VdK-ZEITUNG

Einmaliges Angebot für Blinde und Sehbehinderte

Erstmalig ist in Deutschland eine Dauerausstellung eines Kunstmuseums für Blinde und sehbehinderte Menschen eigenständig zugänglich. Über zwei Jahre wurde daran gearbeitet, die Dauerausstellung „Kunst in Berlin 1880-1980“ mit Tastmedien, Leitsystem und einer Museums-App auszustatten, um so ein barrierefreies Kunsterlebnis zu schaffen.

Ein über 300 Meter langes Bodenleitsystem begleitet die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung. | © C. Krahulec

Sieben Tastmodelle, eine App-Tour mit 17 Stationen zu den wichtigsten Werken sowie ein über 300 Meter langes Bodenleitsystem ermöglichen den Besucherinnen und Besuchern die Entdeckung der Kunstwerke vor dem inneren Auge. Verschiedene Gemälde wurden in Tastreliefs übersetzt und können mit den Händen erkundet werden. Unterschiedliche Materialien wie Filz, Textil oder Holz vermitteln einen Eindruck des jeweiligen Kunstobjektes.

Museums-App
Die Museums-App kann bequem auf dem eigenen Smartphone genutzt und mit automatischer Auslösung gesteuert werden. Neben spannenden Hintergrundinformationen bietet sie spezielle beschreibende Texte, die eine genaue Vorstellung vom Original geben. Die App gibt zudem Orientierungshinweise, die in Kombination mit dem Bodenleitsystem einen eigenständigen Ausstellungsbesuch ermöglichen.

Tastführungen gehören ebenfalls zum umfangreichen Vermittlungsprogramm. Sie geben ausführliche Bildbeschreibungen. Tastobjekte, Hörbeispiele aber auch kleine taktile Experimente kommen zum Einsatz. Die Ausstellung ist nicht nur für Blinde und Sehbehinderte geeignet. Auch Menschen ohne Behinderung können dank der Tastmodelle Dinge entdecken, die ihnen sonst vielleicht entgangen wären.

Weitere Angebote folgen
Der Zugang zu Kunst und zu kulturellen Einrichtungen „ohne fremde Hilfe“ – eine Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention – wird mit dieser Ausstellung schrittweise umgesetzt. Für die kommenden Jahre ist die Erweiterung barrierefreier Kunst durch Angebote in Gebärdensprache oder leichter Sprache geplant.

Die Ausstellung ist von Mittwoch bis Montag, von 10 bis 18 Uhr, zu sehen. Geschlossen ist immer dienstags. Die Teilnahme an den öffentlichen Führungen ist im Eintrittspreis enthalten. Teilnahme erfolgt nach Anmeldung, bis vier Tage vor Termin. Tastführungen können auf Nachfrage auch von Erwachsenengruppen oder Schulklassen gebucht werden. Weitere Informationen: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin, Telefon: 030 / 7890 2832

© VdK