Aktueller Testbericht - Mobil mit Stil hat seinen Preis

Moderne Rollatoren glänzen im Test der Stiftung Warentest, aber der neue Komfort kostet extra

Menschen, die sich nur zuhause bewegen und auf ebenem Boden, kommen mit jedem Rollator zurecht. Der Klassenunterschied beginnt draußen. Das hat eine Untersuchung von 15 vierrädrigen Gehhilfen der Stiftung Warentest ergeben.

Die traditionellen Modelle sind oft schwerer über Kieswege zu schieben oder über Bordsteine zu heben als moderne. Meist sind sie sperriger und lassen sich schlechter für den Transport zusammenklappen. Traditionelle Rollatoren sind jene, die von Kassen auf Rezept finanziert werden. Moderne kosten fast immer extra.

Kenner unterscheiden die Klassen nach der Methode, mit der sich Rollatoren zusammenfalten lassen. Herkömmliche sind Querfalter: Sie werden quer zur Fahrtrichtung eingeklappt. Oft sind sie aus Stahl gebaut und relativ schwer. Dagegen stehen die Längsfalter. Das sind meist deutlich teurere Modelle, die aus leichtem Aluminium bestehen.

Die große Spaltung begann 2002: Damals brachte der norwegische Hersteller Topro seinen ersten Längsfalter auf den deutschen Markt – für Kunden, die für eine funktionalere und schickere Gestaltung etwas springen lassen können und wollen. Andere Hersteller folgten.

© Glenda Powers / Fotolia.com.

Für die aktuelle Ausgabe von „test“ wurden zehn Längsfalter untersucht und fünf Querfalter. Begleitet von Experten testeten routinierte Rollatoren-Nutzer im Alter von 75 bis 81 Jahren die Modelle im Alltag. Im Labor wurden Verarbeitung und Sicherheit geprüft und zudem Handgriffe, Sitz und Rückenlehne auf gefährliche Stoffe untersucht.

Längsfalter schneiden besser ab

Am Ende vergab die Stiftung Warentest siebenmal das Qualitätsurteil gut – sämtlich an Längsfalter. Anbieter geben den mittleren Preis dieser Rollatoren mit etwa 290 bis 390 Euro an. Auf Platz acht folgt ein Querfalter als Bester unter den Befriedigenden. Er ist laut Anbieter für rund 120 Euro zu haben. Am Ende des Feldes stehen Modelle beider Gruppen, die Schadstoffe enthalten und bei der Sicherheit schwächeln.

Besonders spürbar werden die Unterschiede zwischen Rollatoren auf schwierigem Untergrund. Also etwa, wenn die Probefahrer holprige Wege im Gelände queren, wenn es gilt, auch mit beladenem Korb Hindernisse zu überwinden oder das Gefährt sicher zum Stehen zu bringen.

Zwar verhindern die Bremsen fast aller Rollatoren, dass die Räder sich weiterdrehen. Aber einigen Testnutzern reicht das nicht, weil sich die profillosen Räder auf glattem Untergrund leicht weiterschieben lassen. Die Stiftung Warentest rät, bei steileren Wegen aufzupassen. Und auch im fahrenden Bus. Denn selbst mit gezogenen Bremsen stehen Rollatoren nicht fest genug.

Bei einigen Modellen schlagen Bremshebel gegen die Hände, sobald die Feststellbremse gelöst wird. Mitunter müssen Nutzer erst den Griff loslassen, um überhaupt an diesen Hebel zu kommen. Vor dem Kauf sollten Kunden probieren, ob sie gut mit den Bremsen umgehen können. Außerdem sollten sie die Gehhilfe auch mit Beladung Probe fahren, da manche dann leichter kippen.

Wer auswählen will, zahlt drauf

Wer welchen Rollator auf Rezept bekommt, ist undurchsichtig. Viele Kassen haben individuelle Verträge mit bestimmten Sanitätshäusern oder Lieferbetrieben abgeschlossen. Selbst wer aus gesundheitlichen Gründen besondere Anforderungen geltend machen kann, bekommt von der Kasse meist nur das günstigste geeignete Modell. Wer auswählen will, muss draufzahlen. Hier kann sich der Blick ins Internet lohnen. Im Onlinehandel kosten Rollatoren oft deutlich weniger als im Sanitätshaus.

Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Warentest abgedruckt. Weitere Informationen in der Zeitschrift „test“ vom Februar 2014 und unter www.test.de/rollatoren im Internet.

Der VdK Berlin-Brandenburg berät zu Hilfsmitteln aller Art, über Umbaumaßnahmen zur barrierefreien Gestaltung der Wohnung und informiert über Zuschüsse und Kostenträger. | weiter

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