30 Jahre Hilfe, 30 Jahre Herausforderungen

VdK-Mobilitätshilfedienste feiern Jubiläum im Rathaus Charlottenburg

© Fotolia

„Draußen spielt das Leben“ – mit diesem Leitspruch begleiten die Mobilitätshilfedienste ihre Klientinnen und Klienten seit nunmehr 30 Jahren. Die Projektleiterin Kerstin Herold, fast seit Beginn dabei, erinnert sich an die Anfänge und Meilensteine der letzten Jahrzehnte.
Ursprünglich 1986 als Modellprojekt „Kurzstrecken-Schiebedienste“ in Charlottenburg-Wil­mersdorf gegründet, sind die Mobilitätshilfedienste heute eine feste Institution in der Altenhilfe. Das bundesweit einzigartige Projekt begleitet Berlinerinnen und Berliner etwa bei Spaziergängen, Einkäufen oder anderen Terminen, damit sie auch im hohen Alter den direkten Kontakt zur Außenwelt nicht verlieren.
Als Kerstin Herold 1991 zur Mobilitätshilfe kam, befand sie sich wie auch Berlin im Umbruch. Sie verlor ihre Stelle als Sachbearbeiterin für Arbeitsvermittlung im Dienstleistungsamt für ausländische Vertretung der DDR und begann in Eigeninitiative eine Weiterbildung zur Sozialmanagerin. Eines der geforderten Praktika leistete sie beim Mobilitätshilfedienst des VdK Berlin-Brandenburg in Lichtenberg ab, der damals in den Kinderschuhen steckte. Im Juni 1992 konnte Herold dort als fest angestellte Mobilitätshelferin anfangen. „Damals haben wir unser Klientel noch überzeugen müssen, unsere Dienste in Anspruch zu nehmen. Die meisten dachten am Anfang: Kostenlose Hilfe? Da gibt es doch einen Haken. Das ist heute anders“, so Herold.
Im Zuge der Veränderungen nach der Wende wurden die Verwaltungen von Ost- und West-Berlin zu einem großen Verwaltungsapparat zusammengeführt, viele neue Projekte wurden ins Leben gerufen. Noch im Jahr nach Kerstin Herolds Einstellung erhielt die Mobilitätshilfe eine Zuwendung vom Senat. Mit deren Mitteln für neue Stellen trat Herold am 1. März 1993 ihre Stelle als Projektleiterin in Pankow an, die sie bis heute innehatte.

Umstrukturierung

Mit der Bezirksreform zur Jahrtausendwende kam eine weitere große Veränderung: Wie bei der Umstrukturierung von 23 auf 12 Bezirke sollte es in Zukunft nur noch 12 Mobilitätshilfedienste geben. Kampflos gaben Kerstin Herold und ihre Kollegen aber nicht auf: 19 Dienste blieben erhalten. Heute gibt es 13 Mobilitätshilfedienste in den Bezirken, vier davon in den Bezirken Charlottenburg-­Wilmersdorf, Reinickendorf, Pankow und Neukölln werden vom VdK Berlin-Brandenburg betrieben.
Wie hier zeigte sich in den drei vergangenen Jahrzehnten immer wieder, wie abhängig das Altenhilfe-Projekt von der öffentlichen Hand, wie dem Arbeitsamt und später den Jobcentern, ist. Diese vermitteln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen von Arbeitsmaßnahmen an die Mobilitätshilfedienste. Kerstin Herold erinnert sich mit Schrecken an Momente, in denen eine Weiterförderung nicht oder nur teilweise bewilligt wurde: „Von einem Tag auf den anderen wurde uns die Arbeitsgrundlage entzogen. Wir konnten den Klientinnen und Klienten nicht vermitteln, warum sie plötzlich unsere Dienste nicht mehr wahrnehmen können. Wir haben es ja selbst kaum verstanden.“} Doch der Senat reagierte auf die verzweifelten Forderungen: Die Mobilitätsdienste blieben erhalten und die Finanzierung wurde gesichert.

Technischer Fortschritt

Nicht nur auf der Verwaltungsebene gab es in den letzten 30 Jahren viele Herausforderungen. Krankenkassen ziehen sich immer mehr aus Leistungen wie Krankentransporten zurück, und das Klientel wird zunehmend älter. Pflegeleistungen übernehmen die VdK-Mobilitätshilfedienste zwar nicht, doch die Anforderungen an das Team sind durch den technischen Fortschritt und die Verbreitung von technischen Hilfsmitteln gestiegen. Heute sind alle Beschäftigten für den Umgang damit ausgebildet – bei der Gründung vor 30 Jahren gab es dies noch nicht.
Die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht heute stark im Fokus. Zu den einschneidendsten Ereignissen in ihrer Zeit beim Mobilitätshilfedienst gehörte für Kerstin Herold der unerwartete Tod eines Mitarbeiters: „Das war grausam. Als Team haben wir sehr daran geknabbert“, so Herold betroffen. Heute gehört es fest zur Arbeitsorganisation dazu, sich nach der Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen zu erkundigen. Alle sind aufgerufen, auf sich und andere zu achten – wer sich nicht fit fühlt, wird angehalten, die Einsatzleitung zu informieren.

Finanzierung

Die Bezirksreform des Senats, die Hartz-IV-Gesetze und auch die Auswirkungen von politischen Entscheidungen – die Mobilitätshilfedienste haben viele Veränderungen in der Stadt miterlebt. Heute wissen sie den Senat auf ihrer Seite. Erst 2016 wurden weitere zwei Millionen Euro an Zuwendungen bewilligt und bescherten 60 neue Angestellte. Der erste Dienst von 1986 in Charlottenburg-Wilmersdorf etwa hat mittlerweile 19 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wo es früher nur zwei gab. Viele von ihnen haben über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) oder Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) zur Mobilitätshilfe gefunden. Dank der Zuwendungen haben sie heute nach Tarif bezahlte Arbeitsverträge.
Deshalb wird das Jubiläum dieses Jahr im Rathaus Charlottenburg groß gefeiert. Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, kennt die Mobilitätshilfedienste noch aus ihrer Zeit als Abgeordnete. Sie wird zum Jubiläum ein Grußwort an die Gäste richten. Zur Jubiläumsfeier sind alle eingeladen, die das Projekt schon jahrelang begleiten. Insgesamt 200 Gäste werden im Festsaal des Rathauses erwartet, der vom Bezirksamt für die Feier zur Verfügung gestellt wird.
Auch Kerstin Herold ist bei der Feier nur noch als Gast dabei. Nach 27 Jahren gibt sie zum 1. Oktober die Leitung des Mobilitätshilfedienstes Pankow in neue Hände ab und wird von ihren Kolleginnen und Kollegen in die Rente verabschiedet.

Antonia Galganek

Sozialverband VdK
Finger zeigen auf einen Stadtplan
Hier finden Sie die Beratungsstellen für Sozialrecht des Sozialverbands VdK in Berlin und Brandenburg.
Sozialverband VdK
Das Bild zeigt eine starke Gemeinschaft, die aus Frauen und Männern, mit und ohne Behinderung in verschiedenen Altersgruppen besteht.
Der Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg engagiert sich für soziale Gerechtigkeit und Teilhabe. Lernen Sie uns kennen!
Aktuell
Wir fordern Barrierefreiheit: So kann ein respektvolles und gleichberechtigtes Miteinander aussehen. Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg beim Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.
Für Menschen, die auf Unterstützung bei Wegen außerhalb der Wohnung angewiesen sind, bieten wir Begleithilfen, zum Beispiel zum Einkauf, zum Arzt oder zum Spazierengehen. | weiter

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.