte sind für ihn einsehbar. Wer das aus persönlichen und datenschutzrechtlichen Gründen nicht möchte, kann beruhigt sein: Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, wonach Arbeitnehmer mit Behinderung den Pauschbetrag in der Lohnsteuerkarte angeben müssen. "Das ist grundsätzlich ein Wahlrecht, das kann jeder für sich selbst entscheiden", sagt Markus Wührer von der Lohnsteuerhilfe Bayern e.V.

Die geplante Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte wurde zwar ein weiteres Mal auf das Jahr 2013 verschoben. Doch Vorsicht: Später wird ein bereits eingetragener Pauschbetrag dann automatisch auf die elektronische Lohnsteuerkarte übertragen. Wer das nicht möchte, kann den Eintrag per Antrag beim Finanzamt löschen lassen.

An wen können sich Menschen mit Behinderung wenden, wenn sie Fragen zu dieser Regelung haben? Grundsätzlich sollten sich alle Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine mit dem Pauschbetrag auskennen, findet Wührer. Steuerlich ist der Behinderten-Pauschbetrag eigentlich klar geregelt. Dennoch ist es empfehlenswert, bei der Vereinbarung eines Beratungstermins ausdrücklich auf das Thema Schwerbehinderung hinzuweisen. Menschen mit Behinderung können sich natürlich bei Fragen zu ihrer Lohnsteuererklärung auch einen Gesprächstermin beim zuständigen Finanzamt geben lassen. Einzelne Bundesländer bieten Informationsbroschüren mit Steuertipps für Menschen mit Behinderung an – etwa Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Leider gibt es bisher keine bundesweit einheitliche Broschüre. Laut Bundesministerium der Finanzen liegt das daran, dass die Formalitäten der Belege und Nachweise von den einzelnen Ländern unterschiedlich gehandhabt werden können.

Anschrift und Telefonnummer des zuständigen lokalen Finanzamts, bei dem Sie eine Informationsbroschüre erhalten, finden Sie im örtlichen Telefonbuch und im Internet unter www.bffweb1.bff-online.de (ant)

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