„Ich stehe für ein konstruktives Miteinander“

Seit über 20 Jahren war Karl Bubenheimer Geschäftsführer der Integra gGmbH, eine Tochtergesellschaft des VdK Berlin-Brandenburg. Nun übergibt er den Staffelstab an Beate Seitz. Seit dem 1. Januar ist die Diplom-Kauffrau Geschäftsführerin der Berliner Integrationsfirma. Wir sprachen mit ihr über Pläne, Ideen und die Herausforderungen, die vor ihr liegen.

Was hat Sie dazu bewegt Geschäftsführerin der Integra zu werden?

Beate Seitz: An der Integra reizt mich besonders die Mischung zwischen dem sozialen Auftrag des Unternehmens und dem Agieren am Markt. Die Integra steht mit ihren Dienstleistungen Partyausstattung und Reinigungsservice in direkter Konkurrenz mit anderen Unternehmen. Umsätze und Gewinne sind überlebenswichtig für das Unternehmen und die Sicherung der Einkommen der Beschäftigten. Aber Gewinne sind eben nur ein Mittel zum eigentlichen Zweck.

Als Integrationsfirma hat die Integra in erster Linie den Auftrag, das berufliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu realisieren und Menschen, die sonst auf dem ersten Arbeitsmarkt nur schwer Zugang finden, eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Wirtschaftlichkeit und soziale Aspekte erfolgreich miteinander zu verbinden ist eine Herausforderung, die mir Freude macht und mich antreibt. Außerdem mag ich es, mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Alle haben wir unsere Stärken und Schwächen. Die jeweiligen Stärken zu nutzen und auszubauen und auf der anderen Seite Wege zu finden, damit die individuellen Einschränkungen nicht unnötig ins Gewicht fallen, finde ich spannend und reizvoll.

Was haben Sie vor der Integra beruflich gemacht?

Ich war als kaufmännische Leiterin tätig. Zuletzt bei einem sozialen Träger hier in Berlin, der sich um Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen kümmert. Da habe ich mich die letzten Jahre auch verstärkt um das Qualitätsmanagement gekümmert. Wir haben uns alle Prozesse, die im Handbuch geregelt waren, angeschaut und bei Bedarf in unterschiedlichen Arbeitsgruppen überarbeitet und neu aufgelegt. Dabei habe ich sehr deutlich erlebt, wie wichtig es für wirklich gute Lösungen ist, dass alle Beteiligten ihre Aspekte auf den Tisch legen können und man dann gemeinsam an den Lösungen arbeitet. Neben den rein kaufmännischen Aufgaben hat es mir schon immer Spaß gemacht, miteinander Prozesse zu optimieren – zum Wohl des Unternehmens, der Kunden und natürlich auch zum Wohle der Mitarbeiter. Darauf freue ich mich auch bei der Integra.

Sie sind seit Anfang des Jahres Geschäftsführerin. Haben Sie schon konkrete Ziele, die Sie in naher Zukunft umsetzen möchten?

Ich habe ein, zwei Ziele, die ich gerne in naher Zukunft umsetzen möchte. Zum einen wäre das die Digitalisierung im Partybereich. Hier steht die ganze Wertschöpfungskette unter Beobachtung. Bisher erhalten wir die Aufträge über verschiedene Kanäle. Manche Bestellungen erreichen uns telefonisch, per Mail oder über unseren Webshop. Manchmal wird den Fahrern auch direkt eine Bestellung mitgeteilt. Das ist für alle unheimlich arbeitsintensiv. Zudem ist der Webshop noch nicht ganz ausgereift. Hier überlegen wir bereits ganz konkret, wie man diesen effizienter und attraktiver gestaltet. Zum anderen ist es mir aber auch ganz besonders wichtig, die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen zu verbessern. Hier gab es in der Vergangenheit bereits verschiedene Veranstaltungen. Jetzt erfolgt die Umsetzung, auch wenn wir natürlich nicht alle Vorschläge und Ideen berücksichtigen können.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrer Position als Geschäftsführerin?

Im Bereich Partyausstattung sehe ich die große Herausforderung in der geplanten Digitalisierung. Hier zu gewährleisten, dass alles reibungslos klappt, ist eine große Aufgabe. Es werden große Investitionen für die Anschaffung neuer Technik und Programme getätigt, diese müssen dann auch von den Mitarbeitern angenommen und angewendet werden. Das ist eine Herausforderung. Beim Reinigungsservice möchte ich zukünftig zusammen mit dem Bereichsleiter weitere große Aufträge, im besten Fall mit Tagesreinigung, an Land ziehen. Das wird nicht immer einfach sein. Denn die meisten gewerblichen Kunden bevorzugen die Reinigung außerhalb der Betriebszeiten. Im Kern ist das die Zeit zwischen 18 und 8 Uhr. Hier muss ein Bewusstseinswandel geschaffen werden, denn schließlich bringt eine Tagesreinigung auch Vorteile für den Kunden: Es kann sehr bedarfsorientiert und oft kostengünstiger gereinigt werden. Für die Mitarbeiter*innen erhoffe ich mir dadurch bessere Arbeitsbedingungen, wenn diese tagsüber für mehrere Stunden in einem Objekt reinigen, anstatt wie bisher wenige Stunden ganz früh morgens und dann wieder abends ein paar Stunden in einem anderen Objekt.

Die Integra hat rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter*innen beziehungsweise Auszubildende. Was dürfen sie von Ihnen erwarten?

Die Mitarbeiter*innen müssen sich darauf einstellen, dass ich sie in Entscheidungsprozesse mit einbeziehe. Das bedeutet natürlich auch Arbeit, dass ich die notwendigen Infos von ihnen bekomme und Kommunikation in beide Richtungen, was nicht von vornherein jedermanns Sache ist Ich stehe für ein konstruktives Miteinander, das heißt meine Mitarbeiter*innen bekommen einerseits immer ein Feedback und andererseits werde ich mir auch immer alles anhören. Die Mitarbeiter*innen können aber auch erwarten, dass ich die gesteckten Ziele mit ihnen gemeinsam verfolge und alles daran setzte, die Integra zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Die Integra ist Teil der VdK-Gruppe. Wie stellen Sie sich die weitere Zusammenarbeit vor und wo sehen Sie die besonderen Stärken?

Viele soziale Themen werden durch die VdK-Gruppe horizontal und vertikal abgedeckt. Durch die Kombination von Theorie und Praxis kann man besondere Schlagkraft entwickeln und Angebote
ausdifferenzieren. Das ist ein großer Vorteil der VdK-Gruppe. Durch den regelmäßigen Austausch innerhalb der Gruppe können wir viele Synergien nutzen, angefangen vom Wissenstransfer bis hin zur Vereinheitlichung der Verwaltungssysteme. Das vereinfacht die Arbeit untereinander und spart obendrein noch Kosten.

Ihr Vorgänger Karl Bubenheimer ist unter anderem stellvertretender Sprecher der Integrationsfirmen Berlin und hat in dieser Funktion viel erreicht. Werden sie in seine Fußstapfen treten?

Ich kann mir das grundsätzlich gut vorstellen. Es ist aber nichts, was ich in den nächsten Monaten direkt angehen möchte. Ich gucke jetzt erstmal, wie ich das Unternehmen voranbringe und dann schaue ich mich um. Ich nehme natürlich an den Sitzungen teil, doch erstmal bewerbe ich mich nicht um die Funktion als Sprecherin. Herr Bubenheimer hat sehr viele Funktionen, die wurden zum Teil von anderen übernommen. Ich bin froh, dass mir hier der Rücken freigehallten wurde, sodass ich erstmal im Unternehmen ankommen kann. Wenn das gut funktioniert hat, ist der Zeitpunkt, sich für Funktionen in sonstigen Gremien zu öffnen.

Dörte Gastmann

Schlagworte Integra gGmbH

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