27. Mai 2022
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Zurück ins Leben und in den Beruf

Betroffene und Experten tauschen sich bei Fachtagung des BTZ-VdK Rehawerks zu Long-Covid aus

Hunderttausende Menschen in Bayern leiden unter Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung. Bei einer Fachtagung des BTZ-VdK Rehawerks in Straubing berichteten zwei Betroffene über Long-Covid. Auch in die VdK-Sozialrechtsberatung kommen immer mehr Erkrankte.

Gruppenbild
Karolina Stechele (links) und Valentin Stollberg (rechts) vom BTZ Straubing bedanken sich bei Dr. Daniel Schmalenberger, Birgit Birner und Karl Baumann (von links) für ihre Ausführungen zum Thema Long-Covid. | © Sebastian Heise

Karl Baumann will gerade anfangen, über seine Erfahrungen mit Long-Covid zu berichten, als er ins Stocken gerät. Der 54-Jährige weiß nicht weiter. Birgit Birner fragt ihn, ob sie übernehmen soll. Er nickt und lässt ihr den Vortritt. So etwas passiert Karl Baumann ständig. Es ist eines der Merkmale seiner Long-Covid-Erkrankung. Plötzlich kann er keinen klaren Gedanken fassen und weiß nicht mehr, was er sagen oder tun wollte.

Zusammen mit Birgit Birner ist VdK-Mitglied Karl Baumann zu einer Fachtagung des BTZ Straubing zum Thema „Long-Covid – Herausforderungen in der beruflichen Rehabilitation“ gekommen. Im Publikum sitzen Beratungsfachkräfte der Arbeitsagenturen und der Rentenversicherungsträger. Sie vermitteln immer wieder Menschen an das Berufliche Trainingszentrum, die aus psychischen Gründen nicht mehr ihre gewohnte Arbeit ausüben können.

Das Tochterunternehmen des Sozialverbands VdK Bayern rechnet damit, dass künftig auch Menschen mit Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung nach Straubing kommen werden, und setzt sich daher intensiv mit dieser Erkrankung auseinander. Valentin Stollberg vom Psychosozialen Team des BTZ erläutert in seiner Einführung, dass je nach Studie zwischen 10 und 40 Prozent der Corona-Infizierten unter Long-Covid leiden. Bei bisher rund 4,7 Millionen Personen in Bayern wären das zwischen 470.000 und zwei Millionen, die von Langzeitfolgen betroffen sind.

Die Patientinnen und Patienten klagen meist über eine Vielzahl körperlicher Einschränkungen, wie chronische Müdigkeit, Atemnot und Kopfschmerzen. Aufgrund dieser immer wiederkehrenden Beschwerden werden viele auch psychisch krank. Dr. Daniel Schmalenberger, der in der Klinik Donaustauf Long-Covid-Patientinnen und -Patienten betreut, berichtet, dass etwa ein Drittel der Betroffenen mit Depressionen zu kämpfen hat.

Karl Baumann und Birgit Birner haben sich gleich zu Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus angesteckt. Der Oberpfälzer hatte einen sehr schweren Verlauf, lag drei Wochen im Koma und musste lange auf der Intensivstation behandelt werden. Nachdem er endlich wieder zu Hause war, war er ständig müde, hatte Atembeschwerden und Wortfindungsstörungen. Er tauschte sich mit anderen Betroffenen aus und gründete Deutschlands erste Post-Covid-Selbsthilfegruppe.

An diese Gruppe wandte sich auch Birgit Birner. Die 46-Jährige aus Hirschau hatte sich auch gleich in der ersten Corona-Welle infiziert. Mehrere Wochen litt sie unter einer Lungenentzündung, musste aber nicht ins Krankenhaus. Als sie dachte, sie hätte Covid-19 überstanden, bekam auch sie typische Symptome für Long-Covid. Die ambitionierte Sportlerin war ständig müde und geriet beim Treppensteigen außer Atem.

Daniel Schmalenberger hat bereits zahlreiche Betroffene medizinisch betreut. Bisher gibt es nur Medikamente gegen die Symptome wie Schmerzmittel, erläutert er. Zentraler Baustein sei daher die medizinische Rehabilitation mit Maßnahmen wie Atemtherapie und psychologischer Betreuung.

Ihre bisherigen Berufe können Karl Baumann und Birgit Birner nicht mehr ausüben. Um Baumanns Betrieb kümmern sich seine Frau und sein Sohn. Er selbst hat zum Glück eine Berufsunfähigkeitsversicherung, von der er nun profitiert. Birgit Birner ist froh, dass ihr Arbeitgeber alles dafür tut, sie weiterzubeschäftigen. Sie hat jetzt einen anderen Bereich übernommen, den sie auch besser mit allen ärztlichen und therapeutischen Terminen vereinbaren kann.

VdK hilft Betroffenen

Unter den 140 Mitgliedern ihrer Selbsthilfegruppe sind jedoch einige, die ihre Stelle verloren haben. Manch einer hat auch schon eine berufliche Rehabilitation begonnen. Birgit Birner verweist Betroffene auch immer wieder an den Sozialverband VdK. Mathias Hochmuth, stellvertretender Leiter der Rechtsabteilung des VdK Bayern, berichtet, dass sich immer mehr Menschen mit Long-Covid beim VdK beraten lassen. Dabei konnten auch schon einige Erfolge erzielt werden, beispielsweise bei der Anerkennung einer Schwerbehinderung.

Das BTZ Straubing und der Sozialverband VdK werden alles versuchen, um den Betroffenen zu helfen – auf ihrem Weg zurück ins Leben.

Sebastian Heise

Schlagworte Long-Covid | Corona Langzeitfolgen | Reha | BTZ Straubing | beruflichen Rehabilitation

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