29. August 2022
VdK-Zeitung Archiv

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel

Die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise belasten viele Menschen

Die hohe Inflation und die steigenden Strom- und Energiepreise bereiten immer mehr Menschen Sorge. Nicht alle werden von der Bundesregierung entlastet. Einige, wie etwa Rentnerinnen und Rentner, aber auch Alleinerziehende, kommen kaum noch über die Runden.

Symbolbild: Heizungsthermostat
© Pixabay

Wenn VdK-Mitglied Delal Barzani* aus Neumarkt in Bayern einkaufen geht, muss sie jeden Cent umdrehen. Nach einer Krebs­erkrankung und einer schweren Operation konnte die Mutter zweier Söhne lange nicht mehr arbeiten. Die 44-Jährige bezieht derzeit Übergangsgeld, eine kleine Erziehungsrente und Kindergeld. Mehr Einkünfte hat die Alleinerziehende nicht. Auch wenn sie im Herbst wieder zu arbeiten beginnt, wird sie nur 300 Euro mehr haben.

Die derzeit knapp 2000 Euro reichen gerade so für sie und die Kinder. „Wir müssen genau überlegen, was wir essen und trinken“, sagt die Kinderpflegerin. Weil alles immer teurer wird, hat sie noch mehr Sparmaßnahmen getroffen. Unter anderem kündigte sie ihren Fitness­studio-Vertrag, fährt nur noch Auto, wenn es unbedingt sein muss, und der jüngere Sohn verzichtet auf sein Hobby. Vor einigen Jahren hatte sie ein kleines Häuschen gekauft, weil sie ihre Kinder versorgt wissen wollte, wenn der Krebs wiederkommen sollte. Das bezahlt sie nun ab. Für das Heizöl musste sie sich Geld von einer Freundin leihen, und wenn im Haus etwas kaputtgeht, dauert es oft lange, bis sie es ersetzen kann.

Keine Grundsicherung

Auch Siglinde Schürmann-Ittenbach und ihr Mann kommen nur knapp über die Runden. Die Rentner waren viele Jahre selbstständig und leben in einem kleinen Häuschen in Oberfranken. Zusammen haben sie monatlich etwa 2100 Euro zur Verfügung – das sind rund 300 Euro zu viel, um Grundsicherung beantragen zu können. „Mein Mann ist privat kranken- und pflegeversichert, zwar zu einem günstigen Tarif, aber auch das kostet viel Geld“, erzählt die 67-Jährige. Sie ist froh, dass sie beide wenigstens Wohn­eigentum haben, „sonst wüsste ich nicht, wie wir durchkommen sollten“.

Als sie im April Heizöl bestellen mussten, wurde ihnen Grundsicherung bewilligt, weil die Einkünfte in diesem Monat abzüglich der Ausgaben für das Öl deutlich unter dem Existenzminimum lagen. „Wir müssen sparen, wo es nur geht. Trotzdem bleibt nur wenig zum Leben übrig“, sagt das VdK-Mitglied. Dass die private Altersvorsorge voll auf ihre Einkünfte angerechnet wird, empfindet sie als Strafe. Denn diese hatte sie eigentlich abgeschlossen, um im Alter gut versorgt zu sein.

*Name von der Redaktion geändert

Annette Liebmann

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