27. Mai 2022
VdK-Zeitung Archiv

Mehr als eine technische Spielerei

Digitale Helfer können das Leben im Alter erleichtern

Die meisten Menschen wünschen sich, im Alter in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Moderne Technologien, wie etwa Aufstehhilfen, Notrufsysteme, digitale Orientierungshilfen oder Schließanlagen, können es ermöglichen, trotz körperlicher Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Allerdings steuern die Kranken- und Pflegekassen nur selten einen Zuschuss bei.

Symbolbild: Ein Mann steuert per Knopfdruck ein Haustechnik-System
© Pixabay/geralt

Unter dem Begriff „Ambient Assisted Living“ (AAL) werden alle Dienstleistungen und Produkte zusammengefasst, die den Alltag erleichtern und das Zuhause sicherer machen sollen. Mit ihrer Hilfe könnten Pflegebedürftige deutlich länger in ihrer Wohnung bleiben. Die einzige Voraussetzung für den Gebrauch dieser Helfer ist eine Anbindung ans Internet. Viele Geräte erklären sich von selbst, manche können sogar über die Sprache gesteuert werden.

So lassen sich beispielsweise verschiedene Haushaltsgeräte mittels einer universellen Fernsteuerung bedienen oder die Temperatur und Beleuchtung der Wohnung automatisch regeln. Wohnungen und Häuser, in denen verschiedene Technologien zusammenarbeiten, werden Smarthomes genannt.

Weiterhin gibt es warnende Lichtsignale für Menschen mit einer Hörschädigung, Sturz­erken­nungs­­systeme sowie Herdplatten und Öfen, die sich automatisch abschalten. Alleinlebende profitieren von AAL-Systemen, die erkennen, wenn sie ihre Alltagsgewohnheiten ändern. Dann werden Angehörige oder der Pflege­dienst informiert.

Technologien wie diese gibt es schon länger, aber in den Bereichen Leben im Alter und Pflege sind sie bislang eher eine Ausnahme. Das mag zum einen daran liegen, dass ältere Menschen oft Geräte mit komplexer Technik scheuen, da sie den Umgang mit Computern nicht gelernt haben. Ein weiterer Grund ist, dass viele AAL-Systeme recht teuer sind. Kranken- und Pflegekassen steuern nur unter engen Voraussetzungen etwas zu deren Anschaffung bei.

Hausnotruf ist Hilfsmittel

Regulär bezahlt wird bisher nur der Hausnotruf, mit dessen Hilfe bei einem Notfall Angehörige, Pflege- und Rettungsdienst benachrichtigt werden können. Anspruch haben alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1, die allein leben oder zusammen mit jemandem, der in einer Notsituation nicht in der Lage wäre, Hilfe zu holen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch ein mit geringen Funktionen ausgestattetes Pflegebett übernommen werden.

Beide zählen zu den Pflegehilfsmitteln und sind im Hilfsmittelverzeichnis der Pflegekassen aufgeführt. Bei der Antragstellung empfiehlt es sich, die Notwendigkeit durch einen Arzt bescheinigen und begründen zu lassen.

Zuschüsse von der Pflegekasse gibt es auch im Rahmen von wohn­umfeldverbessernden Maßnahmen, wie beispielsweise Türverbreiterungen, Rampen oder Treppenlifte. Technische Hilfsmittel und digitale Pflegeanwendungen werden bisher nur selten gefördert. Sie sind in den aktuellen Leistungskatalogen nicht aufgeführt. Allerdings übernehmen die Kassen hin und wieder die Kosten für automatische Herdabschaltungssysteme.

Um ein solches zu beantragen, ist es notwendig, im Vorfeld einen Kostenvoranschlag einzureichen. Wer es auf eigene Faust in­stallieren lässt, riskiert, dass er auf den Kosten sitzen bleibt. Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen ist begrenzt auf 4000 Euro pro Person.

Neben der Pflegekasse kann auch die Krankenkasse digitale Unterstützungssysteme als Kostenträgerin übernehmen. Das tut sie jedoch nur, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen – etwa, wenn das Hilfsmittel eine Behinderung ausgleicht. Für die Antragstellung ist hier eine ärztliche Verordnung zwingend notwendig.

KfW-Zuschuss auf Eis

Für größere Bauvorhaben in den eigenen vier Wänden gab es bisher den KfW-Investitionszuschuss „Barrierereduzierung“. Damit wurde unter anderem die Anschaffung von altersgerechten Assistenzsystemen und Smarthome-A­wendungen unterstützt. Mit einem Zuschuss von bis zu 6250 Euro wurden beispielsweise digitale Steuerungssysteme für Heizungen oder Sturzmelder gefördert.

Leider hat die Bundesregierung den Investitionszuschuss auf Eis gelegt. Dagegen hat der VdK Deutschland protestiert. Weiterhin möglich ist jedoch die Beantragung eines KfW-Kredits. Im Programm 159 „Altersgerecht Umbauen“ kann man für solche Maßnahmen einen Kredit von bis zu 50.000 Euro bekommen.

Auch auf Landesebene gibt es weitere Möglichkeiten, eine Förderung für moderne Technologien zu erhalten. Diese sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wer sich hierzu informieren will, sollte sich an die VdK-Landesverbände beziehungsweise an die Wohnberatungsstellen vor Ort wenden.

Annette Liebmann

Schlagworte Ambient Assisted Living | wohn­umfeldverbessernden Maßnahmen | Hausnotruf | Aufstehhilfen | digitale Orientierungshilfen

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