Not macht erfinderisch und tolle Ideen entstehen

Der Corona Lockdown hatte starke Auswirkungen auf den Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg und seine Tochterfirmen. Der Landesvorsitzende Ralf Bergmann und die Geschäftsführerin Silvana Radicione berichten über Herausforderungen und Hoffnungen in Krisenzeiten.

Seit Anfang Mai findet Beratung wieder vor Ort statt. | © VdK

Im Gespräch mit Silvana Radicione und Ralf Bergmann über die VdK-Arbeit in der Pandemie-Zeit

Was waren die größten Herausforderungen für den VdK und die Rechtsberatung seit Beginn der Corona-Krise im März?

Silvana Radicione: Besonders herausfordernd waren die vielfältigen Handlungsbedarfe, die innerhalb weniger Tage umgesetzt werden mussten: Wie können wir die Betriebe runterfahren und trotzdem die grundlegenden Tätigkeiten und Dienstleistungen aufrechterhalten? Wie schützen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Mitglieder. Und besonders: Wie schützen wir unsere Ehrenamtlichen, die vorwiegend zur Hochrisikogruppe zählen.

Dafür haben wir sehr schnell einen Krisenstab mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen gegründet. Eine große Herausforderung war auch, die Finanzierung sicherzustellen für die vielen Dienstleistungen, die durch Drittmittel finanziert werden. Hier führen wir bis heute sehr viele Gespräche mit der Senatsverwaltung und den Krankenkassen und mussten sehr viele zusätzliche Nachweise erbringen.

Ralf Bergmann: Aber wir haben bisher alles geschafft und deshalb ein besonders herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das möglich gemacht haben und viel Veränderungsbereitschaft, Umdenken und Flexibilität gezeigt haben. Und selbstverständlich ein großer Dank auch an unsere Ehrenamtlichen und unsere Mitglieder, von denen wir sehr viel Zuspruch, Unterstützung und Verständnis erhalten haben.

Wie sah der Alltag in den Geschäftsstellen und Hilfsangeboten aus? Welche Schutzmaßnahmen haben Sie ergriffen?

Gute Zusammenarbeit war für Silvana Radicione und Ralf Bergmann schon vor der Corona-Krise von großer Bedeutung. | © VdK

Silvana Radicione: Der Alltag sah komplett anders aus. In den Geschäftsstellen haben wir die grundlegenden Hygiene- Vorkehrungen getroffen, alle haben natürlich Masken getragen und wir haben die Empfangsbereiche nach Empfehlungen des RKI umgestaltet. Wo es ging wurden Kolleginnen und Kollegen ins Homeoffice geschickt, die verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich auf die Büros verteilt oder haben sich im Schichtdienst abgewechselt.

Eine große Rolle spielte die umfangreiche Information zu häufig gestellten Fragen, der Arbeitssituation und den Maßnahmen, die wir ergriffen haben. Die Beratungsangebote erfolgten bis Mai ausschließlich telefonisch und per E-Mail. Nur die Helferinnen und Helfer der Mobilitätshilfedienste waren wie gewohnt unterwegs. Sie hatten aber keinen direkten Kontakt mit den Klientinnen, sondern haben notwendige Besorgungen für sie erledigt.

Wie Sie schon erwähnten, gehören viele Ehrenamtliche zu den Corona- Risikogruppen. Lag ihr Engagement deswegen brach?

Ralf Bergmann: Ganz im Gegenteil. Der Vorstand und alle Gremien haben nach wie vor gearbeitet. Alle Treffen und Absprachen fanden telefonisch oder per Video-Konferenz statt. Es war eine tolle Erfahrung, wie strukturiert wir das geschafft haben. Dies ist ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung. Die Ehrenamtlichen in den Kreisverbänden haben für das Hauptamt Mund- Nasen-Schutz genäht, die am Anfang der Krise kaum zu haben waren. Viele haben bei der Aktion „Pinsel-Post“ teilgenommen, um Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen zu unterstützen.

Insgesamt kann ich sagen: Not macht erfinderisch. Es sind ganz tolle Ideen entstanden, wie man sich untereinander austauschen und helfen kann, um diese schwierige Zeit der Isolation zu überstehen.

Was hat der VdK Berlin-Brandenburg zur Unterstützung von Älteren und Menschen in Pflege unternommen?

Ralf Bergmann: Der Sozialverband VdK hat verschiedene Forderungen an die Politik gestellt, damit Angehörige in der Corona-Krise besser unterstützt und Risikogruppen besser berücksichtigt werden. Er hat sich dafür eingesetzt, dass Besuche in Pflegeheimen wieder stattfinden können. Denn man darf nicht unterschätzen, welche Auswirkungen eine Isolation, gerade für ältere Menschen haben kann.

Wie haben die Tochterunternehmen des VdK Berlin-Brandenburg die Zeit gemeistert?

Silvana Radicione: Ganz unterschiedlich. Bei den Kinder- und Jugendambulanzen der Ki.D.T gGmbH wurde zum Beispiel viel Online- und Videoberatung angeboten. Alle haben die Ärmel hochgekrempelt und zusammengewirkt, um die wirtschaftlichen Ausfälle zu kompensieren. Das ist wunderbar gelungen, auch wenn wir uns immer noch in Austausch mit dem Senat und den Krankenkassen befinden, wer die enormen Ausgaben für die Schutzausrüstung übernimmt, die für medizinische Einrichtungen verpflichtend sind.

Auch die tandem BTL hat auf verschiedenen Wegen Kontakt zu ihren Kindern gehalten. Als Trägerin der Kinder- und Jugendhilfe wurde sie früh als systemrelevant eingestuft und weiter von der Senatsverwaltung finanziert, auch wenn sie einige wirtschaftliche Verluste hinnehmen musste.

Ralf Bergmann: Die Integra hingegen hat es ganz besonders schlimm getroffen. Deren größtes Standbein ist der Verleih von Partybedarf. Sämtliche Aufträge für 2020 wurden im März von jetzt auf gleich storniert und deshalb mussten hier mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leider in Kurzarbeit geschickt werden. Einige Aufträge kommen inzwischen wieder rein, sodass wir hoffen können, dass die Auftragslage sich wieder positiv gestalten wird.

Wie sehen die aktuellen Vorsichtsmaßnahmen aus? Wie hat sich der VdK für eine eventuelle zweite Infektionswelle gewappnet?

Silvana Radicione: Vor allem können wir bei einer zweiten Welle nicht mehr so überrascht werden. Wir haben einen aktuellen Pandemieplan, haben bereits Erfahrungen, welche Schutzmaßnahmen sich bewährt haben und können schneller reagieren. Und wir haben mehr Erfahrungen gesammelt, was alles über Digitalisierung möglich ist.

Unsere Ehrenamtlichen haben trotz der erschwerten Bedingungen ebenfalls Großes geleistet, inzwischen sind in den Kreisverbänden sogar wieder Veranstaltungen geplant. Eine zweite Welle wäre ein riesiger Rückschritt auf dem Weg zur Normalität.

Gab es auch Lichtblicke während der Krise?

Ralf Bergmann: Absolut, ein großer Lichtblick war der Zuspruch und der Zusammenhalt, den wir in den vergangenen Monaten erfahren haben. Es hat sich gezeigt, dass Solidarität auf allen Ebenen existiert. Und eine Bereitschaft, das Beste aus der Situation zu machen. Es hat mir persönlich gezeigt, wie stark unser Verband in solchen Zeiten sein kann.

Und auch in der Krise verzeichnen wir einen stetigen Zuwachs von neuen Mitgliedern: Im Juli haben wir bereits über 26 200 Mitglieder und konnten somit einen Zuwachs von 1400 Mitgliedern innerhalb eines halben Jahres verzeichnen. Und die Zahl steigt deutlich stärker, seit wir wieder geöffnet haben. Für dieses sehr große Vertrauen, das uns entgegengebracht wird, möchte ich mich herzlich bedanken.

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