Eine simple Idee gegen Einsamkeit

Seit Jahrtausenden ist Einsamkeit ein Teil des Lebens. Doch nun wird sie mehr und mehr auch in der Politik als Problem wahrgenommen. Schon lange bevor die Bekämpfung der Einsamkeit in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden ist, hat sich der VdK-Landesverband Berlin-Brandenburg mit einem Besuchsdienst in Berlin dem Thema angenommen.

Manchmal ist von früher zu erzählen ein Türöffner und kann einfacher sein, als über die Probleme im Jetzt und Hier zu sprechen. | © Gina Sanders

Oft sind es Männer und Frauen über 60 Jahren. Kinder und Enkel wohnen weit entfernt, Freundinnen und Freunde sind mittlerweile gestorben, durch Umzug und Beruf wurde der Anschluss verpasst. So unterschiedlich die Gründe, wa­rum sie niemanden mehr haben, sie sind einsam und leiden darunter. Dass Einsamkeit so gefährlich ist wie 15 Zigaretten am Tag, weiß inzwischen jeder. Sie führt zu Stress. Der schwächt das Immunsystem und öffnet Krankheiten Tor und Tür. Einsamkeit ist zwar keine Diagnose, kann aber Ursache und Folge vieler Krankheiten sein.

Hilfe im Alltag

Dem vorzubeugen ist Ziel des VdK-Besuchsdiensts. Zurzeit besuchen etwa 50 Ehrenamtliche über 600 Menschen in Berlin, die niemanden zum Reden haben. Meist sind es die Kinder, die sich bei Dagmar Wehle, der Koordinatorin des Projekts, melden: „Sie leben mehrere 100 Kilometer entfernt und organisieren das Leben ihrer Eltern, so gut es geht, aus der Ferne. Was sie nicht leisten können, ist das Alltägliche: Dass regelmäßig jemand vorbeikommt, um die alten Menschen in ein Gespräch zu verwickeln, mit ihnen endlich wieder den nahe gelegenen Park zu besuchen oder neue Eindrücke in einer Ausstellung zu gewinnen.“ Das ist die simple Idee hinter dem Projekt mit großer Wirkung.
Zu Besuch kommen Ehrenamtlich mit den unterschiedlichsten Interessen und beruflichen Hintergründen; manche, nicht alle, sind Rentnerinnen und Rentner. Daher sind pflegerische und haushalts­nahe Tätigkeiten, wie kochen, waschen, putzen, Besuche in Pflegeheimen und bei Menschen mit Demenz ausgeschlossen. In regelmäßigem Abstand treffen sich die Ehrenamtlichen und tauschen sich aus, über ihre Erfahrungen und Erlebnisse, und holen sich Rat bei Dagmar Wehle. „Es gibt viel Dankbarkeit. Es ist aber nicht immer schön, mit anzusehen, was Einsamkeit mit den Menschen machen kann“, erzählt sie.
Die Politik hat die Pflege und sonstigen Bedarfe von älteren Menschen viel zu lange vernachlässigt, meint Wehle. Dadurch, dass es viele Jahre normal und auch notwendig gewesen ist, dass man dem Job hinterherzieht, ist es umso wichtiger geworden, auch vermeintlich unwichtige Themen wie Besuchen und Begleiten nicht nur in den Hände von Familien und Ehrenamtlichen zu belassen. Es bedarf zumindest klarer Strukturen und Unterstützungen, um dies leisten zu können. Eine Matching-Software, die den aufwendigen Prozess der „Partnersuche“ übernimmt, wäre eine erste Lösung.

Wohnortnähe

Viele Besuchsdienste in Berlin sind ausgelastet, auch beim VdK gibt es Wartezeiten. Wichtigstes Kriterium beim Besuchsdienst des VdK ist Wohnortnähe von Nutzern und Besuchenden, und, dass zeitliche Vorstellungen und das Persönliche stimmen. Dann wird bei einem Ersttermin mit allen Beteiligten festgestellt, ob ein „Besuchs­tandem“ in Frage kommt.
„Einfach mal reden“ ist auch das Credo vom Verein „Silbernetz“. Im Unterschied zur Telefonseelsorge sitzen bei „Silbernetz“ keine Experten wie Mediziner, Sozialarbeiter oder Psychologen am Telefon, sondern einfach nur Menschen, die zuhören und als unvoreingenommene Gesprächspartner verfügbar sind, jeden Tag von 8 bis 22 Uhr. Viele einsame Menschen haben das Gefühl, wirklich ganz allein auf der Welt zu sein. Der Austausch mit anderen, auch wenn es Fremde sind, kann ein erster Schritt sein, wieder Hoffnung zu haben.
Ines Klut, Bettina Kracht

Zum 1. Januar 2020 erhält der Besuchsdienst personelle Verstärkung. Wenn Sie besuchen oder besucht werden möchten, kontaktieren Sie Hans-Werner Hofmann:
Tel: 030 74309626 (AB)
Das Silbernetz ist täglich von 8 bis 22 Uhr erreichbar. Tel: 0800 4 70 80 90

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