26. April 2016

Solidargemeinschaft mit Zukunft

Eine Studie zeigt, warum der VdK erfolgreicher ist als andere soziale Organisationen

Während andere soziale Vereine und Verbände, Parteien und ­Gewerkschaften ständig gegen sinkende Mitgliederzahlen ankämpfen, ist der Sozialverband VdK in den letzten Jahrzehnten mit inzwischen 1,7 Millionen Mitgliedern zum mitgliederstärksten Sozialverband in der Bundesrepublik aufgestiegen.

Was ist das Erfolgsrezept unserer ehemaligen Selbsthilfeorganisation für Kriegsopfer, das auch in Zeiten der Globalisierung und Europäisierung Bestand hat? Dieser Frage sind die Autorinnen Sascha Kristin Futh und Hanna Jeanrond in der für die Hans-Böckler-Stiftung erstellten Studie unter dem Titel „Der Erfolg des Sozialverbandes VdK – Wie sich ein Verband zum Mitgliedermagnet transformiert“ (Düsseldorf 2013) nachgegangen.
In dieser Studie weisen die Autorinnen zunächst darauf hin, dass die Mitgliederzahl seit der Verbandsgründung im Jahr 1950 keineswegs durchgängig steil nach oben anstieg, sondern zwischen 1960 und 1990 von circa 1,3 Millionen auf 900 000 Mitglieder zurückgegangen ist. Erst seit 1990 wies die Kurve wieder stetig nach oben – auf einer nach oben weiter offenen Skala.
Diese Schwankungen erklären sie vorrangig mit einer veränderten Sozialgesetzgebung beziehungsweise einem damit zusammenhängenden massiven Sozialabbau einerseits und der Fähigkeit des VdK zur Selbsttransformation andererseits. Ursprünglich gegründet als Verband der Kriegsopfer, seit den 70er- Jahren auch Interessenvertretung für Behinderte und Rentner, seit den 90er-Jahren als „Sozialverband“ Sprachrohr für alle sozial Benachteiligten und Interessierten, hat sich der Sozialverband VdK bundesweit der geänderten sozialen beziehungsweise sozialgesetzlichen Problemlagen angenommen und somit immer neues gesellschaft­liches und politisches Terrain erobert. Auf diesem Wege hat der VdK auch die beiden anderen Sozialverbände SoVD und Volkssolidarität hinter sich gelassen.
Interessant ist auch, dass der VdK in ländlichen Gebieten einen größeren Mitliederzuwachs zu verzeichnen hat als in den Städten. Ferner ist der Organisationsgrad vor allem in den südlichen Bundesländern auffallend hoch. Herausragendes Organisationsmerkmal ist zudem die Dichte der Kreis- und Ortsverbände in der Fläche: 9000 Kreis- und Ortsverbände weist kein anderer Sozialverband in Deutschland auf.
Entsprechend der veränderten politischen Zielgruppen hat sich auch die Mitgliederstruktur im ­Laufe der Jahre stark verändert. Der Anteil der Kriegsopfer beziehungsweise -hinterbliebenen an den im Durchschnitt heute zwischen 60 und 65 Jahre alten Mitgliedern ist gegenüber den Rentnern und vor allem gegenüber den Menschen mit Behinderungen sowie anderen Mitgliedern inzwischen verschwindend gering.

„Mund-zu-Mund-­Propaganda“
Aber nicht alles hat sich geändert. Auch im Zeitalter von Internet und digitalen Medien ist die „Mund-­zu-Mund-Propaganda“ nach wie vor das probate und erfolgreichste Mittel der Mitgliederwerbung. Daran hat auch die modernisierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Verbands nichts geändert. Diese „externe“ Öffentlichkeitsarbeit dient vorrangig dazu, das eigene Image zu stärken und die verbandspolitischen Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Die größte Attraktion im Rahmen der Mitgliedergewinnung stellt ebenfalls nach wie vor die Sozialrechtsberatung beziehungsweise die Vertretung der Mitglieder vor Sozialgerichten dar. Im Rahmen der sukzessiven Strukturveränderungen des Verbands hat sich der Themenbereich ausgehend von der Kriegsopferversorgung ausgeweitet auf Behindertenrecht, Rentenrecht, Unfall-, Kranken- und Pflegerecht.
Im Vergleich zu dieser Serviceleistung ist die Bedeutung der Geselligkeitsveranstaltungen für die Mitgliedergewinnung eher nicht so wichtig, sondern eher für eine langfristige Mitgliederbindung von Bedeutung. Zusammengefasst lässt sich resümieren, dass der Erfolg des Sozialverbands VdK in der Bundesrepu­blik das Ergebnis einer Kombination unterschiedlicher interner und externer Faktoren ist, wobei die Fähigkeit zur sukzessiven Transformation neben dem Angebot der Sozialberatung und Rechtsvertretung für Mitglieder vielleicht perspektivisch am wichtigsten war und ist.

Georg Steinhoff

© Hans-Böckler-Stiftung Düsseldorf

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