Verena Bentele übernimmt Patenschaft bei Ki.D.T.

„Die Frühförderung von Kindern mit Sehbehinderungen muss bekannter werden“, sagt Verena Bentele. Seit Juni 2019 ist die Präsidentin des VdK Deutschland Patin des Projekts der VdK-Tochterfirma Ki.D.T. – Kinder.Diagnostik.Therapie gGmbH in Reinickendorf-Wedding.

Mit Playmobil können blinde Kinder das Nichtsehbare erfühlen. VdK-Präsidentin Verena Bentele ist in die Räume am Leopoldplatz gekommen, um die Sehfrühförderung der Ki.D.T. kennen zu lernen. | © Vdk/Henning Schacht

Der gelbe Würfel wirbelt durch die Luft. Eine 6. Anna und Lukas (Namen von der Redaktion geändert) müssen nun das entsprechend markierte Kissen am Ende des Raums finden, darunter liegt ein Puzzleteil versteckt. Doch halt! Erst müssen die Kinder einen Barfuß-Parcours überwinden, um das Puzzleteil zu bekommen und schließlich an die richtige Stelle zu setzen. Spielerisch werden hier verschiedene Sinne trainiert. Das ist für die beiden Kindergartenkinder besonders wichtig, denn sie haben eine starke Sehbehinderung.

Kleine Kinder werden auf spielerische Art gefördert, mit zunehmendem Alter werden auch lebenspraktische Themen wie Orientierung und Mobilität Teil der Frühförderung. | © Vdk/Henning Schacht

Das Besondere an dieser Spielsituation: Normalerweise gehen die Frühförderinnen der Ki.D.T - Kinder.Diagnostik.Therapie gGmbH zu den Familien nachhause. Nur ausnahmsweise sind einige Kinder am 12. Juni 2019 in die Räume am Berliner Leopoldplatz gekommen, denn sie haben einen besonderen Gast: Die Präsidentin des VdK Deutschland, Verena Bentele ist gekommen, um die Sehfrühförderung genauer kennen zu lernen. Sie übernimmt an diesem Tag die Patenschaft für das Projekt.

Gute Arbeit bekannter machen


„Ich möchte helfen, die gute fachliche Arbeit der Ki.D.T publik zu machen. Mir ist wichtig, dass die Eltern von Kindern mit Sehbehinderungen gute Beratungsangebote kennen und diese in Anspruch nehmen. Je früher wir Fähigkeiten entwickeln, desto besser werden wir sie später einsetzen können. Daher ist die Frühförderung für die Inklusion eine gute Grundlage“, erklärt Verena Bentele, die seit ihrer Geburt blind ist und in ihrer Kindheit in Baden-Württemberg auch von einer Frühförderung profitiert hat.

Bei der Frühförderung der Ki.D.T trainieren die Kinder neben dem Sehen, alle anderen Sinne, die Bewegungsentwicklung, die Kommunikation und das Sozialverhalten um damit die Grundsteine für ein möglichst selbstständiges Leben zu legen. Die Frühförderinnen gehen auf die jeweilige Situation jedes Kindes individuell ein. Sie befassen sich nicht nur mit dem Kind, sondern beziehen die Familie und ihr Umfeld mit ein, beraten beispielsweise auch Erzieher*innen bei dem Übergang in den Kindergarten. So helfen sie nicht nur, die Kinder auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten, sondern auch Vorbehalte und Hindernisse in Kindergärten abzubauen.

Wartelisten sind zu lang

Dass das noch nicht ausreichend gelingt, liegt wie so oft an einer unzureichenden Finanzierung, wird in der anschließenden Diskussionsrunde über die Vorteile und Herausforderungen der Sehfrühförderung in Berlin deutlich. Neben Vertreter*innen von VdK und Ki.D.T ist auch Holger Schulze von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und zuständig für die Frühförderung anwesend.

So ist die Warteliste in der Kinder- und Jugendambulanz in Berlin lang obwohl eigentlich bei den ersten Anzeichen einer Beeinträchtigung so früh wie möglich Hilfen angeboten werden sollten. Ein weiteres Problem: nicht nur für Berliner Mieter*innen auch für soziale Projekte wird es immer schwieriger bezahlbare Räume zu finden. Träger wie der VdK Berlin - Brandenburg sind in Verhandlungen mit Vermietern auf die Hilfe des Senats angewiesen. Auch der Personalmangel in den Kindergärten wird hier zum Thema: „Wer Kindern mit unterschiedlichen Behinderungen gerecht werden will, der braucht ausreichend Personal für eine gute Betreuung“, warnt Maria Hafner-Althammer, leitende Ärztin der KiDT Reinickendorf-Wedding, „es ist eine riesen Gefahr für das ganze Thema Inklusion und Integration, die in Berlin seit den 80er Jahren auf die Beine gestellt wurde.“

Inklusion kann gelingen


Dass Inklusion gelingen kann, zeigt die anwesende 7-jährige Fanny. Kurz nach ihrer Geburt startete ihre Betreuung durch eine Frühförderin. Das blinde Mädchen besucht heute eine Regelschule und ist dort gut integriert. Aber auch dort war ein langer Überzeugungsprozess notwendig, bevor ihre Eltern die Zusage bekamen. Zu oft hängt Inklusion immer noch an dem Engagement von Einzelnen.
Noch ein Grund, die Sehfrühförderung bekannter zu machen, findet Bentele. Frühförderinnen können durch die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen Vorbehalte abbauen und Wege aufzeigen wie Kinder mit Behinderungen integriert werden können: „Es ist wichtig, das Bild von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft zu verändern. Viele Barrieren existieren in den Köpfen, die gilt es zu beseitigen.“

Blinde und sehbehinderte Kinder: Die Sehfrühförderung KiDT in Berlin

KiDT steht für KinderDiagnostikTherapie und ist eine Einrichtung des VdK Berlin-Brandenburg im Berliner Wedding. Hier werden sehbehinderte und blinde Kinder gefördert und auf den Alltag vorbereitet. VdK-Präsidentin Verena Bentele hat die Patenschaft über KiDT übernommen.

In der Ki.D.T. - Kinder.Diagnostik.Therapie gGmbH sind die fünf Kinder- und Jugendambulanzen/Sozialpädiatrische Zentren (KJA/SPZ) des Sozialverbands VdK Berlin-Brandenburg e.V. organisiert. Die ärztlich geleiteten medizinisch-therapeutischen Einrichtungen bieten Diagnostik und Therapie für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen und drohenden oder manifesten Behinderungen an. Therapeut*innen verschiedener Fachrichtungen arbeiten in einem Team interdisziplinär zusammen.
www.kinderdiagnosetherapie-berlin.de

Bettina Kracht

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