Rehabilitation und Corona

Für viele Menschen ist die Rehabilitation nach Operationen, Krankheiten und Unfällen ungemein wichtig. Erst hier werden sie wieder für den Alltag und das Berufsleben fit gemacht. Nach dem Ende des Covid-19-Shutdowns fahren alle Reha-Einrichtungen ihr Angebot langsam wieder hoch, doch eine Rückkehr zum Normalzustand wird sich noch verzögern.

Aufgrund der coronabedingten Hygienekonzepte sind die Aufnahmekapazitäten der Reha-Kliniken
begrenzt. | © Canva Bilddatenbank - Katarzyna Bialasiewicz

Stellen Sie sich auf längere Wartezeiten ein!

Nachdem im März die Reha-Einrichtungen ihre Arbeit und Neuaufnahmen stark drosseln mussten, nehmen sie inzwischen nach und nach wieder Patientinnen und Patienten auf. Wie lange Berliner*innen und Brandenburger*innen auf eine Reha-Maßnahme warten müssen, lässt sich pauschal nicht sagen, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg (DRV). Die Kliniken bauen ihre Angebote wieder aus, doch je nach Vorgaben in den einzelnen Bundesländern und Hygienekonzepten der einzelnen Kliniken unterscheiden sich sowohl die Aufnahmekapazitäten als auch die Anzahl der Menschen auf den Wartelisten.
„Die Reha-Versorgung für Patientinnen und Patienten, die eine Anschlussheilbehandlung benötigten oder eine Reha im Rahmen einer Suchtbehandlung ist jetzt und war auch in den vergangenen Monaten gesichert“, erklärt Jan-Stephan Vietsch aus dem Bereich Grundsatzfragen bei der DRV.

Lange Wartezeiten

Antragssteller*innen mit anderen Bedarfen, die weniger dringlich sind, aber unter Umständen trotzdem einen hohen Leidensdruck verspüren, müssen sich meist auf längere Wartezeiten einstellen, berichtet der EUTB-Berater des VdK Berlin- Brandenburg, Lars Hemme. Hinzu können finanzielle Probleme kommen, wenn die Antragssteller*innen im Krankengeld- oder Arbeitslosengeld-Bezug stehen: „Aufgrund von Corona gibt es Fälle, bei denen Erkrankte die Reha nicht innerhalb der Fristen antreten können. Dann droht eigentlich der Verlust der Krankengeldzahlung. Ohne eine Maßnahme sind sie aber noch nicht fit genug, um wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Ungeklärt ist noch, wer die weiteren Zahlungen übernimmt“, so Hemme. Droht ein solcher Fall ist es für Betroffene wichtig, sich frühzeitig mit der eigenen Krankenkasse beziehungsweise der Agentur für Arbeit in Verbindung zu setzen.



VdK ergreift Initiative

Durch den Reha-Stau in vielen Einrichtungen können Sozialleistungen wie Krankengeld und Arbeitslosengeld I in Gefahr geraten.
VdK-Präsidentin Verena Bentele hat die Bundesminister Hubertus Heil und Jens Spahn in einem Brief gebeten, tätig zu werden.
Es geht um:

  • die Verlängerung der Bezugsdauer von Krankengeld und Arbeitslosengeld 1
  • eine einheitliche Regelung der Sozialversicherungsträger, wenn Patient*innen die Reha aus berechtigten Gründen verschieben müssen.

Es gab einige Fälle, in denen die Rehabilitation abgebrochen wurde. Aber auch, dass Patientinnen und Patienten aus Angst vor dem Virus ihre Reha vorzeitig selbst abgebrochen haben oder überlegen, ob sie ihre schon lange bewilligte Rehabilitation verschieben sollen. Eine Pflicht, die Reha sofort anzutreten, besteht angesichts der besonderen Umstände nicht, informiert die DRV auf ihrer Website. Wurde die Reha vorzeitig, von der Einrichtung oder auf eigenen Wunsch, abgebrochen, besteht die Möglichkeit, die Maßnahme zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, zu wiederholen oder neu zu beantragen. Die DRV hat dazu einen Kurzantrag entwickelt.

Ausnahme

Hier müssen Antragssteller*innen allerdings aufpassen, die von ihrer Krankenkasse oder der Agentur für Arbeit zur Reha aufgefordert wurden und deshalb in ihrem sogenannten Dispositionsrecht eingeschränkt sind. Sie können eine Reha nicht einfach verschieben und sollten zuvor mit ihrer Krankenkasse oder der Agentur für Arbeit über einen Antrag auf Verschiebung sprechen.

Grundsätzlich von einer Reha momentan abraten würde die DRV Berlin-Brandenburg nicht, denn jede Klinik muss ein auf die eigene Einrichtung und gegebenenfalls mit den Behörden abgestimmtes Hygienekonzept vorweisen, um Rehabilitanden behandeln zu dürfen. „Darauf vertrauen wir“, erklärt Vietsch, „Aber die Entscheidung muss natürlich jeder mit sich ausmachen, denn die persönlichen Ängste und Vorbehalte können wir niemandem nehmen, zumal die Anreise und andere Faktoren möglicherweise ein Risiko darstellen können. Wenn jedoch der Leidensdruck hoch ist und jemand eine Bewilligung und Einladung zu einer Reha in der Tasche hat, würde ich nicht empfehlen unter Umständen noch ein Jahr zu warten, da sich der Gesundheitszustand in dieser Zeit weiter verschlechtern könnte.“ Es sei ratsam, sich über die Einrichtung und die Situation vor Ort zu informieren, um anschließend eine Entscheidung zu treffen.

Mehr Infos

Reha-Corona-FAQ der Deutschen Rentenversicherung unter dem Stichwort „Corona“ auf: www.deutscherentenversicherung.de

Bettina Kracht

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