30. September 2010

Für unerwartete Ausgaben fehlt häufig das Geld

Armutsrisiko alleinerziehend: Bereits 41 Prozent der Mütter und Väter ohne Partner sind auf Hartz IV angewiesen

Wer bei der Kindererziehung auf sich selbst gestellt ist, trägt nicht nur schwer an der Verantwortung. Alleinerziehende Mütter und Väter sind häufiger auf Hartz IV angewiesen als andere Eltern. Im vergangenen Jahr waren das laut Bundesagentur für Arbeit 41 Prozent. Damit steigt für die 1,6 Millionen Frauen und Männer, die ihre Kinder allein erziehen, das Armutsrisiko immens.

Besonders prekär stellt sich die Lage für Frauen dar. Wie das Statistische Bundesamt ermittelte, haben 54 Prozent der Mütter, die ein unter dreijähriges Kind betreuen, ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 1100 Euro. Dabei arbeiten alleinerziehende Mütter wesentlich häufiger Vollzeit (42 Prozent) als Mütter in Paarfamilien (27 Prozent). Trotzdem stehen diese Frauen finanziell oft schlechter da.

Ihre angespannte finanzielle Situation führt dazu, dass sie sich oft Dinge nicht leisten können, die für andere selbstverständlich sind. Das zeigen Ergebnisse aus der Erhebung "Leben in Europa (EU-Silc) 2008". So verfügte knapp jeder fünfte Alleinerziehende nicht über die finanziellen Kapazitäten, um die Wohnung angemessen zu heizen. "Dieser unzumutbare Zustand würde sich durch die von der Bundesregierung beabsichtigte Streichung des Heizkostenzuschusses für Wohngeldempfänger noch verschärfen", kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Der geplante Wegfall des Kindergeldes für Hartz-IV-Empfänger – immerhin 300 Euro im Monat – verschlechtere die Situation noch. Es werde bei denen gespart, die beim Notwendigsten sowieso schon Abstriche machen müssten.

Trend zur Armut verstärkt sich

Die große Mehrheit der Alleinerziehenden sieht sich laut Erhebung finanziell nicht in der Lage, unerwartet anfallende Ausgaben zu bestreiten. Ist der Kühlschrank oder die Waschmaschine defekt, fehle häufig das Geld, ein neues Gerät zu kaufen. Laut Studie waren im Jahr 2008 genau 36 Prozent der Alleinerziehenden und ihre Kinder von Armut bedroht. Bei anderen Familien lag diese Zahl hingegen bei acht Prozent.

Und dieser Trend wird sich wahrscheinlich noch verstärken. Denn die Zahl der Alleinerziehenden steigt weiter an. In der Bundesrepublik Deutschland sind 2,4 Millionen Kinder betroffen, die meisten von ihnen leben in Ostdeutschland. Jede fünfte Familie besteht heute dem Statistischen Bundesamt zufolge aus nur einem Elternteil mit Kindern, in den Großstädten ist es sogar jede vierte. Vor 13 Jahren war es nur jede siebte Familie.

ikl

Schlagworte Alleinerziehende | alleinerziehend | Mütter | Väter | Kinder | Hartz-IV-Empfänger | Geld | Einkommen | Armut

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