25. April 2022
VdK-Zeitung Archiv

In München trainieren fürs ukrainische Team

Zwei Geschwister finden nicht nur liebevolle Gasteltern, sondern auch sportlich eine neue Heimat

Gleich zu Beginn des Kriegs ist die ukrainische Fechterin Sofiia Sliusareva mit ihrem Bruder Mykhailo aus Kiew geflohen. In München fanden sie Unterkunft bei einer Gastfamilie mit Hunden und Katze. Beteiligt war dabei der Behinderten- und Rehabilitations-Sport­verband Bayern (BVS), mit dem der Sozialverband VdK kooperiert.

Fecht-Training
Sofiia Sliusareva (rechts) trainiert mit Dominik Nagel. | © Sebastian Heise

Noch in der Nacht, als Russland den Krieg gegen die Ukraine begonnen hat, sind die 23-jährige Sofiia Sliusareva und ihr sieben Jahre jüngerer Bruder Mykhailo aufgebrochen, um aus dem Land zu fliehen. Nach einer mehrtägigen Fahrt mit Auto und Bahn und wenig Schlaf kamen die beiden nach München. Eine Freundin von Sofiia lebt in der bayerischen Landeshauptstadt und nahm sie in Empfang. Dort konnten sie nur kurze Zeit bleiben. Über ein Internetportal kamen die beiden zu Maria-Jolanda Boselli und ihrem Mann. Da deren Kinder schon aus dem Haus sind und das obere Stockwerk daher meistens frei ist, haben sie dort genügend Raum für sie.

In den ersten Stunden, als sie zusammen gegessen und sich unterhalten haben, erzählte Sofiia auf Englisch von der Flucht. Dabei gab es auch immer wieder Tränen, wie Boselli erzählt. Nach kurzer Zeit fühlten sie sich sehr wohl in München. Die zwei Hunde und die Katze im Haus sorgten ebenso für Abwechslung wie der Streaming-Dienst. „Auf einmal lief bei uns Netflix auf Russisch“, berichtet Boselli schmunzelnd. Auch der Vermieter unterstützt die Hilfs­aktion. „Danke für Ihr Engagement“, schrieb er an das Ehepaar.

Mykhailo ist noch in der Schule und bekommt über Internet Distanzunterricht. Sofiia lebt eigentlich von ihrem Sport. Sie gehört zu den besten Fechterinnen ihres Landes und wird normalerweise vom Staat bezahlt. Sie rief daher aus München ihren Trainer in der Ukraine an und fragte ihn, wie sie weiter ihren Sport ausüben könne. Dieser kannte von internationalen Turnieren Jürgen Zielinski vom Vorstand des Fechtclubs München. Zielinski bot sofort an, dass Sofiia gemeinsam mit ihrem Bruder, der ebenfalls zu den größten Fecht-Talenten der Ukraine gehört, bei ihnen mittrainieren könnte. Allerdings brauchten die beiden noch eine Ausrüstung, da sie ihre eigene auf der Flucht nicht mitnehmen konnten. So streckte der Verein zunächst das Geld vor, bestellte Degen, Masken, Anzüge und Schuhe für die Geschwister, und nun versucht Zielinski, dafür Spenden einzuholen (www.fechten-inklusiv.de/spenden).

Seit einigen Wochen trainieren Sofiia und Mykhailo ebenso wie ein weiterer geflohener junger Fechter aus der Ukraine mit den Münchnern. Mit Leidenschaft und Freude sind sie dabei. Sofiia trainiert dabei nicht nur ihr eigenes Können. Der Fechtclub hat sie als ehrenamtliche Trainerin für die Rollstuhlfechter gewonnen, die in der Halle im Münchner Werksviertel-Mitte ebenfalls zwei Anlagen haben. Dafür bekommt Sofiia eine Aufwandsentschädigung, was den beiden das Leben leichter macht.

Inklusion wird beim Fechtclub München großgeschrieben, und entsprechend konnte der Verein im Rollstuhlfechten schon einige Erfolge erzielen. Daher kannte Maria-Jolanda Boselli schon Jürgen Zielinski und andere Aktive. Denn die Journalistin betreut das Magazin „SpoKa“ des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Bayern. In dieser Funktion arbeitet sie mit der Pressestelle des VdK Bayern zusammen. Denn der Sozialverband unterstützt den BVS finanziell und steuert auch Artikel zum „SpoKa“ bei.

Maria-Jolanda Boselli (Zweite von rechts) und Jürgen Zielinski  (links) mit der Trainingsgemeinschaft beim Fechtclub München im Münchner Werksviertel-München.
Maria-Jolanda Boselli (Zweite von rechts) und Jürgen Zielinski (links) mit der Trainingsgemeinschaft beim Fechtclub München im Münchner Werksviertel-München. | © Sebastian Heise

Für Boselli ist es eine Herzensangelegenheit zu helfen, und sie freut sich, dass die beiden jungen Menschen sich wohlfühlen. „Sie lassen schon Pullis im Wohnzimmer liegen“, erzählt sie. „Das machen sonst nur Familienmitglieder.“ Sofiia will gerne beruflich in München Fuß fassen. Sie ist System­analytikerin und will in diesem Bereich eine Stelle finden, um dann eine eigene Wohnung zu mieten. Ihre sportliche Karriere will sie ebenfalls vorantreiben. Sie hofft, mit dem deutschen Team zu den nächsten Weltcupturnieren zu fliegen. Ihr großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris für das ukrainische Team. Dem Fechtclub und Maria-Jolanda Boselli ist sie sehr dankbar und sagt lächelnd: „Die Unterstützung von allen ist großartig.

Sebastian Heise

Schlagworte Ukraine-Hilfe | Hilfe für Geflüchtete | Fechten | Sport | Ukraine | Maria-Jolanda Boselli | Jürgen Zielinski | Werksviertel-Mitte | BVS | Rollstuhlfechten | Fechtclub München | Sofiia Sliusareva | Mykhailo Sliusarev

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