„Wir nehmen uns Zeit für Ihre Geschichte“

Der Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg bietet seit diesem Jahr vier ergänzende unabhängige Teilhabeberatungsstellen für Menschen mit Behinderungen und drohenden dauerhaften Gesundheitseinschränkungen. Wir haben Jonas Buchhardt von der EUTB Potsdam anlässlich der Eröffnung des Potsdamer Büros getroffen.

„Nicht über uns, ohne uns“: Wie auf vielen Demonstrationen zum Bundesteilhabegesetz ist dies das Motto der EUTB im VdK. Betroffene werden von Betroffenen beraten. | © Jörg Farys/Gesellschaftsbilder.de

Lieber Herr Buchhardt, im November eröffnen Sie offiziell die EUTB-Beratungsstelle. Gemeinsam mit Ihrer Kollegin Ruth Endriss beraten Sie aber schon seit dem 15. Mai in Potsdam. Ist die Nachfrage groß?
Jonas Buchhardt: Es wird auf jeden Fall immer mehr. Ich habe mit etwa 10 Beratungen im Mai begonnen. Inzwischen stehen wir gemeinsam bei über 100 Beratungen Ende September. Darunter fallen alle Beratungen: persönlich, telefonisch und per Mail.

Was für Menschen kommen zu Ihnen?
Das ist sehr unterschiedlich. Von jung bis alt, von „schwerstbehindert“ bis „ich weiß gar nicht, ob mich das betrifft“ ist alles vertreten. Da wir niemanden abweisen, kann im Prinzip jeder kommen. Anfangs waren es hauptsächlich VdK-Mitglieder. Inzwischen haben wir aber auch viele Nichtmitglieder, die eine Erstberatung wünschen.

Ruth Endriss und Jonas Buchhardt ­beraten in Potsdam zu allen Fragen der Teilhabe am aktiven Leben. | © Ruth Endriss und Jonas Buchhardt

Was sind die häufigsten Themen, was die häufigsten Fragen, zu denen Sie beraten?
Ein häufiges Thema ist sicher der Grad der Behinderung bzw. der Antrag für einen Behindertenausweis. Hier beraten wir zum Beispiel, was vor der Antragsstellung wichtig sein kann. Es kommen aber auch viele Fragen zur Teilhabe am Arbeitsleben, was ein sehr umfangreiches Thema ist oder bei meiner Kollegin viele Fragen zum Thema Pflege. Sonst spielen Assistenz, Nachteilsausgleiche aller Art, Hilfsmittel oder persönliches Budget immer wieder eine Rolle.

Was raten Sie den Menschen am Beispiel einer diesen Fragen?
Es ist schwer, konkrete Ratschläge zu geben. Das ist auch meistens gar nicht das primäre Ziel. Es geht mehr darum, die Ratsuchenden zu stärken, ihre Angelegenheiten selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und beispielsweise den ersten Schritt oder einen neuen Anlauf zu wagen, einen Antrag auf Leistungen überhaupt zu stellen. Es kostet viel Mühe und Zeit, sich durch ein Antragsverfahren zu kämpfen und der Erfolg ist meist ungewiss. Es gibt leider viel Halbwissen oder einfach auch nur schlechte Erfahrung mit den Kostenträgern, was schon dazu führen kann, dass Ratsuchende mit ihren Problemen nicht vorwärts kommen.

Was meinen Sie, ist der Vorteil dieses neuen Beratungsangebots?
Der Vorteil ist ganz klar, dass wir niemanden abweisen und auf kein bestimmtes Thema spezialisiert sind. Viele Menschen kommen zu uns und wissen überhaupt nicht mehr weiter. Wir sortieren dann erst einmal, um welche Themen es geht und nehmen uns Zeit für die individuelle Geschichte. Das ist, denke ich, der große Unterschied zu Fachberatungsstellen, die in ihrem Thema zwar sehr gut sind, aber bei anderen Themen sagen müssen, das können wir nicht leisten.
Wir können immerhin Grundlegendes zu allen Teilhabethemen, quer durch alle Sozialgesetzbücher, sagen und so den ganzen Weg begleiten, der über die richtigen Fachstellen bis hin zur fertigen Unterstützungsleistung führen kann. Natürlich gibt es Fälle, bei denen auch wir sagen müssen, da können wir nicht konkret helfen. Aber in der Regel wissen wir dann, wie und wo es weitergehen kann und die Ratsuchenden haben immer die Möglichkeit, zu uns zurück zu kommen und das nächste Thema anzugehen.

Am 21. November findet die offizielle Eröffnung der Beratungsstelle in Potsdam statt. Was ist geplant?
Wir werden das Bundesprojekt „ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“, kurz EUTB, vorstellen und zeigen wo wir als EUTB Potsdam des VdK unsere Schwerpunkte in diesem Projekt sehen. Der Geschäftsführer Klaus Sprenger wird anwesend sein und vielleicht etwas darüber berichten, wie der VdK Berlin-Brandenburg als einziger Landesverband des VdK zur EUTB gekommen ist.
Unsere EUTB-Kolleginnen und -Kollegen in der Region werden wir ebenfalls einladen und freuen uns auf einen regen Austausch mit dem Netzwerk der EUTBs. Außerdem hoffen wir auf die Beteiligung der Stadt Potsdam. Eingeladen sind unter anderem der Behindertenbeauftragte der Stadt Potsdam, Christoph Richter und der Beirat der Menschen mit Behinderung in Potsdam sowie einige Kooperationspartner, die wir bereits gewinnen konnten.

Das Interview führte Bettina Kracht

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