27. Januar 2011

Die Patientenuniversität steht allen offen

Auch für Laien verständlich: In Hannover lernen Bürger medizinisches Grundlagenwissen

Weshalb altert der Mensch? Diese Frage interessierte mehr als 300 Teilnehmer im Hörsaal D der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

"Gesund und selbstbestimmt älter werden" heißt die mehrteilige Vortragsreihe der Patientenuniversität 2010/2011. Ziel ist es, Menschen für eine unabhängige Gesundheitsbildung zu begeistern, um ihre Rechte als mündige Patienten zu stärken.

Der Vortrag von Prof. Dr. Klaus Hager über Altersmedizin beginnt zwar erst um 18 Uhr. Doch bereits eine dreiviertel Stunde vorher nehmen die ersten Teilnehmer ihr Namensschild und die aktuellen Unterlagen in Empfang. Sie erhalten eine Zusammenfassung des Vortrags und die Übersicht über die Lernstationen, an denen unter anderem Studierende der Medizin und Mitarbeiter der Henriettenstiftung nach dem Vortrag für Fragen bereitstehen. Wer will, kann sich vorher und nachher noch etwas stärken. Die Preise für Softgetränke und kleine Snacks sind günstig.

Der Hörsaal ist kurz vor 18 Uhr fast komplett besetzt. Frauen sind in der Überzahl. Der Großteil der Besucher ist 60 Jahre und älter. Sie warten auf den Geriater Prof. Dr. Klaus Hager. Er leitet die Klinik für Medizinische Rehabilitation und Geriatrie des Diakonissenkrankenhauses Henriettenstiftung in Hannover und wird über "Geriatrische Medizin – Wodurch unterscheidet sich die Altersmedizin von der herkömmlichen Medizin?" sprechen.

Im Hörsaal D der Medizinischen Hochschule informieren sich Bürger über Altersmedizin. | © Kohls

Geriatrie als fächerübergreifende Lehre von den Krankheiten des alten Menschen befasst sich unter anderem mit den Folgen von Schlaganfall, Knochenbruch (Schenkelhalsfraktur, Oberarmbruch), Osteoporose, Schwächezuständen nach Krankheiten und Operationen, neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, multiple Sklerose und Demenz.
Im Alter sind die Krankheitszeichen oft nicht mehr rein organbezogen. Die gemeinsame Endstrecke nebeneinander bestehender Erkrankungen (Multimorbidität) sind die vier "I": Instabilität (Sturzkrankheit), Immobilität, Intellektuelle Veränderung und Inkontinenz.

Muskelkraft nimmt ab

Doch ab wann ist der Mensch alt? Laut Professor Hager ab 80 Jahren, denn dann wird für viele die Bewältigung des Alltags schwieriger, Organveränderungen nehmen zu, kleine gesundheitliche Störungen können nicht mehr so leicht ausgeglichen werden, und die Stimme kann leise und zittrig werden, weil die Muskelkraft im Brustkorb abnimmt. Im Vergleich zur körperlichen Leistungsfähigkeit verändern sich die Persönlichkeitszüge hingegen im Alter kaum.

Ist das noch das Alter oder schon Demenz, wird sich mancher besorgt fragen, wenn er wieder einmal etwas verschusselt hat. Die Antwort ist sehr schwierig, räumt Hager ein, da viele Faktoren mitspielen. So sei nicht jede Verwirrtheit gleichzusetzen mit Demenz, beispielsweise können Depressionen fälschlicherweise als Verwirrtheit gedeutet werden, oder es liegt ein Flüssigkeitsmangel vor, weil das Durstgefühl zurückgeht und zu wenig getrunken wurde.
Alterungsprozesse sind zwar individuell beeinflussbar, aber nicht aufzuhalten. Besonders wichtig für ein selbstbestimmtes Leben im Alter ist die Verbesserung der Kraft und Beweglichkeit. Wer körperlich – und auch geistig – zu viel rastet, der rostet, die Fähigkeiten lassen nach. Soziale Kontakte erhalten die Lebensfreude, denn der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen.

Die Patientenuniversität Hannover will die Gesundheitsbildung fördern, bei der Krankheitsbewältigung unterstützen und den Menschen helfen, sich besser im Gesundheitssystem zu behaupten. In laienverständlicher Sprache wird Grundlagenwissen über Medizin und medizinische Zusammenhänge sowie über den Umgang im Gesundheitssystem vermittelt, damit Menschen als kompetente Patienten mitreden und mitentscheiden können, wenn es um ihre Gesundheit geht. (sko)

Info

Die im Jahr 2006 gegründete unabhängige Patientenuniversität ist eine Initiative der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und war die erste ihrer Art in Deutschland.

Geschäftsstelle Patientenuniversität Hannover
Telefon (05 11) 5 32-84 25
Patientenuniversitaet@mh-hannover.de
www.patienten-universitaet.de

Die nächste Veranstaltungsreihe beginnt am 3. Mai. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Gebühren für zehn Veranstaltungen betragen 95 Euro. Mittlerweile gibt es eine zweite Patientenuniversität, die "GesundheitsUni Jena", Info: Telefon (0 36 41) 93 33 36.

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