Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg e. V.

Beratung mit Feingefühl

Die Angebote der Sozialrechtsschutz gGmbH werden gern und viel beansprucht. Hinter den Kulissen wird es deshalb oft hektisch. Eine Mitarbeiterin der Sozialrechtsschutz gGmbH berichtet über ihre Arbeit

Wer Rat beim VdK sucht, greift meist zuerst zum Telefonhörer. Erste Anlaufstation sind Mitarbeiterinnen am Empfang. | © anniespratt/unsplash

Es ist Montag. Um Punkt neun Uhr dreißig öffnet die Sozialrechtsschutz gGmbH des Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg. Hier ist die erste Anlaufstelle für Mitglieder mit Rechtsfragen. Die Fahrstuhltüren gehen auf, die ersten Mandant*innen betreten den Empfang im ersten Stock des Gebäudes in der ­Linienstraße. Zeitgleich beginnt das Telefon zu klingeln.

Montags wird die Rechtsberatung besonders nachgefragt, andere Tage sind etwas ruhiger. VdK-Mitarbeiterin Bärbel Müller (Name von der Redaktion geändert) geht ans Telefon, die sechs Warteplätze in der Telefonschleife sind bereits gefüllt. Während Bärbel Müller sich heute um die Anrufenden kümmert, empfängt ihre Kollegin inzwischen die ersten Besucherinnen und Besucher am Arbeitsplatz nebenan.

Nur für ein kurzes Gespräch mit der VdK-ZEITUNG reicht die Zeit. Erst langsam passt sich ihr Tonfall dem Gespräch an. Man hört, dass sie in Gedanken noch bei den Anfragen der Mitglieder ist. Draußen klingelt ununterbrochen das Telefon weiter, ein Kollege vertritt sie während des Gesprächs.

Unmut am Telefon

Die Sorgen der Ratsuchenden sind häufig groß. „Stellen Sie sich vor, dass Ihr Antrag auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt wurde, und Sie wissen nicht, was Sie machen sollen. Da eskaliert der Tonfall schnell“, berichtet Müller. Auch Missverständnisse zu den Leistungen des VdK Berlin-Brandenburg führen schnell zu Unmut.

Die Mitgliedschaft beim Landesverband Berlin-Brandenburg kostet sieben Euro im Monat. Darin sind Beratungen und vergünstigte Konditionen zu bestimmten Angeboten enthalten. Bei Vorverfahren oder Klagen fallen allerdings Kosten an. Ist eine Klage erfolgreich, müssen die Verfahrensgegner*innen wie zum Beispiel Versorgungsämter und Rentenversicherungen die Kosten tragen. Verläuft ein Verfahren jedoch nicht erfolgreich, müssen VdK-Mitglieder einen Anteil der Kosten selbst übernehmen. „Häufig fehlt in der Not dann das Verständnis dafür, dass wir auch irgendwie unsere Kosten decken müssen. Dabei würde man bei einer Rechtsanwaltskanzlei oft das Vielfache zahlen als bei uns. Aber das wissen die Leute leider noch nicht“, so Müller.

Durch die unterschiedlichen Beratungsangebote des VdK kann auch eine kurze Telefonberatung manchmal länger dauern. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Mitglied nach Rentenberatung fragt, dabei aber eigentlich eine Antragstellung meint. Eine halbe Stunde in der Telefonwarteschleife ist für anrufende Mitglieder keine Seltenheit, so groß ist die Nachfrage nach den Angeboten des VdK. „Wir sind zu zweit und müssen uns gleichzeitig um die Mitglieder vor Ort kümmern. Was das für den Arbeitsalltag bedeutet, können Sie sich vorstellen“, lacht Müller verlegen.

Sorgen und Nöte

Ihre Kollegin und sie bekommen die Sorgen und Nöte der Anrufer*innen oft zu spüren. Müller weiß nie, ob Mitglieder vorbereitet sind und ihre Mitgliedsnummer schon bereitgelegt haben oder emotional aufgebracht sind und sie erst herausfinden muss, worum es geht. Über Beleidigungen bis hin zu schreienden Mitgliedern ist alles möglich. Oder Klient*innen be­schweren sich, obwohl ihr Widerspruch oder ihre Klage gerade erfolgreich zu Ende gegangen ist. „Manche Leute sind verzweifelt – und können dann nicht anders, als es an uns auszulassen. Wir versuchen immer, Verständnis zu haben.“ Ihre Miene hat sich verändert, sie blickt betreten zu Boden. „Man möchte nur helfen, aber wird schnell selbst verantwortlich gemacht für die Probleme der Leute“, sagt Bärbel Müller.

Und ein Dankeschön

Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein. Manche kommen mit Blumen oder Kaffee als Dankeschön für die getane Arbeit. „Das hat natürlich keinen Einfluss auf unsere Arbeit. Aber es ist gut zu sehen, dass man Menschen helfen konnte.“ Müller entschuldigt sich für die Hektik. Die Telefone am Empfang klingeln noch immer. Mit einem Nicken verabschiedet sie sich zurück an ihren Arbeitsplatz.

Antonia Galganek

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