Ist Instagram fake?

Good Vibes Only? Autorin Chrissy Stockton erzählt die Geschichte hinter den perfekten Fotos bei Facebook & Co.

Buchtitel: "Was ich nicht bei Instagram gepostet habe: Eine Sammlung von Essays über das echte Leben und das, was wir ausblenden." | © Unsplash / Thought Catalog

Instagram hat uns vermittelt, dass viele Leute ihr Leben am Strand oder im Pool verbringen.


Woher haben sie das Geld und die Zeit? Und warum sehen alle Menschen bei Instagram so normschön und gesund aus? Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen sind bei Instagram unterrepräsentiert. Mit der Lebensrealität vieler Leute haben die meisten Fotos wenig zu tun.

Genauso stellen aufgeräumte Wohnungen nicht den Alltag von Müttern dar. Warum sehen wir bei Instagram nicht ständig Bilder von großen Filzstift-Gemälden und Windelpackungen im Wohnzimmer? Sind alle Fotos bei Instagram "fake news", oder sind die Leben von anderen wirklich so perfekt?

Es ist nicht alles Zen, was nach Yoga-Retreat aussieht.

Eigentlich wissen wir ja, dass das alles nicht so schön ist wie es aussieht. Ein einziges Foto erzählt nicht die ganze Geschichte. Um uns das vor Augen zu führen, hat die US-amerikanische Autorin Chrissy Stockton im letzten Jahr das Buch „What I didn’t post on Instagram“ veröffentlicht. Übersetzt heißt der ganze Buchtitel: "Was ich nicht bei Instagram gepostet habe: Eine Sammlung von Essays über das echte Leben und das was wir ausblenden."

Darin erzählen Frauen die Geschichte hinter dem Foto: Das Foto aus dem Urlaub, den sie wegen der chronischen Krankheit Morbus Crohn nicht genießen konnten. Oder das Foto, das sie gemacht haben, nachdem sie weinend aus dem Yoga-Kurs gelaufen sind. Darunter hat jemand kommentiert: „Dein Leben sieht so cool aus“.

"Ich glaub nicht, dass du heute so aufgewacht bist, Heidi Klum."


In „What I didn’t post on Instagram“ haben wir die Chance, hinter die Kulissen zu blicken. Und da läuft eben nicht immer alles perfekt. Warum lassen wir es dann eigentlich so aussehen?

Unter dem Hashtag #wokeuplikethis lassen sich bei Instagram lauter Fotos von Menschen finden, die nicht "einfach nur so aufgewacht" sind, sondern sehr viel Zeit damit verbracht haben, für das Foto gut auszusehen. Völlig in Ordnung. Aber warum tun wir dann so, als wäre es anders?

Mit Fotos erschaffen wir Erinnerungen.

Psychologe und Nobelpreis-Gewinner Daniel Kahnemann sagt: Die "Generation Instagram" erlebt die Gegenwart als eine vorweggenommene Erinnerung. Wir „kuratieren“ Momente und sortieren sie. Wie Bilder in einer Ausstellung, nur im Instagram-Feed – weil wir wissen, dass sie zu Erinnerungen werden.

Video: Shots of Awe mit Jason Silva, The Instagram Generation (Englisch)

Wir wollen mitbestimmen, was wir erinnern: Lieber die guten Momente als die schlechten. Deshalb speichern und zeigen wir nur die guten. Dabei sind wir hinter den Filtern alle nur Menschen, deren Leben eben nicht in einem Foto zusammengefasst werden kann. Vielleicht brauchen wir ja einfach mehr wach sein und weniger #wokeuplikethis?

Sozialpolitik ist harte Arbeit. Deshalb erinnern wir uns gern an die Erfolge, die wir gemeinsam erreicht haben – und daran, dass wir einen Unterschied im Leben von Menschen machen.

Hier geht’s zum Instagram Account des VdK Bundesverbandes.

Antonia Galganek

Zu krank, um zu arbeiten?

Wir beraten, führen Papierkrieg mit Behörden und kämpfen für euer Recht. Für 7€ im Monat.

Jetzt online einen Termin für die Rechtsberatung vereinbaren.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzten auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.