1. September 2022
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„Bin gespannt, was das Leben mit mir vorhat“

Angie Berbuer hat durch einen Unfall beide Unterschenkel verloren – Nun verteilt sie Lebensmut auf den sozialen Medien

Vor etwa drei Jahren verlor Angie Berbuer bei einem Autounfall beide Unterschenkel. Ihre Lebensfreude hat die 23-jährige Kölnerin aber behalten. Die Influencerin treibt viel Sport und ermutigt Menschen über die sozialen Medien, zu ihren Einschränkungen zu stehen.

Angie Berbuer
© Deborah Plath

Sie haben den Unfall nur knapp überlebt, sind erst im Krankenhaus wieder aufgewacht. War es schwierig herauszufinden, wo Sie Unterstützung erhalten?
Im Krankenhaus stand ich erst mal vor dem Nichts, war total überfordert. Mit der Situation an sich, aber auch mit den vielen Formularen, die ausgefüllt werden mussten. Das ist ein komplettes Labyrinth an Bürokratie. Wie wenn man in ein fremdes Land kommt und die Sprache nicht beherrscht. Ich finde, das muss vereinfacht werden.

Wie könnte das gelingen?
Es gibt ja durchaus einige Hilfsmöglichkeiten, die man als Betroffene nutzen kann. Nur wie finde ich diese? An wen wende ich mich in so einer Lage? Wer hilft mir? Es wäre gut, solche Informationen einfach und für alle verständlich zusammenzufassen.

Was raten Sie jungen Menschen nach Ihrer Erfahrung?
Es ist wichtig, sich finanziell abzusichern und für die Zukunft vorzusorgen. Man kann auch in jungen Jahren einen Unfall oder einen Schlaganfall haben. Alles kann sich von heute auf morgen ändern.

Mehr als 150.000 Menschen folgen Ihnen auf Instagram, über 470.000 auf TikTok. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie auf diesen Plattformen über sich berichten?
Ich habe mich kurz nach dem Unfall dazu entschieden, mein Leben auf Social Media zu teilen, damit ich nicht jedem immer wieder die gleiche Geschichte erzählen muss. Aber dass es so groß wird, habe ich nicht erwartet.

Sie bekommen viel positiven Zuspruch von Ihren Followern, aber es gibt immer wieder auch negative, verletzende Kommentare. Wie gehen Sie damit um?
Obwohl ich ein sensibler Mensch bin, kann ich mich mittlerweile sehr gut davon distanzieren. Ich bin offen für konstruktive Kritik und kann gut aus Fehlern lernen. Aber es gibt Menschen, die inhaltslosen Unfug schreiben. Hier versuche ich, wenn möglich, aufzuklären. Falls das nichts hilft, blockiere ich sie.

Sport spielte schon immer eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Sie gehen regelmäßig ins Fitness­studio. Wäre für Sie eine Karriere als Para-Sportlerin denkbar?
Der Kraftsport hat mich nach dem Unfall so ein bisschen gerettet, weil ich durch ihn sowohl physisch als auch mental viel Kraft mitgebracht habe. Aktuell ist der Para-Sport aber nicht mein Ziel, auch wenn ich die Voraussetzungen dafür habe. Ich denke, ich habe in anderen Bereichen ein größeres Potenzial.

Dank zweier Prothesen können Sie wieder laufen. Sie nutzen zudem einen Rollstuhl. Auf welche Barrieren stoßen Sie unterwegs?
Generell habe ich keine Probleme damit, andere Leute zu fragen, ob sie mir helfen können. Paris fand ich für Rollstuhlfahrer total ungeeignet. Auch in Köln gibt es viele Stufen. Das ist echt schade, weil man oft so große Umwege machen muss, wenn Rolltreppen oder Aufzüge fehlen.

Wie ließe sich das verbessern?
Barrierefreiheit ist wichtig und sollte weitergedacht werden als bisher. Die Städte müssten viel mehr mit Menschen mit Behinderung zusammenarbeiten.

Sie haben vor Kurzem ein Buch veröffentlicht, in dem Sie Ihren Unfall und dessen Folgen beschreiben. Wie war das für Sie, wieder intensiv über die Geschehnisse nachzudenken?
Es war wie eine Langzeittherapie. Manche Gespräche mit meiner Co-Autorin gingen leicht, teilweise war es aber schon emotional aufwühlend. Dann brauchte ich manchmal ein, zwei Tage Pause.

Was planen Sie als Nächstes?
Ich möchte Ende des Jahres nach Prag fahren, will aber auch bald mal wieder fliegen. Außerdem schreibe ich sicher irgendwann ein weiteres Buch. Aber gerade passiert so unfassbar viel. Ich bin gespannt, was das Leben mit mir vorhat.

Buchtipp

Mein Glück ist meine Entscheidung

Angie Berbuer erzählt in diesem Buch von ihren Höhen und Tiefen, wie sie letztlich jedes Hindernis überwand und dabei ihrem Motto stets treu blieb: die Frau zu sein, die ihr Lächeln nie verliert.

ISBN 978-2-49671-054-0
Topicus-Verlag

Interview: Mirko Besch

Schlagworte Angie Berbuer | Inklusion | Barrierefreiheit

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